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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-22 · 13 (22.8.1919) · p. Seite 141

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
13 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 141 (sequence 7)
Language
German
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141 v Auf den Düsseldorfer Präfidentensitz gehört ein Rheinländer. der daS religiöse Bekenntnis mit der Mehrheit der Bevölkentüg teilt. ES ist Sache des Volkes, gegen das jetzt beliebte Vorgehen entschieden Stellung zu nehmen." Diese Zuschrift beleuchtet blitzartig die augenblickliche Stimmung im Lande. Präsident Lande, der sich übrigens vom Judentum längst losgesagt haben soll, ist doch äugen- ' scheinlich nur als Sozialdemokrat und auf Grund des Bündnisies zwischen Zentrum und Sozialdenwkratie berufen worden. Man sicht, Stimmungen und Gefühle entscheiden immer noch mehr als politische Überlegung. Düsseldorf. Die hiesige Regierung soll vom Ministerium für-Volksaufklärung angewiesen worden sejn, freiwerdende Stellen an jüdischen Volksschulen für 9 Lehrkräfte, die aus den von den Polen besetzten Gebieten kommen, offen zu Halten. Der Minister hofft, sehr viele in Ost und West stellungslos gewordenen Lehrkräfte unterzubringen. Schon darum hat er für die jüdischen Lehrkräfte zuerst an jüdische Schulen gedacht. Vielleicht haben die in Betracht kommenden Lehrer und Lehrerinnen den Wunsch gehegt, auch in Zukunft an Schulen ihres Bekenntnisics tätig zu sein. Man darf auch einigermaßen bezweifeln, ob es bei der heutigen Stimmung möglich sein wird, diese Lehrkräfte an den Schulen anderer Bekenntnisie pnterzubringen. Belgisches Land. Tic Zionistische Ortsgruppe „Jvria" Elbcrsel.d-Barmen veranstaltete am 3. August eine Gedenkfeier anläßlich der ». Wiederkehr des Todestages von Theodor Herzl. Die Konzertsänger Fräulein Bernthal, Frau vr. Lechtmann, Herr Opernsänger Woog und Herr Frank hatten ihre Kunst in den Dienst der edlen Sache gestellt. Ter Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr vr. Grüneberg, hielt eine meisterhafte Gedenkrede. Er pries Herzl als den Befteier des jüdischen Volkes von Individualismus^ stnd Materialismusder der jüdischen Jugend aus geistiger. und seelischer Leere die Wege zum Ideal jüdischer Gemeinschaft und Brüderlichkeit gewiesen. Die Zuhörer, Zionisten und Nichtzionisten, lauschten tief ergriffen seinen Ausführungen. Neuwied. Am 9. d. M. starb hier der Profesior vr. Walter P o h l m a n n. Oberlehrer a. D. am Königlichen Gymnasium. Er war ein schlichter, aufrichtiger, aufrechter, edeldenkender und -wirkender Lehrer und lGelehrter. Vor Jahren wurde sein Name in weiten jüdischen Kreisen mit besonderer Ehrerbietung gencknnt. Er veröffentlichte da-, mals vom gerechten Widerwillen gegen die hochflutende antisemitische Hetze einige wertvolle Schriften für die Juden („Jude und Christ", „Das Judentum und sein Recht". „Das Judentum und seine Feinde" usw.), Schriften, für die er die Verehrung und den Dank der Juden erntete. Seit Jahren lebte er hier im Ruhestande. Ein Herber Schmerz tryf ihn jüngst durch dew Tod seiner Tochter, seines einzigen Kindes. Seiner Gattin sind Kundgebungen herzlicher Mittraucr in großer Zahl zugegangen. Wir wissen mit ihr: Solche edle Menschen, wie der Entschlafene, sind „Tote, die im Grabe leben!" Oer Kote erzählt: — Der Karfunkel. Bon Leopold Komprrt. (5. Fonscyunz,) Laubhüttenfest war wieder ins Land gekommen. Am Abende saßen die beiden Männer wieder in der leichtgezimmerten Hütte, als deren Dach der grüne Waldschmuck, den die Bauern gebracht hatten, diente. Sonst war nichts in der Laubhütte zu sehen ... die Wände kahl, nicht einmal vergoldete Nüsie und Äpfel gaben Zeugnis davon. daß sich irgend jemand bemüht hatte, der Hütte einen traulicheren Charakter zu verleihen. „Denkst du noch. Feiwelmann". sagte David Brod. nachdem er di« Segensformcl über den Wein und das weiße Brot gesprochen, „wie sie. heute ist's ein Jahr, in den Garten des Grafen um Blumen gelaüfen ist? Gott der Lebendige weiß, wie ihr der Gedanke gekommen war. WaS Hab' ich nun davon, daß damals unsere Laubhütte schöner war als irgend eine in der ganzen Gaste? Jetzt fehlt mir das Kind — das Hab' ich davon!" „Kuriose Gedanken an einem Feiertagabend. David Brodl" grollte der Baß. > „Sie fehlt mir, Feiwelmann!" sagte der Vorbeter, „woist sie jetzt? Sitzt sic heute in einer Laubhütte? Und' wenn du mir heute Speise von der Tafel eines Königs vorjetzest, ich werde sie nicht anrühren, denn mein Herz ist mir schwer." - „David Brod", sagte der Baß mit mühsam erzwungenem Lächeln, „wenn man dich so reden hört, so möchte man schier glauben, du hast dein Kind verkauft und nun irrt es auf der Straße umher und sucht seinen Vater." „Feiwelmann", rief der Vorbeter, „du hast daS rechte Wort gesprochen. Ist mir denn anders zumut. als wäre sie verkauft? Wenn mein gutes Weib, mit der Friede sei. noch am Leben gewesen wäre, sie hätte es nicht zugegeben-, denn eine Mutter,läßt ihr Kind, was sie geboren und mit ihrem Blute genährt, nicht so leicht von sich fort. Aber ich. der Vater, bin ein so leichtsinniges Mensch gewesen. All ihr Leben könnt' mir das mein Weib, die nun im Grabe liegt, nicht verzeihen!" Da zog Feiwelmann, der Baß. einen Brief aus. seiner , Rocktasche hervor. „Män soll nicht sagen. David Brod", meinte er. „ich hätte dir deinen Feiertag verdorben. Da sieh her. wer das geschrieben hat?" „Vom Kind? Von Ella?" schrie der Vorbeter, „warum zeigst du ihn erst jetzt?" „Ich Hab' hdute unsere Laubhütte damit schmücken wollen . . . weil sie uns doch fehlt." „Lies vor. Feiwelmann", rief der Vorbeter, „ick könnt' ihn ja doch nicht lesen, denn das Sehen „verschießt^ mir." Und Feiwelmann las vor: „Herzlieber Vater bis zu hundert Jahren! Guter Feiwelmann Baß! Wenn dieser Brief bei euch ankommt, da habt ihr gewiß draußen im Hofe unseres Hauses die Laubhütte wieder aufgerichtet, und Feitvelmann hat, wie er das grüne Tan- 'nenreisig aufs Dach gelegt hat. dabei ausgerufen: Gott, wie i duftet das, ich werde an meinen Wald in Bayern gemahnt!! Darum habe ich es so eingerichtet, daß Ihr den Brief gerade! heute in die Hände bekommt, und Feiwelmann soll ihn dem I Vater vorlesen. damit ihr beide glaubt, ich sitze unter euch!! Feiwelmann. der Baß. hat übrigens recht: unter allen Feier- > tagen halte ich auch auf das Laubhüttenfest am meisten, i Da ist noch alles grün und in den Gärten blühen noch! Blumen, und in den Synagogen halten die Leute den „Lu-! lev" und den „Eßrog" in der Hand. Warum kann so etwas nicht das gänze Jahr hindurch andauern? Ich möchte, wenn ich die Gewalt dazu hätte, anordnen, daß in der Synagoge immer etwas Grünes aus dem Walde oder Blumen zu sehen wären. Ich! glaube, die Leute möchten dann nicht so sehr schreien, wenn sie beten, und ihren Körper nicht sö heftig hin und-her bewegen, als wären sie selbst Bäume, mit denen ein'starker Wind unbarmherzig umgeht. Denn was sagt! mein Gesangslehrer stets, den mir der Herr Graf gegeben! hat: „Ella'/,vjagt er. „Sie müssen ihren Oberleib, währendl dem Sie singen, ruhig Hallen. Sie dürfen mit Ihren Armen nicht umhertverfen, wie ich es an Ihren Leuten bemerkt ■ habe, wenn sie in der Synagoge sind. Denken Sie sich in die! Lage, daß Sie auf der Bühne sind, und ich befinde mich im Publikum. Was ist meine erste Idee? DaS Mädchen mag wohl eine vortreffliche Stimme besitzen, aber ihre Manieren sind aus irgend einer Gaste hervorgegangen." So sägt mein Gesangslehrer, und ich muß allemal dabei an Feiwel-

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