Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 10 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 105 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Betsammkuüg Und erklärte mit eindn«Kvottei<'Worten die Notwendigkeit eines Much «mpfahl er di« Betsaches. Hierauf «rfchienene Sanitätsrat Dr. Mendel als Vorsteher der hie jtcjen Synagogen-Gemeinde in warmen Worten auf das Wohlwollen und rege Interesse hin, welches 'die hiesige -Synagogen-Gemeinde den Wünschen der hiesigen Ostjuden eutgegenbringt und auch weiterhin entgegenzubringen geneigt sein wird, denn „wir sind doch alle Brüder, ob Ost Lider West, Nord oder Süd", Selbstverständlich sollten sie ihr« Andachten und Gebete in alter hergebrachter Weise im Betsaale ungestört weiter verrichten und brauchten sich nicht' deshalb in abgemieteten unwürdigen Lokalen zu verstecken. '(Bekanntlich bestehen hier sogar drei solcher abgemieteten He betlokale.) Er ermahnte sie zum gemeinsamen Zusammengehen und warnte sie vor jeder unbegründeten Absplitterung, die doch ihre Interessen selbst schädigt. Herr Adolf Math dankte. der Synqgogen-Gemeinde und namenllich ihrem Vorsteher für di« gütige Zusage steten Wohlwollens. In schwungvollen Worten an die heldenhafte Verteidigung des Tempels und der Thora im Jahre 70 erinnernd ermahnte er zu gleichem Opfermut und.zur unbedingten Einigkeit. Nach erfolgter Besichtigung des fraglichen Betsaales seitens der Versammelten unter Führung des Herrn Sanitätsrats Dr. Mendel und nach weiteren Ansprachen des Herrn Adolf Koch- und des Hekrn M. Schapiro, der als Vorstand des rheinisch-westfälischen Verbandes der rDstjuden die Angliederung des neugebildeten ..Ostjüdischen Unterstützungsvereins" an den Gesamtverband empfahl, wurde in vorgerückter Stunde die Sitzung vertagt. Mülheim-Ruhr. Ein wunderschönes Sommerfest veranstaltete der hiesige jüdische Jugendwanderbund am Sonntag, den 27. Juli im Saale des Wirtes Möhlenbeck, Holthausen, das von ungefähr 200 Personen besucht war? Nach einem von Herrn Katz verfaßten Vorspruch ergriff der Vorsitzende Herr Alftcd Plachschinski das Wort zu einer schönen und eindrucksvollen Festrede, in der er auf die Bedeutung des Festes hinwies. Dann folgte ein abwechslungsreiches Programm, das musikalisch-deklamatorische, aber auch Tanz und turnerische Leistungen bot. Besonderen Beifall fanden die Volkstänze der Mädels von der Gruppe I unter Leitung von Frl. Hilde Mel>er, die „bösen Buben", unter derselben Leitung von derselben Gruppe dargeboten und schließlich die von Herrn Eugen Block prachtvoll gestellten Pyramiden der Tumgruppe, die «ine ausgezeichnete turnerische Leistuyg waren und das wohl gelungene Fest würdig beschlossen. Hoffentlich gelingt es dem Wanderbund, auch auf die jüdische Gesinnung seiner Mitglieder einen wohltätigen Einfluß auszuüben, in diesem Sinne rufen wir ihm ein herzliches Glückauf zu. J Mainz. Am Sonntag, den 10. August, veranstalten der Mainzer und Wiesbadener jüdische Jugendverein eine Wanderung von Layffelden über Kemel, Alte Wisper nach Langenschwalbach. Treffpunkt 6.10 Uhr Hauptbahnhof Mainz (4. Kl. Laufselden). Rote Ausweiskarten und .. Verpflegung sind mitzubringen. y Dörrmoschel (Pfalz). Unsere kleine Gemeinde hat im Krieg schwere Opfer bringen müsien: Von den vier zum Heeresdienst Eingezogenen sind drei den Heldentod gestorben. - y . Lüxheim. Anläßlich der Barmizwah-Feier bei Carl Kaufmann sind durch Frl. Zahnarzt Roer am 26. 7. 19 160 M. für die Pogromopfer gesammelt worden. Drr Könner Memeiudcbott. Tie Chewro Gemilus Chasodim hielt am Dienstag, den 29. Juli, eine außerordentliche Hauptversammlung ab, die eine lebhafte Aussprache über die hiesigen Gemeindeverhältnisse mit sich brachte. So kamen zunächst die am Ende des sabbathlichen Gottesdienstes seit alter Zeit i ' stattfindenden Lehrvorträge zur Sprache.'•'Ärt Bedauern' wurde festgestellt.daß gerade diese Einrichtung seitens der meisten Ehewromitglleder nicht, mit derjenigetr »behandelt würde, die sie verdient. 'Nur die wenig-" den bis zum Lehrvortrag irn Gotte-Haufe, öbgleich er nicht lang und dabei immer sehr belehrend und erbauend sei. Man war sich klar/ daß gerade hier ein. gutes Beispiel nacheifernd wirken und Wandel schaffen würde. — 'Der zweite Punkt der Tagesordnung war der Beerdigungsfrage> gewidnnt. Hier rügte man allgemein, daß die Chewro selbst versage. ES sei unwürdig, daß die Bahre auf dem Friedhof von bestellten Leuten getrogen würde, wobei eS sogar vorkomme, daß nichtjüdische Hände mithelfen mußten. LS müßten aus der Mitte der Chewro selbst dt«' Träger herautreten. keiner dürfte sich da zu gut und zu vornehm dümen, seinem jüdischen Bruder diese Liebestat nach dem Tode zu erweisen. Man beschloß, in diesem Sinne beim Gemeindevorstand vorstellig zu werden und die Mitglieder der Chewro» sokdeit sie das 60. Jahr nicht überschritten hätten, auf «ine List« zu setzen, aus der fortlaufend je sechs zu dem heiligen Amt der Kabbronive geladen werden sollten. Am Schluß der Versammlung würde der Wunsch laut, der seit längerem in allen Kreisen unserer Gemeinde lebendig ist, daß es uns bqld gelingen niöge, ein gemeinsames BereinshauS in Bonn zu begründen. , ■ ° \ Der Bote erzählt: — Der Karfunkel. Bon Leopold Sompert. <2. Fortsetzung.) Sie begannen aufs neue die Melodie. Das Kind des Vorbeters sang aber diesmal nicht mit. Beide Hände auf den Tisch gestützt, saß Ella da und hielt die schwarzen scharfen Augen auf Feiwelmann, den Baß. gerichtet. Keine seiner Belvegungen entging ihr, ihre Seel« schien untergetaucht zu sein in dem Strome des Gesanges. Feiwelmann fühlte im Singen, daß die Augen des Kindes auf ihm brannten; dazu hielt er diesmal die Wange von der drückenden Hand frei., Er sang aber schlechter als je — war es das Ausgeben einer fast zur Notwendigkeit gewordenen Gewöhn, heit, waren es die gefürchteten Kindesaugen? Er hielt plötzlich inne und stand auf. „Verzeih inir, David", sagte er schwach. „Ich kann heute nicht fort, es sitzt etwas in meiner Kehle, was mich ivürgt, daß ich schier glaube, die Stimine sei mir für alle Zeiten versagt! Verzeih mir." Feiwelmann war aufgestanden, er hatte die Klinke der Türe ergriffen und wollte ins Freie. In diesem Augenblicke taumelte er zurück; eine hohe Männergestalt drängte sich durch den schmalen Eingang und trat in die Laubhütte ein. „Ter^Graf, der Graf!" schrie Ella auf. Es war in der Tat der Mann aus dem Garten, er selbst. David Brod, der Vorbeter, war erschrocken aufgesprungen, schon hielt er das Käppchen in den zitternden Händen. „Lebendiger Gott", flüsterte er, „der Graf selbst!" „Was erschreckt ihr, Vorbeter?" sagte der Graf lächelnd, „ihr kennt mich doch und solltet wisien, daß ich euch und euren Leuten kein Feind bin? Tut mir den Gefasten und setzt euch wieder. Denkt euch, es sei einer gekommen, der noch keinen Begriff von so einer Laubhütte hat und sich so einen Bau auch einmal ansehen will."