Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 11 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 der Monatsschrift der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, deren Mitherausgeber Braun ist, wmche ihm als Festnummergewidmet. Alt Zeichen der Beehrung stellte die UnterstiktzungMsie des Vereins israelitisctwr. Lehrer in Schlesien 'und fl&ien einen Donds iif HStze von annWrnd 6000 M. zur Herfügung?' - Berlin. Hier starb iin Alter vün 7V Jahre^derSeniör der liberalen Rabbinerscl-aft Deukschlands, Prüf. Dr. ui u ndMa >) bau m. Als Kanzelredner war er nicht nur bahnbrechend, sondern hat auch als Dozent für Midrasch und Hoiiiiletik an der Lehranstalt für die Wijstmschaft des Judentums eine ganze Generation,von Kanzelrednern herangebildet. Infolge seiner wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiete des Midrasch erhielt er den Professortitel. , Berlin. Am 24. August wird 6er Jüdische Turnvcreiu Bar-Kochba in Berlin.ein öffentliches Turn- und Spottfest vbranstalten. zu dem schon, eine Anzahl auswärtiger Vereine, z. B. aus Wien. Stettin. München u. a., ihre Beteiligung zugesagt haben. Berlin. Der Vorsitzende der zionistischen Weltorganisation, Professor l)r. Otto Marburg, feierte am 20. Juli seinen 60. Geburtstag. Vertreter der Judenheit aller fünf Erdteile übersandten ihre Glückwünsche. Das zionistische große Aktionskomitee hat zu Ehren des Führers die Kolonie Hulda in Palästina nach Professor Marburg benaiint. Berlin. Der Verband jüdischer Jugendvereine hat auf seiner letzten Tagung die Schaffung eines jüdischen Bild- »und Filniaintes angeregt. Köln. Zurzeit wird in Köln auf Veranlassung der englischen Besatzuugsbehörde eine Schrift vertrieben, betitelt '„Der Antisemitismus in Deutschland", gedruckt in London bei William Cloives and Sons. In Posen wurde eine Anzahl jüdischer Notabel» interniert. Das Zentralbureau der Agudas Israel in Zürich hatte die Landesorganisation der Aguda^yisroel in Polen zu Schritten veranlaßt. Reichsratsabgeordneter Rabbiner Holpern reiste sofort nach Posen, wandte sich an den obersten Volksrat daselbst und erhielt die Zusicherung, daß die Internierten baldigst freigelasien werden würden. Er bc- -suchte sie im Lager. Esthland. Mitau. Nach dem Abzüge des deutschen Militärs haben die neuen lettischen Besatzungstruppen in Fricdrichstadt einen der bestialischsten Progrome veranstaltet, der auch von den letzten polnischen Nachrichten kaum zu übcrbieten sein dürfte. Schändungen und Plünderungen sind vorgekoinmen. Sogar der lettische Volksrat soll eine Untersuchung eingeleitet haben. Reval. Ein Kongreß der jüdischen Gemeindeit Esthlands hat ^schlossen, mit den jüdischen Organisationen der anderen Länder in Verbindung zu treten, um in gemeinsamer Arbeit die Forderung der nationalen Autonomie für die Juden Esthlands durchzujetzcn. Mit der Ausführung dieses Beschlusses wurde der sogenannte „Jüdische Nationalrat" beauftragt. Ukraine. K i s ch i n e w. In Odcsia . haben die Truppen des Generals Grigorjeff eine erbitterte Verfolgung der Juden begonnen. Nach Flüchtlingsmeldungen wurde das Judenviertel cingeschlossen und ein Judengemetzel angerichtet, dem auch nicht ein einziger Jude entronnen sei. Sodann tvurde das Judenviertcl in Brand gesteckt. Selbst bei Annahme einer ordentlichen Übertreibung durch die rumänische Nachrichtenquelle zeigt sich das Furchtbare des Ereignisies schon darin, daß die, jüdische Bevölkerung der ganzen Ukraine für 14 Tage Trauer angeordnet hat, der sich die besiarabischen Juden freiwillig angeschlossen haben. Paris. In Proskurow sind 4000 Juden, in Filtschin fast die ganze jüdische Bevölkerung, in Shitomir 70 Inden, in Kamencz 100 Personen ermordet worden. Paris. Die Pogrome in der Ukraine haben ZM,tW-! sende von Menschenleben .gekostet. Im-GouveöWWW., Jekatcrtuoslaw find mehwpe ganz jüdische .KoKmieW. vernichtet Horden. --- Als SchausWtz vtM JtzdenMfol«MßtznZ i Plünderungen, Schändungen Md Mördelverven miHr als 80 Ortschaften aufgeführt. Ungarn. Wien. Mit dem Aufblühen des Nationalismus--,ur ^Ungarn nach dem Sturze der Räterepublik haben die unge-' hcmrlichsten Judenverfolgungen eingesetzt. Bisher war Ungarn ein Lqnd, in dem die Juden in bestem Verhältnis -zu den übrigen Landeskindern standen. Diesmal hat sich besonders die nationalistische Studentenschaft, die Bauern, an der Spitze das. gcgsnrevoliitionäre Szegediner Militär an den Progromen beteiligt. Ter öffentliche Protest. Haag. Aus Paris traf in London eine ukrainischjiidische Abordnung ein, um mit der englischen Regierung über Mittel zu beraten, die gegen die Pogrombewegung in der Ukraine zu ergreifen sind. Amsterdani. Am Sonntag, den 27. Juli, fanden hier Masicnkundgebuugen gegen diePogrome statt, an denen auch nichtjüdische Organisationen teilgenommen haben. Alle jüdischen Geschäfte ivaren gejchlosien. Vormittags wurden Trauergottcsdienste abgehalten. In einer Nachmittags- Versammlung U'urde von den sämtlichen Anwesenden, darunter Vertreter des holländischen Journalistenverbandes, der holländischen Abteilung der Jto und anderer Organisationen eine Resolution angenommen, die unter heftigstem Proteste gegen die Mißhandlungen und Unterdrückungen der Juden in Osteuropa im Friedensvertrag.: Garantie für die religiöse und politische Freiheit sowie die nationalen Rechte der Juden im Osten verlangt. An dem folgenden Umzuge durch Amsterdam, der von 200 Schutzleuten eröffnet wurde, nahmen ungefähr 40 000 Personen teil. Paris. Die Mitglieder der amerikanischen Friedenskonferenz. Professor Felix Frankfurter und Gans unternehmen eine Reise nach Polen, um nähere Feststellungen u(»cr die polnischen Pogrome zu machen. Paris Die „Alliance Jsraölite Universelle" wandte sich mit einer Rundfrage an alle französischen Ariueekonimandeure im Gebiete des früheren Rußland, um die Schuldigen an den Pogromen zu ermitteln. Kopenhagen. Tie Zionistische Organisation hatte unter der englischen Judenheit eine Aktion eingeleitet, um die Forderungen des jüdischen Volkes durch den Mund der englischen Juden der Friedenskonferenz vorzutragen. Als Ergebnis wurde der Konferenz nunmehr die abgeschlosienc Petition mit 77 039 Unterschriften überreicht. Noch niemals hat, nach dem Bericht der Jewish Chroniclc, eine Petition englischer Juden so zahlreiche Unterzeichner ge- .funden. * . * Syrien. London. DaS englisck)e Hilfswerk zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung in Syrien und Palästina ist abgeschlossen. Nach einer Times-Meldung berichtet der Sekretär des Hilfswerkes, Mr. Basier, Palästina habe sich bereits gut erholt, auch in Syrien seien bie, Lebensbedingungen trotz anhaltender Teuerung lvieder normal. Freilich sei für das Libanongebiet im Herbst und Winter ein gewisser Rückschlag zu besorgen. Jerusalem. Eine Anzahl Absolventen der Kunstgewerbeschule Bezalel hielt in Jerusalem eine Beratung über Standes- und Kunstfragen ab, wobei die Gründung einer „Vereinigung jüdischer Künstler" zur Schaffung und Entwicklung jüdischer Kunst beschlossen wurde. Zum Leiter dieser Bereinigung wurde der Lehrer des Bezalel Gur» Arjrh gewählt. t