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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-09-05 · 15 (5.9.1919) · p. Seite 160

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
15 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 160 (sequence 2)
Language
German
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160 BSaa$S3^aS£@99il«S!?a3ESS@5lijeBBa)SeS Stachen Icbau. Tatsachen und Ergebnisse. ®»Z£« ■iS) «ü V ÄSSSMNSS>A»»»WSKNS>VS««»»>«SIL ' Deutschland. Berlin. Der Verband der deichen Juden sendet an die jüdischen Gemeinden und Organisationen Deutschlands die Aufforderung ,zur Benennung non Delegierten' zur Hauptversänimlung. Der Verband schreibt: , „Am Sonntag, den 60. Noveinber d. I. wird in Berlin die 6. öffentliche Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden tagen. — Zwischen ihr und der letzten Hauptversammlung — in Hamburg 1913 — liegt statt des satzung-mäßigen Zwischenraums die Spanne von sechs Jahren, liegt der Krieg, der sie bedingte, liegt die politische Umwälzung und der Friedensschluß, der Deutschland weite Landesteilc und in ihnen viele Gemeinden nimmt, mit denen uns tausend Fäden geistiger Beziehung noch verknüpfen. Ernster als je-heischen die Forderungen der neuen Zen von der deutschen Judenzeit zum besten des Judentums wie zun, besten des Vaterlandes tatkräftige Einigkeit. Ihr sei die Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden Kennzeichen und Bürgschaft!.. Berlin. Wolffs Telegraphenbüro meldet: Die rückfichtlose Progromhetze gewisser radikal-antisemitischer Kreise hat in jüngster Zeit die bedenklichsten Auswüchse gezeitigt und wiederholt zu Plünderungen und Zusammenstößen ge- . führt. Es liegt auf der Hand, daß eine derartige Verhetzung der Massen den zu dem Wiederaufbau und der Gesundung des Volksganzcn dringend erforderlichen inneren Frieden auf das schivcrste gefährdet. Der Staatskommsiar für die Überwachung der öffentlichen Ordnung hat sich daher gezwungen gesehen, diesein gefährlichen Treiben ent- Segenzulreten. Es handelt sich dabei nicht um eine Beinderung legaler politischer Parteipropaganda, wohl aber wird gegen jede Wühlarbeit, die offensichtlich nur den Zweck verfolgt, die Leidenschaften der Masten aufzupeitschen, die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu stören und die Festigung der Staatsautorität zu erschweren, ohne Ansehen der Partei rücksichtslos vorgegangen Norden. Berlin. Am 18. Oktober d. I. (Sabbat Bereschith) feiert die Religionsschulc der gesetzestreucn Synagogengemeindc Adaß jisroel ihr 50jähriges Jubiläum. Berlin. Dem Vorbilde von Frankfurt folgend hat auch die hiesige Gemeinde eine S a m in e l Vormundschaft für jüdische Mündel eingerichtet. Neben ehrenamtlichen 14 Pflegerinnen und 9 Pflegern wirkt seit zwei Jahren eine besoldete Berufspflegcrin, die eine Planmäßige Fürsorge durch Besuch und Kontrolle ausübt. In den verflossenen fünf Jahren wurden die Angelegenheiten von 668 Mündeln behandelt, von denen 508 unehelich waren. Es schieden aus: 42 eheliche und 237 uneheliche, so daß der jetzige Bestand 389 ist. Unter den Ausscheidungsgründen waren: Tod 66. Adoption 4, Legitimation (durch Eheschluß unehelicher Eltern) 89, Volljährigkeit 16. Die neue Institution leistet hervorragende Arbeit. Potsdam. Hier gehen Gerüchte von einer Offiziers- Versammlung, in der die G r ü n d u n g einer Liga zur Bekämpfung des Judentums beschlossen und dafür sofort 350 000 Mark gezeichnet worden sein sollen.! Berlin. Beim Minister des Innern lief folgende Eingabe des hiesigen „Neuen jüdischen Gemeinde Vereins ein: „Am 23. November d. I. finden die Wahlen zur Repräsentanten-Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde statt. Die Auslegung der Wählerliste erfolgt in der Zeit vom 15. August bis 15. September d. I. Diese Wählerliste umfaßt etwa 15 000 Namen. Demgegenüber hat die Gemeinde in Wirklichkeit nicht 16 000, sondern etwa 50 000 Zensiten von rund etwa 150 000 bis 160 000 Gcsamtscclen. Es werden also bei '50 000 Zensiten nur etwa ein Drittel der Zenstten wahlberechtigt sein. Diese ungeheure Diskrepanz. die einer Wahlen!recht,mg von zivei Dritteln der Zensiten der Genirinde gleichkommt, erklärt sich ans folgendem: Nach 8 41 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 sind nur wahlberechtigt diejenigen Wähler, die während der setzten drei Jahre mit ihren Steuern nicht im Rückstände gebliclvcn sind. Nun ist es selbstverständlich, daß zunächst die große) Anzahl der Kriegsteilnehmer, dann die vielen, die wirtschaftlich durch den Krieg gelitten haben, nicht ihre Steuern entrichtet haben. ES bestände die Möglichkeit, daß denen die Steuern gestundet norden, und der Herr Minister des Jnnern'hat auch in einen, Erlaß vom 7. Juli d. I. auf diesen'Weg hingcwiesen. Die jüdische Gemeinde betritt aber diesen Weg nicht. Sic hat sich zu einer Stundung nicht Kreit erklärt. Es bedarf keiner tvciteren Ausführung, welch ungeheure Erbitterung diese Tatsache namentlich in den weiten Kreisen der Kriegteilnehmer auslöst. Andererseits läßt sich nicht verkennen, daß die Ge- »windc mit einem gewissen Anschein Rechtens den von Herrn Minister gewiesenen Weg zu betreten fürchtet. Nach dem Wortlaut des Gesetzes und nach der Stellung, die der Herr Polizeipräsident von Berlin einnimmt — wie er Tagt, in Übereinstimmung mit dem Ministerium des Innern — muß an der Forderung der dreijährigen Abgabcn-Entrichtnng als Vorbedingung für die Ausüb,mg der WahlzeMr-RePräsentanten-Versaniinlung festgehalten „»erden. Danach scheint also eine Stundung unmöglich. Unsere ergebenste Bitte an den Herrn Minister geht nun dahin: 1. Ten Herrn Polizeipräsidenten von Berlin anzuweisen. auch Wahlen solckr Zensiten der jüdischen Gemeinde als gültig anziwrkennen, denen vom Vorstand der Gemeinde die Zahlung der Steuern gestundet wird, weil, wie ja der Bescheid des Herrn Minister vom 7. Juli d. I. erweist, eine sülche Stundung dem Gesetz nicht widerspricht. 2. Der jüdischen Gemeinde Mitteilung von dieser An- U'cisung an den Herrn Polizeipräsidenten zu machen und sie erneut darauf hinzut,»eisen, daß hier ein Weg gegeben ist, um Männern, die un,»erschuldet. „»eil sic mit Gut und Blut dem Paterlande gedient haben, ihre Steuern nicht entrichten können, das Wahlrecht zur Rcpräsentantcn-Versammlung, auf das sie moralisch unbedingten Anspruch habe,,. zu gewähren." Berlin. Der zionistische Jugendführer und Begründer des ersten Herzklubs, Hans Goslar, ist — erst 30jährig — z u m Geheimen R e g i c r u n g s r a t u N d B o r t r a g c n d c n ist a t imReichsfinanzm in i stcri um ernannt worden. Er ivar HandelSredakieur der deutschen Allgemeinen Zeitung. Seine hervorragenden Kenntnisse auf finanzwisienschaftlichem Gebiete bildeten den Grund seiner Berufung. Von seinen zahlreichen literarischen Arbeiten ist seine letzte Schrift „Die Serual-Ethik. und die Wiedergeburt des jüdischen Volkes" hcrvorzuhcbcn. Polen. Minsk: Sofort nach der Eroberung von Minsk begannen die Truppen Zeinen Pogrom. 32 Juden, darunter 5 Kinder, wurden ermordet, 500 jüdische Geschäfte vernichtet. Hunderte angesehene Juden wurden deportiert, 60 Verhaftete blutig geschlagen und schwer verwundet nach Wilna gebracht. Aus der Umgebung von Mins kommen ebenso schreckliche Nachrichten. Die Juden fliehen un8 suchen Zuflucht in den Wäldern. Warschau. Am 18. August stürzten sich auf die Züge zwischen Bialystok und Warschau Truppen und beraubten und mißhandelten die in den Waggons befindlichen Juden. Warschau. Hier haben Beratungen orthodoM Vertreter aus Polen, Litauen und dem Auslande über die Tätigkeit der von den Orthodoxen nach der Schweiz, London Md Paris entsandten politischen Kommisiion, ferner über Gründung einer großen Hauptjeschiwa zur Ausbildung von Rabbinern und Lehrern, sowie schließlich über

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