Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 13 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Blütenträume reifen. Schrecklich aber ist es. wenn eine« der Becher aut der Hand geschlagen wird, da man ihn schon an die Lippen setzte, doppelt schrecklich. Wenn er nicht einwch mit kecker Faust ergriffen, sondern wenn eia sittliche- Anrecht auf ihn erworben war — durch Ar be i t und durch Liebe. Gebaut' haben und dann nicht einweiben. gearbeitet. gefchüftet, geschwitzt, entbehrt haben ' und dann sterhcnd auf der Wahkstatt liegen und im brechenden Auge das Bild sehen, wie ein anderes einzieht ins Haus, «in anderer erntet, das ist bitter. Und bitterer noch, geliebt und geworben zu haben, seine zartesten Gefühle, seine Innigkeit und Hingabe, seine Opferfähigkeit urtd'Eelbstlqsigkeit ve»e schwendet zu haben um ein Ja, das nicht gehalten wiff», um Blicke, die Blicke blieben, um Liebe, die nicht' Erfüllung fand. „Auf den Knieen eures Herzen-", wie der Dichter sagt, , müßtet ihr. Juden, euer Judentum verehren, wenn ihr so etwas lest. Liebe und Arbeit, sagt unser Judentum, sie allein geben Anrecht aufs Leben, sonst nichts. Die aber geben's ganz. So ganz, daß sie im Gesetz verankert, ja. daß das Gesetz ihnen dienstbar gemacht wurde, daß da- Gesetz ihnen Leben verhieß, wo der Tod auf grüner Heide winkte. Er kehre zurück und weihe sein Haus! Er kehre zurück und führe Helm, die er liebt, und „soll ein. Jahr lang ftei sein für sein Haus, daß er sein Weib erfreue, das er nahm" <5. Mose 24, 5). Unsere Thora ist ein reiches Buch. Aber nicht die Fülle der Gesetze, die bis in die Winkel des Lebens leuchten, alle Schritte des Menschen bewachen, seine Triebe regeln, seine' Leidenschaften zähmen, nicht die Fülle und auch nicht die Vielgestaltigkeit dieser Gesetze ist es. was seinen wahren -Reichtum macht. Sein wahrer Reichtum liegt darin, daß das Menschliche in ihm lebendig blieb. Spricht man heute von Gesetz, so denkt man an seine Paragraphen und Zusätze, seinen Buchstaben und seine Härte. So steinern Moses' Tafeln waren, sie standen doch immer unter dem Regenbogen reinster Menschlichkeit. Ein Gesetz so süßen Schmelzes, so zarter Lebendigkeit hat es niemals wieder gegeben. Engel breiteten über der Bundeslade ihre Flügel, das Sinnbild der Mildigkeit über den Tafeln von Stein. <• Emil Cohn. Alockenfckau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Kassel. Rabbiner vr. Gotthilf Walter -Bromberg ist zum Landrabbiner für den Regierungsbezirk Kassel gewählt und von der Regierung bestätigt worden. > Nürnberg. Anfangs Juni wurde hier ein Bund jüdischer Frontsoldaten gegründet. Er soll die Interessen der jüdischen Kriegsteilnehmer, auch in der Abwehr antisemitischer Angriffe, vertreten und die Fürsorge für die Kriegsgefangenen übernehmen. Berlin. Der Antisemitismus stört bereits die öffentliche Ordnung. Es kommt zu Ausschreitungen gegen die Juden. Die Berliner Bläner verzeichnen täglich Vorkommnisie übelster Atr. Im Kurfürstendamm ist es zu Schlägereien gekommen, in deren Verlauf sogar Revolverschüsie auf die Juden abgegeben wurden. Berlin. Die Reichswehr ist nach wie vor judenfeindlich. Die Juden haben von ihr kaum Schutz zu «warten. Besonders die Brigade Lettow-Vorbeck kann ihren antisemitischen Charakter nicht verleugnen. Berlin. Das Unwesen der Flugblätter, die gegen die Juden hetzen, läßt nicht nach. Jeden Morgen finden sich an allen Stellen neue Aufruf«, wo sie erst tagzuvor abgerisien worden find. - Bochum. Hier hat sich endlich eine größere Anzahl von Juden organisiert, um die täglich an den Stmßenock« angebrachten judenhetzerischen Aufiufe zu entfernen. Nürnberg. Am 17. Jukr tagte eine VerstanmlunGcher Oftjuden Nürnbergs, die von den Vereinen AchiunA Teschuah einberufen war. Folgende RejrllutiMs wWe angenommen: „Die am 17. Juli 191S versammelte» Ostjuden Nürnbergs und Fürths erheben schärfsten Wotest gegen den Beschluß des Zentralvereins, ausländischen, ü Deutschland wohnhaften Juden das Wahlrecht zum geplan? ten jüdischen Kongreß zu verweigern oder einzuschränke». Sie erblicken in dieser-Stellungnahme eine mit ihrer Auf. fassung vom Judentum und Mischen Solidaritätsgefühl unvereinbare Unduldsamkeitund Zurücksetzung. Sie lege» energisch gegen den geplanten Aräschüch ihres Mktbestimmungsrechtes in rein Mischen Angelegenheiten Verwahrung ein. Sie hoffen und umnsche», daß ein Geist, der eine« solchen Beschluß möglich, machte, einem Gei sie der Versöhnung und Verständigung weicht und sehen das beste Mittel dazu in einem jüdischen Kongreß, in dem auch sie vertreten sind." Österreich. Wien. Es ist nunmehr gelungen^ für annähernd 60b jüdische Kinder Unterkünfte in Holland zu besorgen, wo die Kinder 6 Wochen Ferienaufenthalt zur Erholung nehmen können. Wien. Es wurde eine neue „Jüdisch-Palästinensische Reise-.und Transportgesellschaft m. b. H." gegründet. Da- Gruudkapital soll eine Million Kronen betragen. Die Adresie lautet: Wien, Praterstraße 9. Die Gesellschaft will auch den Touristenverkehr vermitteln. ' Schweiz. Berlin. In Engelberg hat am 29. Juli eine Konferenz von Mitgliedern des zionistische» engeren Aktions- Komitees stattgefunden, an der die Herren Profesior Warburg-Berlin, Profesior ° Dt Weizmann-Manchester, Dt Hantke-Berlin teilnahmen. Außerdem waren hinzugezogen Dt Arthur Ruppin, Dt Berthold Feiwcl und Julius Berger. Es wurden alle Fragen betreffend die verschiedenen Aufgaben der Zionistischen Organisation bei der ökonomischen und kulturellen Entwicklung in Palästina besprochen. Zürich. Auf den 17. und 18. August 1919 ist eine Konferenz der schweizerischen ostjüdischen Organisationen einberufen. Sie bezweckt die Schaffung einer Organisation der Ostjuden in der Schweiz zur Wahrung ihrer speziellen Jnteresien, wie auch die organisatorische Zusammenfassung der in der Schweiz lebenden Ost- und Westjuden. Bulgarien. Sofia. Hiev bestehen zurzeit vier Palästinykolonisalionsgesellschaften: Erez Israel. David. Union. Owde- Adamah. v England. Kopenhagen., Die Herren Louis D. Brandeis, Israel Rosoff, de Haas und Prof. Dt Harry Friedenwald sind nach mehrwöchigem Aufenthalt in Palästina, wo sie von den Juden mit Begeisterung empfangen worden waren, in London eingetroffen. Vorher hatten die Herren Paris passiert und einige Zeit beim Komitee der jüdischen Delegatione» verweilt. . Palästi na. hule^vi Jerusalem. Die Realschulelvon Haifa macht ständige Fortschritt. Sie hat gegenwärtig beinahe 300 Schüler. Jerusalem. Hier ist die Errichtung einer großen Jeschiwah (Lehranstalt zur Heranbildung orthodoxer Rabbinen) geplant. In Amerika find beim Beginn der Sammlungen dafür 300 000 Dollar gezeichnet worden. Warschau. Aus Polen soll eine Abordnung nach Palästina gehen, um dort Untersuchungen über KolonisationSmoglichkeiten und Handelsbeziehungen vorzunehmen.