Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 15 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 163 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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163 erfreuten lasten? — Von gleichem Mannesmut erfmllt ist vre Mahnung des Borgenden an die Gemeinden: „Diele Gemeinden, besonders Mittel, und Kleingemeindtti, wüsten mehr tun für die wirtschaftliche Besserstellung ihrer Beamten. Hungerlöhne für ältere, verheiratete Beamte, wie 1800, 2000—3000 Mark, die weit unter dem Einkommen Zeines städtischen Straßenfegers bleiben, und die ein schmähliches Licht auf die Bewertung der Lehrerarbeit werfen, dürften nicht mehr Vorkommen. — Die Einnahmen der Penfionskaste weisen an fich erfreuliche Zahlen auf. Doch find die Leistungen für Lehrerwitwen und Waisen, deren Bezüge bei der schweren Teuerung auch nicht im entfnntesten reichen, entsprechender Not der Zeit gestiegen. Angesichts der bevorstehenden Jahre schwersten Wirtschaft» lichen Druckes ist es dringend erforderlich, der Penfionskäste erhöhte Einnahmen zuzufühven. — Die Vereinsleitung hat für das Jcchr 1919 eine Hauptversammlung vorgesehen. Ob fich dies bei den noch bestehenden Hemmnisten und bei deren Steigerung dmch drohende Verkehrsbejchrän- ,kung lmd Verteuerung wird ermöglichen lasten, darf wohl als sehr zweifelhaft angesehen werden. Düsseldorf. Wir berichteten kürzlich .daß der Minister für Volksbildung bemüht ist, aus dem Osten vertriebene Lehrkräfte im Westen unterzubringen. Wie uns mitgeteilt wird, wurde dieser Tage in einem Zentrumsblatt anscheinend von Lehrerseite Einspruch gegen die Anstellung von solchen Lehrkräften im Westen erhoben. Bei allem Mitleid mit dem Los dieser Lehrpersonen könne man fich mit ihrer Etwaigen Wirksamkeit im Westen, besten Anschauungen und Lebensgewohnheiten sie fremd gegenüberstehen müden, nicht einverstanden erklären. — (Dieser Einspruch gilt allen aus dem Osten kommenden Lehrkräften. Mm: kann fich denken, wie viel stärker und vielseitiger er sein würde, wenn versucht werden sollte, jüdische Lehrer oder Lehrerinnen an den Schulen anderer Bekenntniste anznstellen.) . Klingen (Bez. Trier). Bei der vor inehreren Wochen hier stattgcfundenen Vorstand- und Repräsentantenlvahl würden die Herren Eniil Robert Levy. Simon Schwarz, Abraham Adler I-tti den Vorstand gewählt. Herr Levy, der Vorsitzender unserer Gemeinde ist, gehört dem Vorstand schön 15, Herr Schwarz schon 25 Jahre an. Die ausscheidenden Repräsentanten, Herr Marx Weiler und Josef schwarz, wurden wiedergewählt. Als neue Mitglieder tröten in das Kollegium die Herren Isidor Barth, Leopold Sihtvarz und Leo) Alexander ein. — Unsere Synagoge hat eisten Schmuck bekommen. Die Herren Emil Robert Levy und Alfred Levy haben eine schöne Ehrentafel für die gefallenen Mitglieder unserer Gemeinde gestiftet. Von 50 Kriegsteilnehmern unserer Gemeinde haben 11 ihr Leben fürs Vaterland gelasten. Et. Ingbert. Nach jahrelangem Brachliegen wurde hlir endlich wieder eine jüdische Elementarschule eröffnet, die vöst Herrn Lehrer und Kantor Strmtß geleitet wird. Ein erfreuliches Zeichen des Wiedererwachens jüdischen Geistes in unserer Gegend. Pivant sequentesl Saarbrücken, Hier begründete fich am 1. September eine zionistische Gruppe für das Saargebiet. Nach einer kürzen, einleitenden Referat der Herren Oy Lechner und Or. Leo Weiler träten etwa 25 Mitglieder der Ortsgruppe bei. Mit einem raschen Anwachsen der zionistischen Gruppeim Saarland darf gerechnet werden. In den Vorstand wur- »ii gewählt die Herren Or. Weiler, vr. Lechner und Leyi- MörüHeim (Rheinhessen). Am Sabbath, den 23. Aug., feierte der laiigjährjgc Porstehex unserer Gemeinde. Herr DMd Scheuer, seinen 80. Geburtstag, umgeben von 10 SNen Kindern (5 Söhnen und 5 Töchtern) und n Enkeln. Dem Jubilar würden von allen Seiten rustgett Mil. Mögen ihm noch viele Iahte geistigdr «chkötperlichbr-Frische beschiedeirstin. PfttdÄhM (WeistMn). Am Montötz. 11. Aug.. ftkextt hier ist sÄttstbr kötpcrlichtr Rüstigkeit Herr Heinrich Hdrzdg sttnön 90. Gebürtstäg. Die Mlveichtn Glückwünsche und Gäben aus allen Teilen unserer Bevölkerung legtest Zintänis für di« große-BÄtebtheit ab. deren dtt Jwbilar Kch erfreut. Wir wünschen ihm einen gesegnetest Lebensabend. Der Anmrr Umeiaitlft*. Auf Beschluß des Gemeiicdevorstands und der Reprä, sentauz wird eine marmorne Ehrentafel in unserer Synagoge angebracht werden, die die Namen der gefallenen Mitglieder unserer Gemeinde enthalt. Da Zähl und Namen der Gefallenen nicht durchaus feststeht, bittet der Vorstand um Anmeldung der Gefälligen, damit niemiind gefsen wird. Dies muß umgehend geschehen,, da zum 88^ söhnungstage hie Tafel angebracht ftin soll und die Arbeit ihre Zeit erfordert. ver Bote erzählt: — Der Aarftnlul. Bon 9r»s»»l» d,«p«rt. <7. Fonsetzung.) Dass Kind -es Vorbeters war in der Tat eine große Sängerin geworden. , . In einer großen Stadt Oberitaliens war eizces Abends das ganze im Theater versammelte Publikum in der furchtbarsten Aufregung; uian schrie, lärmte und pfiff, der Vorhang wollte nicht in die Hohe gehen, die Stunde des Beginns war längst vorüber.. Da. als der Lärm und das Toben alle. Grenzen überschritt, trat der Jncpresario des Theaters unter tiefen Bücklingen vor die Lampen ätlS Orchester und meldete mit gramumhüllter Stimme:. Er bavt dem hochgeehrten Publikum eine bedauerliche Mitteilung zu machen, die aber niemanden tiefer und schmerzlicher berühre als ihn selbst. Die erste Sängerin nämlich, die die ,',Norma" singen sollte, sei plötzlich aufs crnstlichste erkrankt; es habe aber in der Eile, da keine andere Vorstellung. so! schnell vorgeführt iverden könne, eine junge Sängerin, die! bisher in zweiten und dritten Rollen beschäftigt gewesen, j sich erboten, die Stelle der erkrankten ersten Künstlerin zu vertreten. Ob das hochgeehtte Publikum zu diesem durch die Umstände gerechtfertigten Wagestück seine Erlaubnis geben, ob es das junge Mädchen mit Nachsicht behandeln wolle? Ein wütendes Geschrei folgte als Antwort auf die Anrede. Einige riefen den: Impresario zu, ob sie gekommen seien, um mit unreifem Obste bewirtet zu werden; andere wieder schrien, sie wollten das junge Mädchen sehen, und diese trützen endlich den Sieg davon. Die Mustker stimmten die Ouvertüre an, darauf ging der Vorhang in die Höhe, und die Oper konnte beginnen. Der einleitende Chor wurde kaum angehört, denn noch hatten sich in dem weiten Saale die wild aufgeregten Leidenschaften nicht beschwichtigt. Da trat ein junges, dem Anscheine nach zwanzigjähriges Mädchen auf die Bühnt . ... die Priesterin Norma. Ein weißes, wallendes Gtwänd umwogte. ihre zwar nicht hohe, aber im schönsten Ebenmaße gebaute Gestalt: in den schwarzen Haaren, lag ein Kränz von grünem Laub, aber ihr Antlitz war tief bleich, und die Augen schienen nach Schutz zu suchen. Sie sang ... unp als spät nach Mitternacht der Vorhang niedersiel, stand eine unbestreitbare Tatsache fest: Mit Jsabella Brodini, so hieß die junge, stimmgewaltige Sängerin, war ein glanzvoller „Stern" am Himmel der Kunst aufgeganaen! DaS alles wüßten die Leute in der stillen böhmischen Gäste nicht; fie wußten auch nicht, daß von jenem Abcmde an der Siegeslauf einer Künstlerin begann, deren Vater ihnen an Sabbätyen und Fetettagen die heiligen Gebete