Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 15 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 162 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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162 Aeettzone« erste litte. von Bald, am 17. Dezember 1920, find 150 Jahre verflössen, seitdem Beethoven in Bonn das Licht der Welt erblickte. Eine lange Zeit schwebte der Streit, wer die Erkorene des gewaltigen Tonmeisters gewesen sei. Es wurde erzählt, daß man zuerst die schöne Gräfin Giulietta Guiccardia für diejenige gehalten habe, an welch« die auf der Königlichen Bibliothek zu Berlin im Autograph vorhandenen Liebesbriefe gerichtet sein mögen. Neuerdings wird hchauptet, ti kömre nur die Gräfin Therese von Brunswick äps Ungarn gewesen sein. Rur wenigen dürfte aber bekannt sein, daß Beethoven im Jahre 1782, als er periodisch jn Wien lebte, ein innige- Verhältnis mit einer Jüdin. Namens Rahel Löwenstein, angeknüpft hatte. Das Mädchen war damals 17 Jahre alt, von wunderbarer Schönheit und Geistesbildung. Io daß der junge Meister entflossen war, sie zu ehelichen, wenn sie zum Christ«,rtum »verträte. Doch die Jüdin lehnte diese glänzende Zukunft ab mrd blieb ihrem väterlichen Glauben treu. Zwischen beiden hatte ein Briefwechsel stattgefunden. Di« Originale befinden sich in dem Code; No. 7989 der seiner Zeit könign Bibliothek zu Paris und sind von Alfred Prins in n Werk mitgeteilt. Die Liebenden haben teils in Prosa, m Versen geschrieben. Beethoven schrieb am 8. Mai 1792 an Nahe! Löwenstein: „Wir lauge sucht vergebens Dich doch mein düst'rcr Blick? Die Sonne meines Leben» <fc$rt erst mit Dir zurück. Auf allen meinen Pfaden Erlischt deS Tage» Schein. Ich bin mit Schmerz beladen verlassen und allein." Nahe! Lötvenstein am 11. Mai 1792 an Beethoven: „O eitler Wohn! schon schwindet Da» holde Traumgesicht; < Plein Auge sucht und findet. Mein Arm erreicht Dich nicht. Uns trennen hohe Hügel. Ewig fern bleibt uns Glück. Gieb Deiner Liebe Zügel Nnd trage Dein Geschick." mit heiliger Ehrfurcht, befrachten wir der Vergangenheft Nacht. Seh' ich in» Antlitz meines Vaters, so sehe.ich hie ganzen hohen Gestalten Israel». Eure» Volke» Herz, voll arger Entwürfe, hat die Besten meines Volk«» dem Verderben geweiht. Ihr habt mit heiligem Munde Sprüche gelehrt. Kläglich find sie gefallen, verfolgt von Oualersi und Mördern. Einst, noch lang entschwundener ^eft. werden Eure Enkel das Unrecht erkennen und Israels verstümmeltes Leben ftei lasiep! Eure Vriester soaar, dii Giweitztcn des Herrn, haben ihr Saitenspiel durch Lügen entehrt. Nicht der Würdigen in Israel achteten sie, nickt die Besseren vermochten sie zu ehren. Geifernd erhoben sic lm Namen des Himmelein Gezeter — und wollten unser Voll belebten und bekehrenl Wohl buhÜen viele vom Haust Israels um der'Getvaltigen Gunst.'Daher fmd sie für Israel verloren und von Israel verachtet! Verlaßt mich, lieber Fremdling. veAaßt mich! Darum bitte ich Euch! Verfolgt mich mit Eurer Liebe nicht mehr! Jst's Vorgefühl von Schwachheit und Angst, was mich so verwandät. Euch zu bitten, fern zu bleiben? Mächte des Himmels! Mein Vater sollte wissen, was ich gethan! Erbarmt Euch mein — und macht nicht sorgenvoller mein bange» Leben." Am 3.Juni 1792 schreibt Beethoven an Rahel Löweitstein: „Rahel, Du Holde! Ich und Du — wir Kinder! O. letz wohl, lebe wohl! Wir können uns nicht besitzen! Nimm Dir mm letztes Berschen zu Herzen: Geh' mit Deinem franken Herze» Mutig au» Dir selbst heraus. .vomm, und blute Deine Schmerze» . Am Altar bes Herren ans." " Koa Kerg und Tal. Wir richten nicht nur an unsere Korrespondenten die wiedecholte Bitte,'uiü regelmäßig ihr? Nachrichten zngehetz zu lassen, sondern hitten aüch afle unsere Leser und Freunde in den rheinischen Landen orjnglichst, den Boten mit wisseUswerten Püneilungest allgemeinen wie persönlichen Interesses zu unterstützen. Wir find dankbar für die kleinste lokale Notiz, die uns zugeht, bitten nur, alle Berichte e i ns e i t i g zu beschreitzn. Am 19. ÜKai 1792 rrasen sich Beethoven und Rahel Löwenstrin heimlich in der Umgebung Wiens. Beethoven wollte das Mädchen entführen und schwur ihm mit aller Glut des liebenden Jünglings ewige Treue und Liebe. Bei der Zusammenkunft gab sich Rahel als Jüdin zu erkennen. 2Ü. Mai 1792 schreibt Beethoven an Rahel Löwcnstein: „Ich. nenne Dich Du! Tu verzeihst mir es gewiß! Ich kann Dich nicht lasten. wenngleich Tu eine Jüdin bist! Die heilige Schrift kennt die Namen der Männer Deines Volkes, sie erzählt, was sie einst für glänzende Thaten gethan. Aber ich wandte den Blick und sah in der Tiefe meines Herzens meines Tempels Heiligtum: Den Heiland! O, warum stehen nicht alle Menschen einig um das Feld des Erlösers? Welche Verwüstung ist hier auf Erden — lind lvelch' ein neidisches Schicksal hat in Trünuner und Nacht uns Menschen alle gestürzt. Rahel, geliebtes Wesen, um meiner zärtlichen Sorge willen, erkenne des Erlösers Herrlichkeit an. denn von Geschlecht zu Geschlecht wird glänzender sein Name auf Erden! Für Tein Volk hat man keim Gnade; des Pfaffen Wort ruft das Vergang'ne stets zurück. Bekenne Dein Herz zum Heiland und mehre in Stille den Schatz der Erfahrungen. Deines Volkes Glück ist Leiden! Werde wem. lerne kennen. Freuden! christliche Freuden!" Am 28. Mai 1792 schreibt Rahel Löwenstein an Beethoven: „Heute, und nie mehr, schreibe ich. Ihr tadelt mein Volk. Ihr lobt wen?-Segen und reichen GÄvinn haben die Leiden unserer Väter kommenden Enkeln gebracht. Kein Volk steht so ftst wie Israel, WaS Nachdenken- Israels Geist im Laufe der Zeit hat ersonnen, nützt die Spateres ohne Verehrung und Dank! Wir haben auf zerbrechlichem Holz tobenden Stürmen getrotzt, und Köln. Am Sonntag, den 14. d. Mts. morgens 10 Uhr, findet in den Räumen des Jugendvereins Gabriel Rießer die Delcgiertentagung der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands statt. Als Vertreter des Verbandes der jüdischen Jugcndyereinc Teutschlands wird voraussichtlich Herr Dr. Kurt Alexander-Berlin anwesend sein. Bedeutende auswärtige Redner nehmen an der Tagung teil. Herr Rechtsanwalt Dr. Vahsten (Düsseldorf), Herr Rechtsanwalt Carl Löwenstcin (Aachen) usw. haben ihr Erscheinen zugesagt. Düsseldorf. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalen zählt nach seinem jüngsten Bericht 171 ordentliche Mitglieder, drei Ehrenmitglieder und ein immerwährendes Mitglied. Acht Angehörige hat er durch den Krieg verloren. Eine lückenlose Feststellung der Feldzugsteilnehmcr aus den Reihen des Vereins hat sich noch nicht ermöglichen lasten; sie bleibt dem nächsten Berichte Vorbehalten. — In großen Umristen zeichnet der Vorsitzende di« kommenden Aufgaben der Vereins- und Verbandstätigkeit. — An die Staatsleitung stellt er folgende Forderung: „Wir verlangen volle Gerechtigkeit, die wir auf Grund der Gleichberechtigung erwarten müssen. Wohlwollend« Versprechungen sind unS genug geworden, von der reuen Volksregierung müsten wir die ehrliche und vollständige Durchführung der Gleichstellung auch auf dem ^chulgebiet verlangen... (S& muh auch darauf hingewie« .scu werden, daß die Forderung nach Anstellung der jüdische.n Lehrer an her Einheitsschule der Neuzeit Mn so dringender wird, als die Laitdfmcht und die bevorstehende Trennung, von Kirche unh Sfpat die Zukunft der jüdischen Lehrpr m Dfittel- und Ueingemeinden in recht trübem 1