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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-22 · 13 (22.8.1919) · p. Seite 137

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
13 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
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Ukraine Odessa. Die entsetzlichen Judenverfolgungen im Bezirke von Odessa (vgl. Jüd. Bote Nr. 11) werden in der Umgebung der Stadt' fortgesetzt. Die Zahl der jüdischen Opfer und der von Haus und Heim Vertriebenen steigt geradezu erschreckend. x Tschernigow. Im Kreise Owruczk (Gouvernement Wolynsk) wurden von den „Truppen" PetljuraL zusanunen mit polnischem Militär ließe- Judenpogrome veranstaltet. Biele Juden wurden getötet. Am meisten hat das Städtck)en Sloweczkö gelitten. Litauen. Wilna. Auf seiner von' uns bereits berichteten Reise nach dem Osten (Jüh. Bote 9fr. 11) ist Morgenthau mit seiner Abvrdnung in Wilna eingetroffen, nachdem er noch vorher u. a. Bialystok und Grodno besucht hatte. Polen. Warschau. Die polnische Regierung fordert alle Flüchtlinge auf. unverzüglich in ihre Heimatorte zurückzukehren. Warschau. Demnächst soll ein Gesetzentwurf eingebracht werden, wonach den Juden, die am Samstag ihre Geschäfte geschlossen halten, gestattete werde, gm Sonntag während zweier Stunden ihrem Handel nachzügehen. Warschau. D c^r 'Abgeordnete des polnischen Parlanicnts Färbstein berichtet haarsträubende Dinge über das Gefangenenlager S t r z a l k o w o. welches er unlängst besucht hat. In diesem Lage sind Tausend unschuldige Leute (Juden und Nichtjuden), die aus Galizien deportier: wurden, ohne zu wissen, wes!)alb sic verhaftet sind. Das Aussehen der Gefangenen ist schrecklich. sie sind halb nackt, bekleidet mit schmutziger-, Wäsche oder ganz ohne solche, barfuß, ausgehungert. Im Spital sind 800 Schwcrkranke. darunter 200 mit Flecktyphus Behaftete, die fast keine Hilfe bekommen. Tic Kranken liegen dicht nebeneinander, ohne Betten, auf Strohsäcken. — Tie Gesungenen werden bei jeder Gelegenheit mit eisernen Ruren geschlagen. Manche sind ohne Grund erschossen worden. Ter Kommandant des Lagers. Leutnant Malinowski hat dein Deputierten gegenüber gar nicht versucht, diese Greuel abzuleugncn. Er hält sie für zweckmäßig. Als der Deputierte vor der Abreise den Kommandanten ersuchte, d i G cj angenen, d i e ihn« gegenüber A u s - s a g e n g e m a ch k haben, nicht zu bestrafe n, e rklartc der Kommandant zynisch, daß er solche Zusage nicht geb e n w i r d. (Jüd. Presse.) ' In einem Atemzuge mit der Nachricht von der An- -nahmc des Friedeitsvcrtragcs, der bekanntlich die Rechte der Minoritäten sichert (!), kommt folgende Meldung: Warschau. Ter Landtag beschloß, die in: Bezirk Bialystok aus der Zarenzeit her noch bestehenden gesetzlichen B eschränkungen gegen die Juden a u frcch t zu erhalte n (Israelit). —! ' Kopenhagen. Von der Anglo Palcstine Company wurden 122 Pfund für die von-den Pogromen in Litauen, Polen und der Ukraine betroffenen Juden überwiesen. x Diese Spende ist der Reinertrag einer Trauer- und Protestversammlung, die v o n d e n jüdischen Legionären in der 123. Sanitätssektion, Jerusalem- und der hebräischen Musikschule unter Mitwirkung von Herrn Ben - Dow veranstalhet wurde. ^' * * * - Frankreich v Paris. Das Organ der französiscijen Linkssozialisten, das Blatt „Populaire", greift den Minister des Äußern, Pichon, scharf an wegen seiner Unaufrichtigkeit bei ber Beantwortung des Offenen Briefes einer Gruppe von Abgeordneten über die Judenpogrome in Polen. Paris. Das Komitee der jüdischen Telcgation hat beschlossen, nach Schluß der Friedenskonferenz ciy permanentes Komitee zu organisieren, das auf einer breiteren Grundlage vor der Liga der Nationen und überall folgende vom Komitee formulierte Ziele vertreten soll: Zweck des Komitees ist Verteidigung der bürgerlichen, politischen und mU tionälcn Rechte der Juden der verschiedenen Länder und ihre Weitetentwickelung: Verteidigung der jüdischen Bevölkerung gegen Pogrome. Ausschreitungen und Übergriffe; Mitarbeit bei der Organisierung der Mischen Auswanderung; Zusalniyenarbcit mit den jüdischen Hilfsorganisationen, insbesondere zwecks Wiederaufbau des durch, die Katastrophe des Krieges zerstörten ökonomischen Lebens. Paris. Der Zehnerrat hat beschlossen, zu der letzten Sitzung der Friedensverhandlungen mit der Türkei neben den Vertretern von Armenien und Syrien, die Zionistenführer als Vertreter von Palästina mit beratender Stimme zuzuziehen. Paris. Die Friedenskonferenz soll die Palästinafrage nunmehr erledigen. Nach einer Meldung des Warschauer „Heiyt" wollen die Zionisten auch die Forderung erheben, daß im englischen Kabinett ein j ü d i s ch e r M i n i ste r für die Angelegenheiten Palästinas ernannt lverden soll, ebenso wie ein solcher Minister für Indien vorhanden ist. Von zionistischer Seite soll S o k o l o w in Vorschlag gebracht werden. Anrerika. v New Aork. Herr Chaim Gruschkin hat eine Maschine erfunden, mit der man hebräische Lettern mit Punktierung drucken kann. y New Aork. Es liegen Meldungen von bereits über 1 ,i3—2 Millionen Juden aller Weltteile vor. die nach Palästina gehen werden. New Aork. Am 11. Juli'fand hier eine Konferenz der Vertreter der russisch-polnischen Juden statt, an der sich 80 Delegierte beteiligten, die 40 Organisationen verschiedener amerikanischer Städte repräsentierten. Nach Schilderung der Lage der Juden im Osten wiesen die Redner auf die Notwendigkeit hin. da^ Judentum der ganzen Welt zu vereinigen und einen allweltlichen jüdischen Permanenz- Kongreß einzubcrufen. Berlin. In Amerika befinden sich heute 30 000 orga-' nisicrte Misrachisten. In New Aork allein gibt es 56 Misrachitwreine mit einem jährlichen Budget von 800 000 Dollar. In Palästina bestehen in sämtlichen Städten und Kolvnicir Misrachi-Bereine. Berlin. Tic Telegierten-Wahlen für den 22. amerikanischen Zionisten-Küngreß haben im ganzen Lande am 19. Juni stattgefunden. Der Kongreß wird am 12. September in Chicago eröffnet werden. New Aork. Das „Joint Tiftripution Commitee" hat Anstalten für die Versorgung Hunderttausender von jüdischen Kriegswaisen gctrvffdn. Es ist gcplayt. ein Büro zu errichten, welches in direkter Verbindung mit Kinder-Fürsorgeanstalten aller Länder handeln soll, in denen sich lwdürftige Kriegswaisen befinden. Das erste Büro wird in Palästina errichtet werden, wo die Zahl jüdischer jfriegswaijen 3—4000 beträgt. Religiöse Kildnng. . von klr. Wiener-Stettin. Sie gehört zu den Dingen, die man mehr wünscht als will; man möchte sie besitzen, abcr.sckMt essse zu erwerben, — möchte ernten, ohne gesät zu haben. Seit einigen Jahren begegnen wir Zahlreichen, die mit ihr kein anderes Verhältnis varknüpft als dasjenige der Reue, sich ihrer nicht rechtzeitig in Kindheit und Jugend bemächtigt zu Habens. Kann diese Reue Geist und Willen nicht zur Aufnahme einer Saat vorbereitcn, jws der wirkliche Früchte reifen? Das erscheint nicht unmöglich, aber doch sehr schwer; denn eins ist sicher und wird jedem durch die Erinnerung an den - eigenen Bildungsgang bestätigt:. Gründlich lernen wir in unserm Leben, wenn überhaupt, nur einmal, als Kinder in der Schule und als heranreifende Menschen in den Jahren, da. wir die Voraussetzungen und die Technik des Lebensberufs.uirs aneigiren; und es ist ein großer Unterschied zwischen dem, der viel gelernt und entsprechend viel vergessen

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