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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-08 · 11 (8.8.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
11 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. Der „Bote" erschein» jebm Freitag r Ue-u-«tzr,t«: 60 Pf. monatlich: Ste-aktlonSschlub: Montag abend: Postscheckkonto lkbln Skr. 74747. - vom Rhein Anzrigenprri»: 86 Pf. die vier»: gesp.Petttzetlr - »l. »nirig. 60Pf.: aÜ : vetWiederhol.»ntspr.«ab. - «n. r jUviiiDcs vonman «woiiwMiwmwiMt für die RbeimTcben Lande, Bonner Gemeindeblatt für das Rheintal, Siegtal, Hbrtal ufw. herausgegeben von Rabbiner Dr. CttU eo|l, Bonn. Schriftleitung und Versand: Bonn, Tempelstraße s2. Kammer II Aonn, IS. August ISIS — 19 An» 5670 1. Jahrgang. Inhalt: Züchtigkeit der häuslichen Tons von Emil Lohn. — Wochenschau. — Jüdisch« Begmwartsfragen von Georg Landauer. — «brr Stellung und Grenzen des jüdischen ReltgtonsunterrichleS von Lmtl Lohn. — Bon Berg und Lai. — Der Bonner Gemeindebote. — Der Karfunkel von L. Sompert. — Morgrnlted. — Au» der Botemasche gefallen. — Bücherschau. — Prei«rätsel. — Der Berrinsbote usw. Wochraadschattt ap», Züchtigkeit -es häuslichen Tons. Bring' nicht» Abscheuliche» in dein t_ Hau». 5. Mose, 7, 26. Mose blickte über den Jordan und sah die Völker Kanaans, wie sie in wilder Brunst ihren Göttern dienten, lvähnend, ihres Gottes voll zu sein, wenn sie in zuchtloser Erotik die alten Ascheroth umrasten. Da faßte ihn. den Mcmn der Zucht und Größe, tiefer Ekel, und eine Angst befiel ihn, Israel., das Volk feiner Liebe, könnte der ansteckenden Raserei solchen Brauches auch verfallen, wenn er nicht mehr da sei. Denn er sollte nicht mit über den Jordan ziehen. In dieser Angst begann er, zum Volke von jenen Gräueln Kanaans zu redeh» und zu warnen: „Bring nichts Abscheuliches in dein Haus!" Wir ivenden die Worte auf die Züchtigkeit des häuslichen Tones an. Wir sind keine Naturkinder mehr wie die llrvölker Kanaans, aber, wenn auch der Zwang gesellschaftlicher Sitte uns fesielt und hält, der erotische Trieb ist da und machtvoll bohrt er mit seinem tollen Stachel an uns herum. Wer Zucht hat, hält ihn nieder, aber viele haben keine Zucht, und bei diesen vielen bricht er immer wieder, bald hier, bald da, in einem einzigen Wort, einem Ton, einer Gebärde, einem Augenzwinkern, einem Mundlvinkelzug entzügelt hervor, Lachen hervorrufend, gewolltes und ungewolltes, bei dem züchtigen Menschen aber die Hilflosigkeit einer ihrer selbst kaum bewußten Scham. Es liegt etwas Knechtisches in dieser Art, das Duckinäusertum eines Schulbuben, der hinter dem Lehrer her die Zunge herausstrcckt. Genau so ist es: Wer Zoten reißt, tut nichts, als dem Gewissen der Menschheit und dem eigenen Gewisseck in den Rücken zu schleichen und die Zunge zu bläken. Die dabei beliebte Heimlichkeit, das Getuschel und das Gewisper, die Gier der Aufhorschenden, das Gekicher der Verstehenden, all das beweist, daß der Knecht die Peitsche über sich fühlt. Von diesen Abscheulichkeiten halte dein Haus rein! Nichts ist ekelhafter, als des Menschen glücklichste und reinste Gabe, den Humor, mit seiner elendesten Schwäche, dem sinnlichen Trieb, zu verkuppeln. Und nichts «nrpörender, als andei-c oder gar eine ganze Gesellschaft von anderen zu Trauzeugen dieser widernatürlichen Paarung zu machen. Für den schamhaften Menschen, für den Menschen selbstver» stündlicher Zucht und Sitte ist es eine Vergewaltigung, bei so etivas Zeuge zu sein. Stiemals fühlt der Schamhafte sich schmachvoller erniedrigt als da, weil er da am ohnmächtigsten ist. sich zu wehren. Jeder Angriff auf unser Gut. unsere Überzeugung, unsere Ehre findet uns gewappnet, wehrlos sind wir allein gegen die Zote, weil sie immer überraschend, immer feig, immer aus dem Hinterhalt kommt.« und weil selbst der Brave da seine Verlegenheit meist nur hinter eurem Lachen zu verbergen weiß, jnt nicht als Prü» oigkcitsapostel zu geltem Halte dein Haus davon rein, dadurch allein kannst du l>e>vcijen, wie lieb dir deine Frau ifs und vor allem, wie wert. Wer duldet, daß an seinem Tische Zlveideutigkeiten geredet iverden mxr, während seine Frau den Teetisch deckt, sich ain Fenster von seinem Freunde die neueste Saftigkeit der Börse oder Konfektion ins Ohr flüstern läßt, der ist nicht nur schlecht erzogen, sondern der weiß auch nicht, was er seiner Frau, seiner Familie und nicht zuletzt sich selber schuldig ist. . __ Äber auch du, Hausfrau, halte dein Haustein, indem du auf Zucht und Sitte hälft. Jeder Mann hat mehr oder,, weniger die Witterung, wie tocit er bei einer Frau gehen darf. Wie meit er aber in einem Hause gehen darf, das merkt er der Frau ab. Jede Zweideutigkeit in deinem Hause fällt also auf dich zurück, tritt sie ein, so erschrick und frage dich: Wcks Hab' ich getan? Eine wahrhaft frauliche Frau hält tausend Männer im Zaum, an dieser königlichen und doch unbewußten Macht, des Hauses guten, reinen Ton zu wahren, erprobt sich ihre Fraulichkeit, ihre Feinheit und der Glanz ihrer beglückenden Liebe. Bring nichts Abscheuliches in dein Haus, denn du bist Jude! Man hat viel über chukkas haggauj, d. h. über unjüdi- Art geredet und hat sie für tausend Dinge zum Maßstab des Verwerfengemacht. Hier ist die wahre chukkas haggauj. Auf Zucht und Sitte aber beruht Israels heiliger Bund, und auf dev Schamhaftigkeit nach einem alten Worte die Ehrfurcht vor Menschen und Gott. E m i l C o h n. QQocbenrcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Deutschland. Breslau. Hier feierte der bekannt« Geschichtsforscher und Förderer der jüdischen Wissenschaft, Professor vr. Markus Brann, unter lebhaftester Anteilnahme der Öffentlichkeit seinen 70. Gebmtstag. Die letzte Nummer

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