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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-09-19 · 17 (19.9.1919) · p. Seite 187

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
17 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 187 (sequence 5)
Language
German
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— 187 — - sammengesetzten Trauergefolge hob Herr Lehrer Frohmann in seiner eindrucksvollen Grabrede hervor, lvas der Verklärte .seinem Hause, besten Glanz, seiner Gemeinde, deren .Pulsschlag er war, bedeutet hat. Hohe und umfassende Geistesbildung, strengste Rechtlichkeit und Redlichkeit bildeten den Grund seines wahrhaft jüdischen Charakters. Sein Andenken wird nicht verlöschen. Geilenkirchen. Am Sonntag, den 1. September feierte das greise Ehepaar, der 93jährige Benjamin G o t t - schalk und seine 87jährige.Gattin, das Fest der diamantenen Hochzeit. Tie ganze Gemeinde strömte nach dem , hiesigen Krankenhaus, in dem das Ehepaar Gottschalk auf ' seine alten Tage untergckommen ist. um zu gratulieren. Vorstand, Repräsentanz und Chewra waren vollzählig erschienen uüd in Gegenwart der Kinder, die alle eine ge- ' achtete Stellung einnehmen, hielt Herr Lehrer Frohmann eine kleine Ansprache an das Jubelpaar und widmete ihn» einen herzlichen Mischcberach. Möge es noch viele Jahre in Rüstigkeit verleben. Frankfurt a. M. Tie der Konstituierung des Landesverbandes der jüdischen Jügendvereinc von'-Hessen und Hessen-Nassau gewidmeten einleitenden .Verhandlungen dienten der Festlegung der Satzungen. Tas Referat darüber übernahm Rabbiner Dr. Lazarus-Wiesbadeti. Die von ihm vorgeschlagenen Tagungen wurden nach eingehender Beratung durch die Versammlung und eine Komwission fast unverändert angenommen. Rach ihnen bcztveckt der Landcsverbaüd den Zusammenschluß der ihm angehörcnden Vereine zur Förderung gemeinsgnftr Interessen, zur Ermöglichung regelmäßiger Aussprache und zur Förderung der jüdischen Jugendbewegung. Er will seine Ziele durch Austausch von Rednern und insbesondere durch Verbreitung des jüdischen Jugendvcreinsgedankcns auf dem Lande erreichen. — Ter Plan des Zusammenschlusses fand allgemeinen Anklang unter den etwa 50 erschienenen Delegierten VM 15 Vereinen. Zum Vorsitzenden tvurde Herr Dr. Schwarzschild, derzeitiger, zweiter Vorsitzender des 'Frankfurter Montefiore-VereinS, einstimmig gewählt. Hierauf referierte Herr Spangcnthal-Spangcnberg über das Thema: „Was erwarten die kleinen Vcrcine<vom Landesverband?" und beantwortete diese Frage mit dmi Rufe nach Rednern, die in den kleinen, an geeigneten Persönlichkeiten armen Landgemeinden Vorträge jüdischen Inhalts halten. Tie kleinen Vereine bedürfen notwendig der Stütze und des Größten Jntcreffcs der Vereine in den größeren Orten. In der Aussprache wies Herr Lehrer Capcll-Wiesbadcn ganz besonders dem Lehrerstande diese hohe Aufgabe zu. Nach der Mittagspause, hielt Dr. >K. Aleiander-Berlin ein eindrucksvolles Referat über „Tie antisemitische Gefahr". Es folgten die Referate der Herren Kalm-Franksurt n. M. und Stern-Tarmstadt über „Wander- und Eportgruppen". ganz besonders über deren Organisation. 'Per elftere Redner, zum Wandcrobmann des^Verbandcs ernannt, will das Geistige und spezifisch Jüdische dem inneren Verbandsleben zuiveisen, das Wandern aber um seiner selbst willen betrieben wissen. In dem folgenden Referat des Herrn Dr. Löffler zeigt dieser, wie die Anregungen der Berliner Tagung in praktische'Jugendarbeit umgesetzt werden sollen. Er forderh eine st a r k j ü d i s ch c V e r i n n e r l i ch u n g des Lebc'ns der Jugendvereine: mehr Rcl i g i o s i t ä t. h ö ch st e s sittliches Verantwortl i ch k e i t s g e f ü h l und A n st r e b u n g einer U mb i l d u n g der sozialen Struktur der deutschen Judenhcit. Tie vorgerückte Stunde erlaubt dem Redner nur eine eingehendere Darstellung der religiösen Bildungsbestrebungen in den Jugcndvereincn. Er will ■ an der Hand geeigneter Schriftsteller und dichterischer Werke zuerst das religiöse Empfinden der Jugend im allgemeinen 1 fest verankern, um sw den Boden für die Pflege der hehren Gedanken des Judentums, aus besten Schrifttum zu bereiten. Ein Kommers, von dem gastgebcndcn „Montefiore"- Dereiy dargcbotcn, hielt die Gäste und'Mitglieder sowie zahlreiche Freunde bei künstlerischen Tarbictungen aller Art noch bis in'die Nacht hinein gemütlich beisammen. \ /- Der Bote erzählt H A Der Karfandtl. Bon Leopold Komprrt. " (9. gorlscyun,,.) In aller Stille verließ am andern Morgen David Brod mit seinem Gefährten die Gaste. Kräftig und hoch aufgerichtet schritt der alte Mann neben dem weit jüngeren einher. Als sie schon auf der Straße sich befanden, diie gegen Prag führt, wandte sich der Vorbeter, der bis dahin kein Wort gesprochen hatte, hastig an seinen Reisegenosten. ' „Du hast doch das Geld mitgenommen. Feiwelmann", fragte er. * „Welches Geld?“ „Was man dir in ihrem Namen auf dem Schloste gegeben hat."- „Es ist bei mir." Dann kamen sie an dein „guten Ort" vorüber, der hart an der Straße mit seinen verwitterten Grabsteinen sich befindet. „Gedulde dich eine kleine Weile, Feiwelmann",. sagte Tavid'Brod. „ich muß mir von da drinnen eine kleine Wegzehrung holen." Nach einer Weile trat er durch das schmale Friedhofstor wieder auf die Straße. . „Und jetzt laß uns große Schritte machen,. Feiwelmann", rief er mit unsicherer Stimme, „wir haben einen weiten Weg vor uns." Einen Tag und eine Nacht waren sie gewandert, als sie ain Morgen des zweiten Tages in Prag ankamen. Von diesem Augenblicks an trat in der äußeren Erscheinung des' alten Mannes eine seltsame Wandlung hervor. Tie Müh« ,dcr weiten Wanderung schien erst jetzt über ihn gekommen zu sein; seine Lippen waren schmerzlich geschlossen; er hielt sich kaum aufrecht auf den Beinen. Dennoch verriet er durch keine Äußerung, wie sehr ihn die Mattigkeit übermannt hatte. Nur als sie durch den „alten Pulverturm" schritten, von dem aus der Weg durch die „Zeltnergaste" über den „Allstädter Ring" in die düstern Gassen des Ghettos führt, sagte David Brod, indcin er den Arm seines Gefährten krampfhaft drückte: „Feiwelmann, wenn sie es doch nicht wäre?" Ein Mann mit einer weißen Schürze klebte gerade ein gedrucktes Papier an die alte Mauer des Turmes. Wiewohl flüchtigen Blickes hatte Feiwelmann, der Baß. doch erkannt, daß es der Theaterzettel der heutigen Vorstellung war: denn mit großen Buchstaben irar darauf zu lesen: „Die H u g e n o t t e.n", große Oper van M e y e r b e e r. „Fräulein I s a b e l l a B r o d i n i a l s V a l e n t i n e." Feiwelmann verschwieg aber seine Entdeckung! Erft jetzt, nachdem der Baß seinen alten Meister in einem jener kleinen Einkehrhänser, wie sie die engen Gasten und Gäßchcn dev böhmischen Hauptstadt so zahlreich aufiveisen, untergebracht hatte, wo David Brod. in einem Stuhle sitzend, fast augenblicklich in -einen tiefen Schlaf gesunken, ivar, siel es Feiwelmann felsenschwer auf die Seele, welche Peraiuwortlichkeir er übernommen, wie unbesonnen er.sich und den Vorbeter in die Gefahren eines Unternehmens gestürzt hatte, dessen Ausgang von fast undurchdringlichen Nebeln bedeckt war. „Wenn sie cs nun doch nicht wäre!" Schauer, wie vor einem nahenden Gerichte, überfielen ihn. Wenn er den alten Mann getäuscht hatte, wie sollte er tzjnn vor ihm bestehen? David Brod konnte den Tod davon haben, und er hatte ihn auf der Seele; er hatte den letzten Srreich diejein ohnehin in seinem innersten Marke i ii

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