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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-08-01 · 10 (1.8.1919) · p. Seite 101

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
10 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 101 (sequence 3)
Language
German
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10* Dölkenmg in. Polen und Galizien während der Pogrome in den letzte? acht MouqZffl erlitten hat.,. UntertzaatSstkret« ^.Harrnswortü antwortete: Die bri» tische Regierung habe blshex noch teure osstjstllr Information über , die jüdjschen Äcrluste »pqhMd der lfnruhep erhalten; die^ Kompenfationshage sei daher noch nicht aufgeworfen worden. , .. . Lord Robert Cecil ftagte mn 21. Juli, ob irgendwelche Schuldige an den Ausschreitungen gegen die Juden in Polen, und Galizien vor Gericht gestellt und verurteilt worden leien.. ■ Unterstaatssekretar, Harmsworth antwortete: Der britische Gesandte in Warschau chahe berichtet, daß ein Spezialtribuiral in Rzeszow einen Polentvegen Ennordung eines Juden zum Tode verurteilt habe und daß das Urttilbereils vollstreckt sei. Sieben andere,Teilnehmer an Exzessen gegen Juden seien zu Gefängnisstrafen von sechs biS .fünfzehn Jahren verurteilt worden. Londo?. Das von dem Unterstaatssekrrtör Harmswotth im. etrglischen Unterhaus« kürzlich erwähnte "Telegramm, des Admirals Koltschak an Herrn Sasonow bezüglich der Juden in Rußland hat folgenden Wortlaut: V „Ich habe erfahren, daß die Mische Bevölkerung R?ßlmrds sehr besorgt wegen ihrer Zukunft ist. Ich, halse es daher für anaezeigt, meine Anschauungen, die ich schon häufig in der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht habe, noch einrnal darzulegen. Die Regiemng bemüht sich, allen Völkern Rußlands ohne Unterschied von Religion und Nationalität vollständige Gleichberechtigung vor dem Gesetz zu garantieren, was die persönliche Wohlfahrt aller Staatsangehörigen sichern wird. Ich habe mich in diesem Sinne wiederholt in meinen Unterredungen mit Abgeordneten jüdischer Gemeinden, die sich mir vorstellten und mich ihrer Loyalität und ihres PatriotisnruS versicherten, geäußert. Die Versicherungen umren häufig von'' boträchtlichen finanziellen Beiträgen für die Bedürfniste unserer Armee begleitet. Kein Rastenkampf, der die friedliche Entwicklung des Lebens irgendeines Teiles.der.Bevölkerung unterbrechen würde, kann daher geduldet werden." < , Paris. Eine Anzahl von Deputierten der französischen Kammer richtete einen Brief an den Minister des Äußern, Pichon, worin sie ihn von der unglücklichen Lage der jüdischen Bevöskerung in Polen und Rumänien in Kenntnis v setzen und ihn auffordern, der Friedenskonferenz die wohlv wollenden Gefühle zur Kenntnis zu bringen, die Frankreich gegenüber den Juden und anderen religiösen Minoritäten hegt. In seiner Antivort auf dieses Schreiben erklärt Pichon, daß die französische Regierung alle Anstrengungen gemacht habe, um eine sorgfältige Prüfung der jüdischen Frage zu erleichtern und um sicherzustellen, daß den Juden in den neuen und bcn jetzt vergrößerten Staaten vollständige Gleichberechtigung gewährt wird. Qualifizierte Vertreter der polnischen und nunänischen Regierung hätten erklärt, daß diese bereit seien, den Juden vollständige Freiheit und Gleichberechtigung zu gewähren. Tie notwendigen Garantien seien in der Form eines Traktats formuliert worden, und die polnische Regierung habe diesen Vertrag unterzeichnet, nachdem sie verschiedene Einlvände verfasiungsmäßiger Natur formuliert habe. Paris. Das Komitee der jüdischen Delegationen wählte für den nach Amerika zurückgereisten Louis Marshall Nahum Sokolow^um Vorsitzenden. Warschau. Die von' Wilson eingesetzte, aus zwölf Personen unter der Führung Morgentaus bestehende „Kommission zur Untersuchung der Judenfrage in Polen"'ist hier eingetroffen. Ihr Aufenthalt in Polen dürfte mehrere Monate dauern. Infolge der Frage der Agrarreform ist eine Umgruppierung in den Parteien des Landtags eingetreten, die die Sprengung des antisemitischen Mehrheitsblocks zur Folge, hatte und bei den Abstimmungen unter Umständen die kleine jüdische Fraktion zum Zünglein an der Wage macht. An der Frage der sozial gerechten Einteilung des Grundbcsitzes haben die Juden schon deshalb ein besonderes Interesse, da sie auS Gründen ihrer Erhaltung sehen müssen. einen Teil ihres Bestandes der Landwirtschaft zuzuführrn. Bukarest. In der. Bukowina wnLen die Juden von den rmnani chen OSupationsbehörden gezwungen, Kriegsdienste zu leMn. obakeichste im Kampfe zwischen Ukrainern und Rumänen ihre Neutralität proklamiert haben. Die in der Bukowina ausgehobenen jüdischen Soldaten werden in den Kampferr verwalcht, hie von den rumänischen und polnischen Truppen in Listgalizien gißen di« Unniner geführt , werden, . Jeder Protest gegen dieses völkerrzchtSwionge - Vorgehen der rumänischen Behörden wird auf Grund bei j Kriegesrechtes unterdrückt., TcheMn. Die,jüdisch^ Bevölkerung in Hamadan bei findet sich in einer gefämlichen Lage. In Urumia wurde j ein Jude in. schrecklicher Weist ermordet. Sofortige Schritte! zur Rettung jüdischer Leben sind notwendig. Die Zionisti-! sche Organisation hat.sofort die nötigen Schritte eingeleitet.! Irkutsk. f)00(r Kriegsgefangene,Juden in Sibirien, | hauptsächlich österreichisch-ungarischer Stagtszugehörigkeit. j erlassen einen Hilferuf an die Heimat, der ihre Lebensbedini gungen üss schrecklich schildert. Sie haben vor allem unter! antisemilischesi' Hetzen in ihren Lagern sthr zu leiden und ' sind dabei seit 19X7 ohne Nachrichten von Haust. Sie veri langen schleunigen Abtransport, zumal die ehemalig österreichischen Nationalitäten iy jenen Lagern mobilisieren und! nicht nüx ihre Volksgenosien, sondern auch die Juden zur Einreihung zwingen. ' lieber Sltllvng und ©rtnjcn des Mschen JUltjjton»* aatcrrirfitr«. | Bon Emil Coh n'). s" " "Jede Erziehung muß.teleologisch sein, d. h. sie mutz einen Zweck, ein haben. Dieser Zweck kann nichts anderes als der Mensch selbst sein, und zwar, da allen Ein- Wendungen philosophischer Pflichtsanatiker zum Trotz jede 1 wohlbcratene Erziehung sich auf den Standpunkt eines sitt-! lichen Eudämonismus stellen wird, der gute tüchtige und' glückliche Mensch. Jeden Menschen so zu erziehen, daß er ein nützliches Mitglied der Gesellschaft wirb, in der er lebt, - und gleichzeitig, indem er das Glück dieser Gesellschaft mit erbauen hilft, sein persönliches Glück finde, das ist die Aufgabe der Erziehung. So haben auch die meisten Erziehungsidcale immer; diesen sittlich eudäiffonistischen Einschlag gehabt, und zwar 1 hat man sich allmählich zu der Überzeugung durchgerungen, . daß nicht nur das spätere Glück des Mannes oder der Frau,! sondern auch das jetzige Glück des Kindes als Kind in die i Aufgaben der Erziehung einzubegreifen sind. Obgleich Erziehung letzten Endes immer auf die Zukunft, den „Nachwuchs," geht, darf sie doch nie die Gegenwart außer acht lasten. Daß das Kind jetzt glücklich sei, ist auch ein Erziehungszwcck. > Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse bringen es nun mit sich, daß die Erziehungsarbeit zur Hauptsache nicht vom Haust, sondern von der öffentlichen Schule geleistet wird. Die Schule geht dabei nach einem bestimmten Erzsthungsplan. Sie sorgt für die leibliche und geistige Ausbildung des Kindes, läßt sich aber auch die Pflege des Gefühls und des Willens angelegen sein. Sie vermittelt diese Erziehung — wie es nicht anders möglich ist — in einzelnen, den Altersstufen entsprechenden Klasten und innerhalb dieser Klasten in einzelnen Fächern. Eines von diesen Fächern ist das Fach: ),Religion", das der religiösen Belehrung zu dienen hat, also wohl mehr zur Ausbildung des Gefühls als des Intellektes zu stellen ist. In den preußischen Lehrplänen heißt es nun: „Dex evangelische Religionsunterricht an höheren Schulen verfolgt , unterstützt von de.ren Gesamt- -t> Dieser Aufsatz, der hier zum ersten Male' veröffentlicht wird, wurde bereitvor mehr als vier Jahren geschrieben. Di« Neuordnung der Dinge hat einige äußere Voraussetzungen überholt, den Kern der Dinge aber nicht berührt. Wir scheuten unS deshalb, Änderungen vorzunehmen. &

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