Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 14 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 151 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7-.' “•SfWiBWW'V «jnvr'j^’W:''' — 161 - dicgjfaua. Bei der im Anschluß an die Palästinawoche stattgesundenen Sammlung zur Linderung der Not unserer durch di« schrecklichen Pogrome heimgesuchten Brüder im Osten wurde die staatliche Summe von 1092 Mark erzielt., Es ist der beste Beweis dafür, daß sich die hiesigen Wischen Gemeindemitglieder wohl ihrer-Pflicht bewußt find, hie sie gegenüber ihren bedrängten Stammesgenossen - ju-ttfüflw haben'. Die hiesigen jüdischen Studenten hatten sich gern der Aufgabe der Sammlung unterzogen. Allen, die zu diesem schöne^ Resultate beigesteuert haben, auf diesem Wege herzlichen Dank. Krefeld. Im Alter von 78 Jahren verstarb hier nach längerer Leidenszeit Herr Jakob.Fürst. Vor einem halben Jahrhundert fast war er aus dem mittelrheinischen Gebiet nach Krefeld gekommen, hatte von Mfang an an dem religiösen Leben der Gemeinde lebhaften Anteil genommen und war bald heimisch und mittätig geworden. Seit 33 Jahren gehörte er dem Vorstand der Chewra Kadischa an, und seit langen Jahren war er erster Vorsitzender des Vereins, zu besten Entwicklung er hervorragend beigetragen hat. Die Vereinsleitung sagt von dem Entschlafenen in ihrem Nachruf: „Durch große Herzensgüte ausgezeichnet, war er den Armen und sanken jederzeit ein warmer Freund und Berater; nie hat ein Notleidender sich vergebens an ihn gewendet." Die hiesige Niederrhein-Loge verliert in dem Dahingegangenen einen ihrer Mitbegründer. Wiesbaden. Die Israelitische Kultusgemeinde hierselbst feierte am 24. vorigen Monats das 50jährige Bestehen ihrer Hauptsynagoge am Michelsberg. Das herrliche GotteshauS war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem Chorvortrag aus Psalm 24 und der Elias-Arie von Felix Mendelssohn-Bartholdy hielt Herr Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Lazarus die Festpredigt. Im Eingang seiner Rede schilderte er in beredten Worten die Einweihungsfeierlichkeiten vor 50 Jahren und begann mit denselben Worten des damaligen Rabbiners Dr. Michael Süßkind „Diese Pforte führt zu Gott, seine Verehrer kehren da „Diese Pforte führt zu Gott, seine Berehrerer kehren da -ein" (Psalm 118, 20). Er gedachte des Rabbiners Dr. Geiger (1832—1838), der sich schon vor 50 Jahren für die Verbesserung des Kultus, Einführung des modemen Religionsunterrichts^ Einführung regelmäßiger Predigten und der Konfirmation einsetzte, femer des lange Jahre segensreich in der Gemeinde wirkenden Rabbiners Dr. M. Silberstein und endlich des im vorigen Jahre amtierenden Dr. Adolf Kober. Dem genialen Baumeister der Synagoge Herrn Oberbaurat Hoffmann, allen Kantoren. Lehrern, Beamten und Vorstehem der Gcweinde qalt dann der Dank, daß sie dazu beigetragen, die israelitische Kultusgemeindc zu ihrer jetzigen Blüte zu bringen. In geistvollen und packenden Worten verbreitete sich Herr Rabbiner Dr. Lazarus dann über das eigentliche Thema seiner Festrede „Bedeutung und Berechtigung des jüdischen Gotteshauses". Es folgte dann ein vierstimmiger Frauenchor aus Psalm 23 von Franz Schubert und der Vortrag eines Musikepos für Soli und Chor mit Orgel- und Harfenbegleitung „Von Tempel zu Tempel" von Otto Wernicke (Text von dem derzeitigen Oberkantor der Gemeinde Abr. Nußbaum). Der Synagogen-Gesangverein, der schon 1869 am Tage der Einweihrmg und am Tage nachher in einem Konzert in Anwesenheit S. M. Königs Wilhelm I. sein hohes Können zeigte, machte sich auch jetzt durch den musterhaften und künstlerischen Vortrag vorgenannter Chöre ganz besonders verdient. Wiesbaden. Die hiesige Vereinigung jüdischer Frauen hat ihre allmonatlichen Diskussionsabende wieder ausgenommen. Am 2. September sprach Frau Friede! Steinberg über „Heines religiöses Wesen. Näherer Bericht folgt. ■! Dierdorf (Westerwald). Kürzlich feierten hier die Salomon Salomonschen Eheleute ihren 83. Geburtstag. , Beide erfreuen sich selten«: Körper- und Gcistesfrische. Vor i 7 Jahren begingen sie unter allgemeiner Beteiligung der x hiesigen Bürgerschaft das Fest der goldenen Hochzeit. Möge ' sie der Himmlische auch fernerhin lebensstark erhalten unL ihnen die Gnade zpteil werden lasten: in 3 Jahren das diamantene Ehejubiläum zu feiern! Aachen. Mit Ablauf der Sommerferien werden es 25 Jahre, daß Herr Lehrer Wallach an di« hiesige israelitische Volksschule berufen wurde. Schulgemeinde. Freunde und Schüler des Jubilars schicken sich an, den Ehrentag . desselben am 7. September d. I. würdig zu begehen. Der Name Wallach-Aachen hat in weiten Lehremeisen der Rheinprovinz und Westfalens einen guten Klang; denn der Jubilar ist bekannt als ein wackerer, aufrechter Mann," eilt treuer Kollege und ein erfahrener Pädagoge mit seltenem Lehrgeschick. Besonders anerkannt sind seine Erfolge im Religionsunterricht und noch mehr die Art und Weist, wie er ihn erteilt. Die von. ihm verfaßte in aller Kürze im Druck erscheinende Kinderbibel legt, mehr als Worte «S vermögen, Zeugnis ab von seinem hervorragenden Können. Bon^der^MosA^ ' Cochem. Hier fand am Schabbos Nachamu seit langem zum ersten Male wieder ein jüdisches Fest mit Tanz statt, das sich des lebhaftesten Zuspruchs erfreute. * Sohren. Auch bei uns fand sich am stlben Tage die ganze Gegend zu einem fröhlichen Festball zusammen. Trier. Das Ehepaar I. H. Marx feierte seine goldene Hochzeit. Aus diesem Anlaß war der Platz d^s 91jährigen Jubilars in der Synagoge mit Blumen geschmückt. Traben-Trarbach. Bei der Barmizwohfeier der Familie Schömann wurden 155 M. für den Jüdischen Nationalfonds gesammelt. Homburg (Pfalz). Änr Schabbos Nachamu fand hier eine gesellige Unterhaltung mit Ball statt. Der Besuch war sehr gut. In dankenswerter Weist stellte sich die jüdische Jugend der Veranstaltung zur Verfügung. Es wurden Gedichte vorgetragen, Lieder gesungen unl/ein Theaterstück aufgeführt. Bon der Saar. , Saarbrücken. Am 19. Juli feierte der hiesige Syng. gogenchorverein entsprechend seiner Bestimmung, neben dem Chorgesang auch jüdische Geselligkeit zu pflegen, ein Sommerfcst. Es war das erste stit Jahren. Das Fest bestand aus einem künstlerischen Konzert, ausgeführt von Mitgliedern des Schauspielhauses, und einem darauffolgenden Tanz, der die zahlreich erschienenen Vereinsmit-1 zlieder, ihre Familien und ihre auswärtigen Freunde bis' in die frühen Morgenstunden zusammenhielt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Siegfried Levinsohn, hielt eine eindrucksvolle Festrede, in der er ausführte, daß das Fest nicht um des Festes willen^ gefeiert werde, — dazu sei die Zeit nicht angetan —, sondern um den Zusammenschluß in der Gemeinde zu fördern. Nach einem kurzen, den gefallenen Gemeindemitgliedern geividmeten Gedcnkwort fuhr der Redner fort und wies darauf hin, wie nötig gerade jetzt der Zusammenschluß aller Juden sei. Ter Krieg habe es betviesen und jetzt werde der Jude ftir das ganze Elend verantwortlich geniacht und sei wie immer der Prügelknabe. Er erinnerte an die diesbezügliche Politik der Alldeutschen, an die Judenzählung, die Pogrome in Polen und Galizien, an Nadworna, wo die Rusien 1500 jüdische Familien, Greise, Frauen, Kinder vor sich her in den feindlichen Kugelregen hineintriebcn. . Jnteresiant tvar die Mitteilung des Redners, daß ein Superintendent Kriele kürzlich in Berlin Wilhelm II. in Amerongen mit Barbarosia im Kyffhüuser verglichen hätte, der nicht eher erlöst werden könnte, als bis die drei Raben — Jesuiten, Juden und Jakobiner — die den Kyffhäuser umkreisten, vernichtet seien. Trotz all dieser Leiden sei der jüdische Geist lebendig, der ließe sich nicht töten, sondern marschiere, und erlebe jetzt in der Verwirklichung des Völkerbundes und dem Erwachen Palästinas seine Auferstehung. Auch der Synagogenchorverein wolle zu feinem Teile den jüdischen Geist pflegen. Der Redner schloß mit den Worten der Hagada: „Kol dichfin jesse tvejechol I Wer hungrig ist. der