Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 12 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 128 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus dem folgenden Tätigkeitsbericht der Geschäftsführerin^ Fräulein Bonwitt. war ersichtlich, daß in der kurzen Zeit feines Bestehens schon mancherlei seitens des Verbandes geschaffen worden ist. Aus dem Bericht sei folgendes' hervorgehobcn: Tem Verband gehören bereits außer den beiden Gemeinden Elberfeld-Barmen 16 Vereine an. Auch Einzelpersonen können als Stifter oder Förderer beitreten. Tie Geschäftsstelle befindet sich jetzt im Gemeindehause Elbecfeld.-G«n«stss«keitsstraße - -Tie'Sprechstimden flfttr Montags bis Freitags von 9 bis 12 Uhr vormittags. Der Verband ist der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin angeschlossen. Zweck des Verbandes ist jegliche Hilfeleistung vorbeugender und verhütender Art. die Hauptaufgaben Arbeitsvermittlung und Berufsberatung. Es wurden der männliche Arbeitsnachtvcis der Loge und die weibliche Stellenvermittlung des jüdischen Frauenbundes übernommen und ausgcbaut. mit deren Organisationen der Verband ebenso wie mit der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden in Verbindung steht. In Anbetracht der augenblicklich so großen Schwierigkeiten auf den erwähnten Gebieten sind die bis jetzt erzielten Erfolge umso erfreulicher. Tie Berufsberatung sucht der Verband durch Veranstaltung von Eltern- und Schülerabcnden zu fördern und dsn Interessenten näherzubringen. An dem bereits stattgcfundencn Abend sprach die damalige Sekretärin. Fräulein Pomeranz, über „Tie Berufswahl unserer Jugend". Über die körperliche Eignung zu den verschiedenen Berufen wird Herr Sanitätsrat Dr. Levi .im September referieren. Infolge der mir dem Elberfelder städtischen Arbeitsnachtvcis gepflogenen Verhandlungen ist zu erwarten, daß die konfessionelle Weiterarbeit auch nach Schaffung der voin Reich vorgesehenen Bcrufsäinter und Provinzialbcrufsämter möglich jcin,n>irt>. Tas Gleiche ist von Barmen zu erhoffen. Durch Hcrgabc und Vermittlung von Darlehen konnten in mehreren Fällen Existenzen wieder aufgerichtet bzw. zu einer solchen verhaften lverden. Ferner gelang es. für einige Personen ihre Angelegenheiten mit Behörden zu regeln, ül'erhaupt wird die Vertretung der jüdischen WohlfahrtSarbcit den Behörden wie den öftentlichcn Wohlfahrtseinrichiungen gegenüber und ein enges Zusammenarbeiten mir ihnen erstrebt. So wurde der Anschluß an das in Elberfeld ncugeschaffcne städtische Wohlfahrtsamt erreicht. Für das Auskunftsbuch der gesamten deutschen Wohlfahrt, das derFrcitvilligc Erziehungsbcirät.Abt. für deutsches Jugendrecht in Berlin herauszugeben beabsichtigt, ist unser Material angegeben worden, ebenso für das geplante Handbuch übersämtliche Wohlfahrtseinrichtungen Elberfelds. Unsere Bemühungen, Schulentlassene in Anstalten zwecks weiterer Ausbildung unterznbringen. waren1 verschiedentlich von Erfolg gekrönt. Die dem Verband angcjchlossenen Körperschaften haben sich verpflichtet, alle ihnen zugehenden Aufforderungen zu Sammlungen zur Vermeidung von unziveckmäßiger und boppcltcr Hilfe durch ihn begutachten und abstempcln zu lassen. Ter Verband ist bei Sitzungen der Wohltätigkeitsvercine vertreten, und seine Geschäftsstelle steht denselben zur Erledigung von Aufträgen zur Verfügung. Rach Erstattung des (Geschäftsberichtes erhielt Herr llr. Grüneberg. Elberfeld, das Wort zu seinem Vortrag über das Thema: „Ter soziale Gedanke und seine -Wandlungen im Judentum", über dessen Inhalt wir bereits berichtet haben. Nach dein mit großein Beifall aufgenoinmcnen Vortrag referierte'Herr Sanitätsrat klr. Lllendorff. Barmen, über den Plan einer jüdischen Jugcndschriftcnausstellung. Jede Gelegenheit, für die Jllgend. den Gegenstand vieler Sorgen und Hoffnungen, etwas zu tun. sei zu ergreifen. Ein Mittel der Jugendpflege sei die Beschaffung von guten Schriften, und Büchern. Unsere Vorfahren lasen Erbauungsschriften. Märchen und Sagen, wie Midrasch usw. In der ersten Zeit der Emanzipation wurde durch die Wirkung der Klassiker! vorwiegend Gutes gelesen, während zu Ende des 18. Jahr- ] Hunderts viel Schädliches, z. B. die seichten Romane der i Marlitt. Heimburg. Werner geschrieben wurden, ganz zu schweigen von Räubergeschichten und ähnlichen Erzeugnissen. Die Zeis des jüdischen Erwachens muß auch daS Interesse für diesen wichtigen Hebel der Erziehung bringen. In erster Linie haben hier Gemeindebibliothcken und Lesehallen die -Vermittlung von guten Büchern zu übernehmen. . Die Ju- ^gendschriftenausstellung soll die jüdische Literatur bekannt machen und in die jüdischen Häuser hineintragen, zugleich den Eltern ein Wegweiser dafür -fein, welche- Schriften zu kaufen und welche als Schundliteratur zu verwerfen find. Ten interessierenden Darlegungen des Herrn Refereirten stimmte die Versammlung bei und beschloß die Veranstaltung einer jüdischen Jugendschriftenausstellung vor dem Ehanukahfeste. und zivar, da an dem Zuswndekommen einer derartigen Ausstellung eine ganze Reihe von Vereinen interessiert sind, im Rahmen des Wohlfahrtsverbandes. Tic zur Einzeichnung von Jahres- und einmaligen Beiträgen aufliegenden Listen brachten dem Wohlfahrtsverband eine Anzahl von Stiftern und Förderern, und es ist zu hoffen, daß, der Verband, durch die lebendige Mitarbeit aller in ihm vereinigten Kräfte immer mehr ausgestaltet und finanziell gestärkt, noch viel gute jüdische Arbeit leisten wird, welcher Wunsch auch in den Schlußworten zum Ausdruck kam. Wiesbaden. Am 17. Juli, dem Vorabend des Jahrzciltages des großen Führers.der Zionisten, Theodor Herzl. veranstaltete die hiesige zionistische Ortsgruppe in den Räumen des Hotel Kronprinz eine erhebende Gedächtnisfeier. Nachdem Fräulein Ennes Loeb zur Einleitung einen Gesangsvortrag zu Gehör gebracht hatte, hielt Herr Bertram Stern die Gedenkrede. Er feiprte Theodor Herzl als den Erwecker der jüdischen Jugend.'dcr dem jüdischen Volk wieder ein Ideal und eine Hoffnung gegeben habe, die jetzt schönster Erfüllung entgegenrcife. Hierauf trug das Mitglied des Nassauischen Landestheaters. Herr Al^ander Kipni», ergreifend das El Mole Rachamim-Gebet vor. Ein W>n Herrn Louis Friedenheim gesprochenes Kaddisch beschloß die würdig Feier. Der Donner Wemeivdedote. Tie Gemeinde hat beschlossen, die Erinnerung an ihre im Weltkrieg gefallenen Söhne auf doppelte Weise zu ehren. In der Synagoge soll eine Marmortafel angebracht werden, die die -kamen aller gefallenen Bonner Juden enthält. Auf dem Friedhof soll die Ehrcnreihc der dort begrabenen Soldaten eine gemeinsame Umfassung und einen gemeinsamen Grabstein erhalten. Tie Entwürfe sind bereits fertiggestellt, man hofft, daß zu den Feiertagen der Gedenkstein in der Synagoge angebracht ist. Tie gärtnerischen Anlagen auf dem Friedhof und die Fertigstellung des Grabsteins werden etwas länger dauern. * * Jüdischer Frauenverein. Samstag den 16. August wurden der ehemaligen Vorsitzenden Frau Johanna Par a d i c s das Ehrendiplom als Ehrenvorsitzende und Frau Jeanncttc Oberländer als Ehrenmitglied des Frauenvereins in ihrem Hause durch Frau Lion. Frau Stern und Frau Meyer überreicht. * * * i An den Vorstand der Gemeinde wurde von dem Frauenvcrein der Antrag gestellt, den Frauen das aktive ' und passive Wahlrecht innerhalb der Gemeinde zu geben. .1 / I