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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-01 · 10 (1.8.1919) · p. Seite 104

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
10 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 104 (sequence 6)
Language
German
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erbreistet sich jette* Böfllein, da* stoh festr fällte, zum Tische der Grotzen zugelaffen zu sein, im* froh sein'sollte, durch die Unterstützung der übrigen Welt einer drückenden Fremdherrschaft entledigt zu fei#, seine junge Freiheit mit den blutigsten Judenschlächtereien in der öffentlichen Welt ein- . zuführen. Tausende jüdischer Familien find den schändlichsten Pogromen, die der polnische Pöbel je angerichtet hat, zum Opfer gefallen.'- Unsere Brüder stöhnen unter der Geitzetetnes grausamen Feindes und richten ihre Blicke nach Besten, wo ihre wohlhabenden, einflußreichen Angehörigen fitzen. — Und diese? Sie debattieren, reden und streiten sich, ob die jüdischen Interessen der Welt auch die ihrigen find. Hier muß Wandel geschaffen werden. Schon sind in Berlin. Hautburg und München Ausschreitungen gegen die deutschen Juden vorgekommen. Warten wir, bis uns andere helfen? Wo befindet sich der Freund der jüdischen Sache, der selbstlos, aus Liebe zum Guten f ü r u n s kämpft? Er ist nicht da! Er würde im besten Falle m i t u n s streiten. Aber in erster Linie hat die jüdischen Jntereffen der Jude wahrzunehmen. Helfen wir uns selbst! Wir dürfen nicht mehr jeder seinen Sondertveg gehen. Die Zeiten sind zu ernst geworden. Die Jntereffen jedes Juden find meine Interessen. Unsere jüdischen Jntereffen umfaffen das Judentum. Diese.s aber umfaßt alle Jude#. von Kerg und Tal. ' Neuenahr. Der ursprünglich für den 3. August geplante Ausflug des Rhcin-Ahrtaler Jugendvcreins findet nun kommenden Sonntag den 10, August statt. Abfahrt 9.13 Uhr ab Remagen, Fußmarsch Brohl-Bad Tönnisstein- Laacher See. Rückfahrt 8.28 Uhr ab Niedermendig? Der Vorstand bittet um zahlreiches Erscheinen. Krefeld. Schon lange vor der Berliner Anregung waren in unserer Gemeinde Bemühungen ity Gange, die Tätigkeit aller Wohlfahrtseinrichtungen zu gemeinsamer Wirkung zusammen zu-faffen. Nun ist auf diesem Wege ein inerterer Schritt erfolgt. Die beiden Frauenvereinc, von denen der ältere im nächsten Jahre auf ein hundertjähriges Bestehen hätte zurückblicken können, haben sich auch äußerlich vereinigt. Die bisherigen Vorsteherinnen, von denen einige wohl schon über ein Menschenalter im Dienste der Gemeindewohltätigkeit standen, sind zurückgetreten, um jüngeren Kräften Platz zur Betätigung zu geben. In den gestrigen-Vorstandswahlen sinh vier der bisherigen Vorsteherinnen — Frau David Bruckmann. Frau Julius ' Meper, Frau Moritz Dahl. Frau vr. Senger wiedergewählt worden. Hieran schließen sich drei neugewählte Damen an. Frau Matthias Herk, dir bisherige Leiterin des älteren Frauenvereins, wurde zur Ehrenvorsitzenden der Gcsamtvereinigung ernannt. — Nun verbinden sich in -der Leitung des neuen Frauenvereins bewährte Kräfte mit unverbrauchten jüngeren, über den bisherigen Kreis ihrer Aufgaben hinaus werden sie ihre Ziele stecken müffen, um neben der Wohltätigkeit auch gesellschaftlichen Anforderungen der Gegenwart gerecht zu Norden. Belgisches Land. Am 11. und 24. Juli fanden auf Einladung des Jüdischen Wohlfahrtsverbandes Elberfeld- Barmen Gemeindeversammlungen in beiden Städten statt. Durch den Tätigkeitsbericht der Sekretärin Frl. Konw i t t wurde allen Zuhörem Zweck und Ziele des Verbandes nochmals erläutert und \bte bisherige Wirksamkeit des feit November 1918 ins Leben gerufenen Vereins geschildert. In kurzer Zeit ist verhältnismäßig viel ersprießliche Arbeit geleistet worden, zumal sich sämtliche jüdischen Vereine dem Wohlfahrtsvcrbande angeschlossen haben. Über den sozialen Gedanken und seine Wandlungen im Judentum referierte in überaus fesselnder. Weise Herr Or. G r ü n e b e r g. Der Redner ging aus von den Ewigkeitswerten der schon im Pentateuch und den Propheten (besonders Elias und Amos) vorhandenen Sittengesetze, die dem sozialen Gedanken des jüdkschen Volkes im asten jüdischen Reich die erste Stekle. sogar noch über d«t Religiön^zesetzen. einräumwn. Während es aber damätt die vorbeug ende'soziale Tätigkeit war, die deyi Gesetzgeber vorstchbekte, wurdedurch das Zerstreutsein der Juden Unter-den Völkem die ivayre Z'dokoh (von Ge^ rechtigkeit hergeleitet) immer mehr seines ursprünglichen Gedankens beraubt und zum Almosen herabgeumrdigt, das den Empfänger beschämt und auch dem Geber nicht die rechte Herzensfreude gibt. In der gegenwärtigen Zeit beginnen allerorteu die Bestrebungen zu dem ursprünglichen vorbeugenden Prinzip zurückzukehren. Zu diesem Zwecke ist es nottvendig. eine völligeUmschichtung derBerufe vorzunrhmen. Bisher ist nur der Händler (Kaufmann) Und'der-Akademiker im jüdischen Volke vertretm. Jetzt heißt die Parole: M i t t ä t i g sein bei der Urproduktion und bei der Produktion, bei der Landwirtschaft und dem Handwerk. Unsere ^igend, und zwar bei unseren eigenen Kindern angefangen, muß erstarken in der freien frischen Luft, die nur in v o l l e n Zügen genießen kann, wer die heimatliche Scholle mit eigenen Kräften ertragsfähig inacht. Und tvenn auch noch unter den Arbeitern kräftige Juden gezählt Vierden, so wird beides eitte gute Waffe gegen den Antisemitismus sein und dem Juden selbst die innere Gleichberechtigung mit seinen Mitbürgern anderer Konfeffionett schaffen. Nur durch diese Umschichtung, so schwer sie uns auch vorläufig erscheinen möge, ist eine Gesundung, Kräftigung und Erhaltung der Judenheit möglich, nur durch diese werden die Ethik und Moral der jüdischen Lehre ihrem wahren Endzweck, der Hebung und Bildung der menschlichen Seele zu der erhabenen Idee der sittlichen Vollkommenheit, immer näher gebracht werden. — Lebhafter Beifall zollten die Zuhörer dem Redner, und es schloß sich eine rege Diskuflion den Ausführungen an. — ' Herr Sanitätsrat vr. O l l e n d o r f f fetzte die Genteiuben dann von einer im Winter dieses Jahres geplanten Jugendschrifrenausstellung in Kenntnis. Frau Samuel, die Vorsitzende des Wohlfahrtsverbandes, bat nunmehr, der Abteilung Berufsberatung ganz besondere Aufmcrksainkeit zu schenken und sich bei dieser bei der Berufswahl der Kinder Rat und Unterstützung zu holen, die jeder Zeit' gern gewährt iverde. Tann werde auch der Wohlfahrtsverband beider Städte den Gemeinden zur Ehre gereill)en. - * s Essen. Am Sonntag, den 27. Juli, fand hier im Sitzungssaale der Gemeinde die jährliche Tagung des Rheinisch-westfälischen Rabbinerverbandes statt, leider nicht so gut besucht wie früher, da das besetzte Gebiet bis auf zwei Rabbiner nicht vertreten war. Den Hauptteil der Tagung bildete die Besprechung über die Neuordnung der Dinge in Deutschland und die Einstellung des Rabbiners auf sic. Es kamen Resolutionen zur einstimmigen Annahme, die für die Gemeindeivahlen das gleiche, direkte, geheim« Wahlrecht aller In- und Ausländer in Verbindung mit dem Proporz verlangten; ferner das aktive und paffive -LLahlrecht für die Frauen; und schließlich für den Rabbiner eine ganz neue Stellung: Es wird gefordert, daß der Rabbiner künftig Mitglied des Gemeindevorstandes sei und daß in allen religiösen und rituellen Fragen künftig für einen gültigen Beschluß Übereinstimmung von Vorstand und Rabbinat erforderlich sein solle. AN die Erörterung dieser bedeutsamen Gemeinde- und Standesfragen schloffen sich interessante Referate an. Vorsitzender des Verbandes wurde in diesem Jahr Rabbiner vr. Cohn- Bonn. Wir behalten uns vor, mit eingehenderem Bericht auf die Tagung zurückzukommen. Effen. Bei einer zahlreich besuchten Versammlung der hiesigen Ostjuden am 29. bk. konstituierte sich ein .»ostjüdischer Unterstützungsverein". Zugleich wurden Ver- Handlungen geführt über die Übernahme eines ihnen seitens der hiesigen Synagogen-Gemeinde zur freien Benutzung für religiöse Zwecke angebotenen Betsaales in der prachtvollen Synagoge. Herr Oskar Epstein eröffnet« die

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