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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-22 · 13 (22.8.1919) · p. Seite 142

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
13 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 142 (sequence 8)
Language
German
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-1 — 142 - mann, den Baß. denken, wie der sich beim Gesänge die Hand an die Backe hält, und wie ich recht gehabt habe, ihm zu sagen, daß sich das nicht schickt. Lieber Jeiwelmann Baß. verzeihe mir. wenn ich dir damit wehe getan habe, aber ich kann mir nicht anders helfen. Es ist nicht schön, seine Backe so zu verunzieren, während man singen soll. f Auch muß ich euch schreiben, daß ich drei verschiedene Lehrer für Sprachen habe, einen, bei dem ich das Italienische lerne, einen, der mir die deutsche Sprachlehre beibringt, ^denn der Herr Graf hat gleich anfangs gemeint. mxinTeutsch "sei kein Deutsch, ich müßte meinen alten „Jargon" abstreisen. der mir noch anhängt, nnd endlich einen, bei dem ich deklamieren lerne, und welche Gebärden man zu machen hat. wenn man etwas vor Leuten öffentlich singt, was nzan „Mimik" nennt. Das Singen und Klaviesspielen ist aber die Hauptsache, und neulich hat der Herr Graf, wie er hier war, Prüfung mit mir angestellt aus allen Gegenständen, und zuletzt kam das Singen daran. Ich weiß nicht, warum ich dabei so gezittert habe... und hatte mich ddch gar nicht gefürchtet, als ich das erste Mal vor ihm in seinem Garten gesungen habe. Wie ich fertig war. ist der Herr Graf gar still dagesesicn und hat kein Wort gesprochen. In dieser Nacht habe ich so viel geweint wie damals, als sie die Mutier auf den „guten Lrt" hinauslrugcn. Am anderen Tage ist der Herr Graf wieder gekommen.' „In allen Gegenständen bin ich mit deinen Fortschritten vollkommen zufrieden", hat er zu mir gesagt, „nur dein Singen scheint kein Wort halten zu wollen. Singe mir das gestrige Lied noch einmal." Da ist mir vom Herzen herauf etwas zu Kopfe gestiegen, es tvar ivie ein Stoß und Schlag, daß ich meinte, aus ineincn Augeir fahren Blitze, und die müßten mich selbst in Brand stecken. Ich habe wieder gesungen. und dann hat der Herr Graf seine Hand auf meinen Kopf gelegt und hat dabei nur ein einziges W»rt Karfunkel" gesprochen. Das ist mir aber gsnug und mehr, als hätte er einen ganzen Tag mit mir geredet. Als er dann fortging, hat er die Frau, bei der ich in Kost und Quartier bin und alles andere habe, gerufen und hat jhr gesagt, sie möchte mir ein neues seidenes Kleid kaufen und es aufs schönste Herrichten lassen. Ta weiß ich nicht, wie es so mir über die Lippen gekommen ist. aber ich habe gesagt, wenn ich um etwas bitten dürfte, jo wäre es kein Kleid. „Und was denn. Karfunkel?" fragte der Graf. „Ich möcht' ein Gebetbuch haben", antwortete ich. „wie ich eines zu Hause gehabt habe." Ter Graf sah mich mit seinen durchdringenden Aug«n eine Weile an. „Warum willst du ein Gebetbuch?" sagte er. „sehnst du dich vielleicht nach deiner Gasse und Laubhütte zurück?" Ta habe ich gemeint: „Ich möchte zuweilen mit meinem Barer und mit Feiwelmann reden, und das kann nur durch das Gebetbuch geschehen." Ta hat der Graf laut aufgelacht. „To kaufen Sie ihr ein seidenes Kleid und ein Gebetbuch". hat er zu der Frau gesagt; „wo das letztere zu bekommen ist, werden Sie wohl wissen." Und er hat so spöttisch gelächelt.umd die Frau auch; ich konnte nicht erraten, warum? Am anderen Tage ist es mir klar geworden. Ta hat mich die Frau auf einen Spaziergang mitgenommen, und wir sind weit, weit gegangen, bis wir in eim schmutzige und enge Gasse kamen. „Das ist die goldene Gaste", hat sie gesagt, „sieh dich doch um. 4vie deine Leute hier aussehen." Lebendiger, großer Gott! was hatte ich ihnen denn zuleide getan, daß sie dort-so auf mich zugestürzt sind? Sie haben uns fast die Kleider vom Leibe geristen, und der eine hat uns das. der andere jenes angeboten. Endlich fragte ich die Frau, was wir denn eigentlich in dieser Stoffe tun. Tn hat sie gesagt: „Tu willst ja cm Gebetbuch kaufen, hier ist cs zu haben." ' -<•, Herzliebster ^ater bis zu hundert Jahren, und guter Feiwclmann Baß! Ein alter Mann mit wackelndem Kopfe und zitternden Händen, der-hat uns endlich gesagt, er hätte, was wir zu kaufen wünschten. „Was. für ein Gebetbuch soll es sein?" hat er mich geftagt. „U nser Gebetbuch!" habe ich gesagt. ..Bist du denn .. .?" fragte er mich und sieht mich erstaunt an. „Mein Vater heißt David Brod". sagte ich ihm still. I „und ist Vorbeter." Darauf hat er mir ein Gebetbuch ge-! geben, und wie ihm die Frau dafür zahlen wollte, hat er bei dem Leben seines Weibes und seiner Kinder geschworen, er nehme keinen Kreuzer dafür. Und so find wir gegangelz, und die Frau hat nichts gesagt. Aber der alte Mann hat 1 uns nachgeblickt, bis wir aus der goldenen Gaste" heraus waren. Seit, ich nun das Gebetbuch, habe, ist es mir, als! könnt' ich mit euch von Angesicht zu Angesicht reden, und s manchmal singe ich auch die alten Gesänge, wie ich sie von ' euch gehört habe, aber das geschieht im stillen und so, dsH; es die Frau nicht hört. Aber am Laubhüttenfeste da will ich 1 mir die Gebete aufblättern, die man an diesem Tage betet, und ich.will keines überschluppern. Jetzt muß ich schließen, weil auch das Papier zu Ende; geht. Aber noch, muß ich eines mitteilen. Der Graf wird bald eine große Reise antreten. und ich werde ihn vielleicht i ein ganzes Jahr nicht zu sehen bekommen. x übrigens verbleibe ich euer aufrichtiges Kind Ella, auch Karfunkel." ' tKertsktzmi, >»>>«.> IDibli srHos T^retöratrcl! I! ASSNSSWSWLWWMSMSlSSSSNMVSSMVMSMWN^ . f - \ . Tie Felder sind so auszufüllen, daß sich, von oben angefangen, ergibt: l. ein Buchstabe, 2. eine Stadt, 3. ein Name unserer Urzeit, 4. ein berüchtigtes Weib, 5. «in Nachkomme Davids. Die mittleren Buchstaben ergeben von oben nach unten gelesen «ine historische Stätte. Unter den Einsendern der richtigen Lösungen wird ein Preis onsgelost und der Name hier veröffentlicht. Der Bereinsbote. Wir stellen diese Stelle allen jüdischen Vereinen nicht nur Bonns, sondern auch seiner näheren und weiteren Umgebung frei zur Verfügung, um dort ihre wöchentlichen Veranstaltungen kurz anzukündigen. Da der Bote am Donnerstag zur Post-geht, erreicht er Freitag, spätestens Samstag den Hauptteil seiner Leser, und eignet sich deshalb auch noch fürBereinefernererOrte.um sonntägliche Wan- ' derungen und Zusammenkünfte anzuzeigen. * * * _ 1. Bonn. 1. Der „Armenvcrein", Herr Jakob Koopmann. Marienfir. 20. 2. Ter Frauenvcrein, Frau Emma Stern, Wenzelgofse 32—36. 3. Die Chewrah GemiluS chasodim, Herr L. lloßmann, Meckenheimer Allee 42. _ , 4. ^Ter Jüdische Jugendbund, Herr Willi Jrldmann, Beethovenilraße 3. Frcstag den 20. August, abend- 8'/, Uhr: Heimabend. — \ Sonntag den 31. August Wanderung: Mehlem, RolandS- , c>1, Roddcrbcrg. Treffpunkt: '/« vor 8 Uhr Bodesberger Elektrische. ü. Ortsgruppe deS Zentralverein» deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben-, Herr Rechtsanwalt l)r. HerrmannS, Meckenheimer Straße 64. >. 6. Zionistische Ortsgruppe. Herr Ma; Goldreich, Beuel, Rordstraße 10. Jeden DienStag Abend 6 Uhr, Saft Saugolf: Zionistischer Stammtisch. 7. vr. Falk Cohn-Berein, Herr Höchster. Wenzelgasse Ü8. 8. Shnagogenchor-Berein, Herr Leop. Feldmann, Beethoveustraße 3. Jeden. Montag. Abend 8 Uhr Chorprobe. ». Ortsgruppe der Rheinlandloge, Herr Salo Simon, »aistr- Jrikdrichstraße 2.

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