Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 18 (3.10.1919)
- Date
- 1919-10-03
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kölns am vergangenen Sonntag einen gemeinsamen Gang zum Grabe Wolffsohns. Dort widmeten di« Herren Jüstizrat vr. Bodenheimer. Abraham Reinhardt und Ernst Kramer (letzterer im Namen der nationaljüdischen Jugend Kölns) dem Toten warme Worte des Gedenkens. Herr , Kantor Cohn sang das „El mole rachamim". Dieser Gang j v zum Grabe Wolffsohns soll ist den nächsten Jahren wieder- I holt und zu einem ständigen "Brauche der Kölner Zionisten > werden. m Berncastel. Nach hierhergelangter amtlicher Mitteilung hat der in New Uork verstorbene Rentner Hermann Hirsch der Kultusgcmeindc seiner Vaterstadt ein Legat vermacht^ über dessen Höhe allerdings noch nichts bekannt ist. Einem schon früher geäußerten Wunsche des Stifters entsprechend soll dafür sein Andenken eine Reihe von Jahren durch einen Kadisch geehrt werden. Mayen. Vor einiger Zeit hat sich hier innerhalb de» I. I. B. eine Jugendgruppe gebildet, die allwöchentlich einmal zusammenkommt, um allgemeine Literatur und jüdische Geschichte zu pflegen und sich über Tagesfragen zu unterhalten. Einmal im Monat soll ein bunter Abend stattfinden, an dem Heiteres und Ernstes von den Mitgliedern zum Vortrag gebracht wird. Für den Winter hofft man einige gute Redner zu verpflichten. — Am 13. d. M. fand ein äußerst wohlgelungenes Fest statt. Zahlreich war die Jugend von nah und fern herbeigeeilt, um für einige Stunden des Lebens Schwere zu vergessen. Die Jugendgruppe des Vereins hatte auch keine Mühe und Arbeit gescheut, ihren Gästen einen schönen Abend zu bereiten. Wirklich künstlerische Gesangs- und Tanzauffiihrungen entzückten die Zuschauer. Von dem erzielten Überschuß der Veranstaltung wurden dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus 100 M. und den hiesigest Armen 150 M. überwiesen. Möchte das Leben im Verein sich weiter recht rege gestalten, möchte ein jedes Mitglied mit Eifer und größtem Interesse am Weitergedeihen des Vereins Mitarbeiten, damit sich die hiesige jüdische Jugend immer mehr zusammenschließend, im gemeinsamen Bemühen die hohen kulturellen Werte des Judentums kennen und schätzen lerne. Osthofen. Der Vorstand unserer Synagogenacmeinde. Hchn Hartwig Herzog, begeht' am Jomkippur-Tage in seltener Frische des Geistes und des Körpers den 70. Geburtstag., Nicht nur die Gemeindeangehörigcn. auch die ganze Bürgerschaft nimmt herzlichsten Anteil an diesem Ereignis und kwingt ihre auftichtigen Gefühle zum Ausdruck. Herr Herzog erfreut sich allgemein des größten Ansebens bei allen Kreisen der Bevölkerung. Möge es dem-! selben beschicken sein, noch recht lange Jahre eine gleich ■ segensreiche Tätigkeit zu entfalten. , ' j Hoppstätten. Am Sonntag den 21. ScptemKr hielt hier Herr' Stud. med/ Paul Bonem einen Vortrag über ■ den Antisemitismus, in dem er^die Notwendigkeit der zio- | nistischen Lösung vertrat. Die anschließende Aussprache, ■ an der sich vor allem Herr Lehrer a. D. Eppstein beteiligte. \ war sehr rege und zeugte für das lebhafte Jnteresie der j Hoppstätter Juden für die jüdische Frage. l)er Kote erzählt Wf üi l-I'i IMLWLLW'I X Her Harfuvtus. Bon Leopold Kompert. , (lOT^mjceury,.) Stunden waren vergangen, und noch immer konnte die erschöpft^ Natur des alten Mannes sich nicht den Banden der langcntbehrten Ruhe entwinden. Mittag war längst vorüber, und er schlief noch immer. Die stuinme Wacht Feiwelmanns behütete und wurde nicht müde. Mit einem Male fuhr er auf: er blickte mit klaren Augen um sich: „Was ist die Zeit, Feiwelmann?" rief er. . „Nachmittag ist halb vorüber!" „Lebendiger Gott! Und frühmorgens sind wir angekommen I Wir nrüsicn ja. düs iliiib aufsuchen!" „Erst wirst du dich mit Speise und Trank erquicken. David, und dann wallen wir ins Theater gehen." „Ins Theater?" rief der alle Mann wie traumverloren. „Was soll ich im Theater tun?" „Du sollst sie singen hören, David Brod". sagte der Baß fast unhörbar. „Warum gehen wir nicht gleich zu-ihr?" „Du kannst sic heute nur int Theater sehen." Der alte. Mann schüttelte den Kopf: eine traurige Unterwürfigkeit zeigte sich in seinen Mienen. „Tu hast mich in deiner Gewalt, Feitvelniann". sagte er still, „tue mit mir. was du willst." > Als die Zeit gekommen war, sühne der Baß durch das ihin nun bekannt gewordene Gassengewimmel den Vater Ellas, der ihm willenlos zu folgen schien. „Ist das die goldene Gasse?" fragte David Brod, als sie durch ein schmutzig feuchtes Gäßchen kamen, dcsicn Häuser wie Kartenblätter fast, aufeinander zu liegen schienen. „Warum fragst du?'^ „Vielleicht können wir den allen Mann zu sehen bekommen^ dermesiier Ella ein Gebetbuch geschenkt hat . . ." „Jetzt denkst du daran? Das sind acht Jabre seitdem, der alle Mann ist wohl rot!" „Tot! Alles ist tot", tagte de» Vorbeier in leise klagendem Tone, „niir ists. als wäre es gestern vor sich gegangen." Je iveiter der Baß mit seinem Herrn und Meister kam. desto größer ward seine Bangigkeit, j", e,r. luiheitnlidKv Mfühi überrieselte ihn nur kaliem Schauern, trenn er den allen Mann neben sich einherjchreiun;.;r. :o si ilk'ulov und unterwürfig, so wenig erregt von der Erlvartnng des Kommenden! Was war mit David Brod gescbevev? .War in ihm in der Tat alle Lebensfreudig'?!! io gebrochen, daß nicht einmal die Nähe seines Kindes fein üag, höher auftlammen machte? Wenn Feiwelmann; t; e Emvfindungen damit verglich, so mußte die Welt inii allem, was darauf und darunter sich befand, in einem gewai'ia.m Feuerbrande aufgehen. Und David Brod war so gleichgillig! Endlich ftandeit sie vor dem Theater. Ler hineinivogcnde Menschcilstrom trug auch sie in da-,' Innere des Hauses; das Glück war" ihnen günstig geweien, es halle sie auf die vordersten Plätze im obersten S'.ock! erke gebracht. Von der 'Höhe leines Sitzes starrie David mit glanzlosen Augen in das zu seinen Füßen sich entwickelnde Menscheng^vimmel; noch war der weite Saal in däinmernde Finsternis gehüllt: hie und da flackerte au den Pulten der Musiker ein Lichtchen aus. Plötzlich schwebte der große mit einer Fülle von Licht ausgestattele Hcingeleuchier von der Decke des Saales herab, io daß dem alten Manne ein Schrei der Überraschung entfuhr. 1 „Wie ist dir, David?" fragte der Baß beiorgl. „Wird sie jetzt kommen?" ..Noch nicht, erst müssen die Musiker ausjpieien!" David Brod verfiel wieder in stummbrütende Gleichgiltigkeit. Der Saal hatte sich bis in den entlegensten Raum gefüllt; in den Logen erschienen blumengeschmückte herrliche Damen, und die Edelsteine in ihren Haaren glitzerten und funkelten in den zahlreichen Lichtern. Vornehme Herren standen hinter ihnen, und durch das ganze Hags ging ein Flüstern und Surnmen der Erlvartung. das durch die hie und da' zur Probe angcstimmteu Instrumente der Musiker eine gleichsam weihevolle Färbung erhielt. „David!" rief her Baß. indem er jeiiüen Gefährten leise ansticß. „Was willst du. Feiwelmann?" „Siehst du nichts?" „Viel Menschen sehe ich ..." „Und sie alle sind gekommen, um dein Kind zu hören." David Brod seufzte tief auf. ( Aber mit dem ersten Geigcnstriche der Eingangsmusik