Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 17 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 185 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— m - Berlin. In Beantwortung des Memorandums der Abgeordneten der jüdischen Volkspartej zugunsten der Befteiung der internierten Juden aus Brody teilte das Staatsoberhaupt Pklsudski mit, daß die Internierten die Brester Festung bereits verlassen haben und sich schon in ' Brodv befinden. Warschau. Jakob Dinesohn, einer der beliebtesten jüdischen Schriftsteller und Gründer der „Dinesohnschulen", die Tausende armer jüdischer Kinder mit Unterricht, Kleidung und Nahrung versorgen, ist im Alter von 63 Jahren gestorben. > Warschau. In Bialystock ist eine Gesellschaft für Tuchfabrikation in Palästina gegründet worden, die den Namen „Taassija" trägt. Die Gesellschaft beabsichtigt ein Kapital von 5 Millionen Mark aufzubringen und in Palästina^cine Bialystocker Tuchfabrikation zu begründen. Das Grundkapital soll auf 1000 Aktien zu je 5000 Mark verteilt weil den. Die Gründer beteiligen sich mit eigenem Kapital; ein Teil von ihnen hat beschlossen, nach Palästina überzusiedeln und aktiv an der Arbeit teilzunehmen. Rußland. Berlin. In dem unter Führung von Ljanosoff gebildeten neuen provisorischen antibolschewistischen Ministerium für Nordwcstrußland, befinden sich drei Juden: Margolis, radikaler Demokrat, ist Minister für Handel, , Industrie und Munition; Korn, gemäßigter Sozialdemokrat, und Jschinski, unparteiischer Sozialist, sind Minister ohne Portefeuille. Das Programm der provisorischen Regierung ist ein demokratisches. London. Im Unterhaus stellte Ormsby Gore die An- . frage, ob der Status der jüdischen Bataillone (Legionäre) der königlichen Füsiliere, die sich jetzt in Palästina befinden, schon bestimmt worden ist, und zwar, ob diese Legionäre für den allgemeinen Dienst, oder nur für den in Palästina bestimmt seien, ob es ferner den 400 jüdischen Soldaten, die sich in Amerika diesen Bataillonen angeschlossen haben, gestattet sein wird, in Palästina zu demobilisieren, wie sie es verlangen, statt sie nach Amerika zurückzuschicken, und nach welchen Regeln die Tenwbilisierung der jüdischen Soldaten-in Palästina erfolgen werde. Mr. Förster erklärte hierauf, die Frage werde jetzt von der Negierung studiert, und man hofft bald darüber Beschluß fasien zu können. Palästina. Kopenhagen. Tie Kolonie R i s ch o n l e Z i o n hat den jüdischen Fischern in Saloniki Land für die Anlage eines Fischerdorfes bei I a b n e zur Verfügung gestellt. Kopenhagen. Tie B h e Brith - Loge in Ier u- / salem beschloß, ihre.Bibliothek der zionistischen Organisation als Grundstock für die Jüdische National-Bibliothek zu übergeben. , Jerusalem. Seit der Okkupation Palästinas durch die englischen Behörden sind fast 2000 Jerusalemer Juden in die Stadt zurückgekehrt/ Kopenhagen. Als Vertreter des H a s ch o m e r in Palästina trafen die Herren B l u m e n f e l d und S ch ochat in Pariserin, wo sie mit Baron Rothschild über die Ansiedlung von 150 Hascho.mer-Familien Rücksprache nahmen. * * * , Eine Kundgebung der Litauischen Regierung. Die Litauische Delegation bei der Friedenskonferenz Übermittelte im Namen ihrer Regierung dem „Komitee der Jüdischen Delegationen" eine Erklärung über die jüdischen Rechte in Litauen folgenden Inhalts: ' ' Vollständige bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung. Teilnahme an der Regierung und an den Rechtsinstitutionen. Eigenes Ministerium für jüdische Angelegenheiten. Proportionelle Vertretung in den gesetzgebenden Institutionen durch Errichtung einer nationalen Kurie oder auf andere angemessene Weise. Freier Gebrauch der jüdischen Sprache, auch bei Gerichten und Regierungsinstitutionen. Die Erlernung der litauischen Sprache Ist in allen jüdischen Schulen obligatorisch. Keine Beschränkungen bezüglich der Ruhe am Sabbath und an Festtagen. Die'Rabbiner nehmen dieselbe juridische Stellung wie die Geistlichen der übrigen Konfessionen ein. ' Autonomie in inneren jüdischen Angelegenheiten, wie Religion. Wohltätigkeit, soziale Hilfe,' Unterricht, geistige Kultur im allgemeinen. Die Organe der jüdischen Autonomie sind die loyalen Gemeinden ünd der Gemeindeverband. Der Unterricht in den jüdischen Elementarschulen ist für Knaben und Mädchen obligatorisch und unentgeltlich, wenn die gleichen Verpflichtungen den anderen Elementarschulen durch Gesetz aufgelegt werden. .; Die Organe der jüdischen nationalen Autonomie werden nach dem Beispiel der territorialen Autonomie als Regierungsorgane betrachtet. Sie sind ermächtigt, zur Deckung ihrer Ausgaben den Juden besondere Steuern aufzuerlegen. Die jüdischen Gemeinden und der Gemeinde verband genießen die Rechte einer juridischen Person. Sie werden Staats-Subsidien beziehen, wenn solche Subsidien ähnlichen Organen der übrigen Nationalitäten zugebilligt werden. Die Höhe der Subsidien wird proportionell festgesetzt. „ . 5679. Bon Georg Landauer. Es ist schwer, die einheitliche Linie im Geschehen des verflossenen Jahres sterauszuarbeiten. Wie bei den abgekämpften Völkern des großen Mordens Siegesfreude und Schmerz des Unterliegens sich die Wage halten, so sind auch unsere Gefühle bei der Betrachtung des jüngsten Abschnittes der jüdischen Geschichte durchaus gemischt. Die Völker sahen Throne schwinden und Monarchen stürzen, Reiche zu- ' sammenbrechen, abxr auch neue erstehen. So reiht sich für uns gleichfalls an die Erfüllung uralter Hoffnungen wiederholte Enttäuschung. ^Das Ende des Weltkrieges hat den vollkommenen Zusammenhang der in zwei Lager geteilten Weltjudenheit noch nicht wiederhergestellt. Zwar sind die Verkehrsschwierigkeitey. zu überwinden gewesen; das neutrale Ausland hat gastfreundlich den interterritorialen jüdischen Organisatio- \ nen (Agudah in Z ü r i ch, Z i o n i st e n in Kopen? Hagen) Gelegenheit geboten, sich zur Fortführung der unterbrochenen gemeinsamen Arbeit zusammenzusinden. Jedoch, ist es den deutschen Juden noch nicht gelungen, sich an ihren Platz in den Reihen des Gesamtjudentums zu stellen. So haben die deutschen Juden bisher in der Organisierung eines Koyg^resses aller deutschen Juden alsTcil des jüdischen Weltkongress e s versagt. Man hat sich noch nicht daran gewöhnt, in den Juden jenseits des nun zugeworfenen Schützengrabens den Bruder zu erblicken; solange aber die Stimme des Blutes schiveigt, zeigen sich die Juden päpstlicher als der Papst: wo längst die feindlichen Nationen an der Wiederaufrichtung des alten, friedlichen Verkehrs arbeiten, der Völkerbundgedanke das Motto der gesamten gegenwärtigen Politik ist, sollten erst recht die Juden sich sammeln. Tenn das vergangene Jahr hat uns vor Aufgaben gestellt, wie sie noch kein jüdisches Geschlecht gesehen hat. Soweit sich die Politik der deutsch-jüdischen Kreise im Kampfe um die Gleichberechtigung erschöpft, sind keinerlei Fortschritte zu verzeichnen. Man hatte sich vom Ende des Krieges so viel versprochen, und wie tvcnig hat sich davon erfüllt. Es wäre eine Selbsttäuschung, dasEintreten vonJudenindicffegenwärtigeR^egierung als einen Emanzipationssieg aufzufassen. Waren doch auch .schon unter dem aiieien rcgiuic die Juden in den ersten . Stellen der damals noch oppositionellen sozialdemokratischen Partei vertreten; so sind sie auch mit dieser in die