Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 10 (1.8.1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3947615-6435923-6437031--0110-3947714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 100 — rNVvsAvsvsrirMi >CU-(-ÜüC (Hocbenfcbau, Tatsachen und Ergebnisse. SSSSNSNS ASSlSSLSSSLSS^MSWSSSS Berlin. In der Sitzung der deutschem Nationalversammlung vom 26. Juli brachte Haase die antisemitische Hetzpropaganda zur Sprache. Reichswehrrytnister Noske erwiderte folgendes: „Die antisemitische Hetze sehe ich als sehr gefährlich, an, weil es bei der Erregbarkeit vieler Menschen leicht zu Ausschreitungen kommen kann. Deutschlands Ansehen in der Welt würde weiter beeinträchtigt werden, wenn wir zu allem Unheil auch noch Pogrome erleben würden. Der antisemitischen Hetze in Berlin nachzugehen ist nicht leicht, weil die Polizei nicht so funktioniert, wie es wünschenswert wäre. Ter Ursprung mancher antisemitischen Hetzblätter ist ebenso schiver festzustellen wie der von spartakistischcn Blättern. Wo sich eine Handhabe bietet, wird zugepackt werden. Jede antisemitische Treiberei in der Truppe verurteile ich auf das entschiedenste und bin immer dagegen eingeschritten. Erst in den letzten Tagen habe ich schleunigst einen Mann wegen antisemitiscl-cr Hetze entfemt. Alle Truppenführer sind angewiesen, der antisenntischen Propaganda und Pogromhetze entgcgenzuwirken." Berlin. Bereits für die nächsten Monate tvird die Eröffnung eines HebräischenSeminarszu Berlin beabsichtigt. Sein Zweck soll sein, hebräische Sprachlchrer für Deutschland und Palästina heranzubilden, sowie Philologen, Juristen. Arztes Kaufleutc usw., die ihren Beruf in Palästina hebräisch ausüben wollen. Gelegenheit zu gründlicher Vorbereitung zu geben. Der Unterricht wird täglich 2—3 Stunden in Anspruch nehmen und mehrstündige hä'uslick-e Arbeit erfordern. Die Ausbildung wird etwa l'/a Jahre dauern und von theoretisch-wisienschaftlichen wie praktischen Gesichtspunkten geleitet werden. Das Schulgeld beträgt 50 M. den Monat. Vorausgesetzt wird die Fähigkeit, einen leichten Bibeltert ohne Vorbereitung übersetzen zu können, sowie Kenntnisie der Grundzütze der hebräischen Grammatik. Weimar. In den Verhandlungen zwischen den Parteien. die bisher die -Träger der auf die Schule bezüglichen Teile der Berfasiung waren, und den Demokraten, dir mit hinzugezogen werden.sollten, ist nunmehr ein Kompromiß zustande gekommen, das als Antrag der drei Parteien zur dritten Lesung der Berfasiung gestellt werben wird. Nach licheS und innige- Tun. wie-«» nur ein zarte«, de« Mit-! schmerzes fähiges Herz zustande bringt. ' j Wie wundervoll begnadet bist du. Mensch, wenn dir! diese Macht des Gemütes, die Macht zu trösten, mitges geben ward, die schließlich auch eina-Macht des Wortes, der j Sprache, der klingenden Stimme ist! Nicht die geschwungenen. Lippen der Dichftt Und Redner, sondern die > Lippen des Trösters find die gereimtesten von allen. Er allein ist der wahrhaft Gottbegnadete, denn er ist begnadet mit der Menschenliebe. Wie wundervoll aber auch bist du begnadet, Israel, daß du den Propheten des Trosses und der Verheißung hattest, den Mcnachem amau, der Jerusalem immer und immer wieder „zu Herzen redet". Hundertfach begnadet, weil dir dein Gesetz das Trösten zm höchsten Mizwoh. der Mizwvh des Mencul-em owcl erhob. Daheißt nicht, ins Trauerhaüs laufen und drei Minuten in der vollgesteckten Stube sitzen, sondern helfen: Mit Rat, mit Tat und mit dem sanften Worte von Herz zu Herzen, das dem Trauernden dient, weil es dem Leben dient, und indem eS dem Äben und der Liebe dient, das schönste Opfer ist. das ein guter Mensch vor dem Richterthrone seines Gotte« nieder- «gen kann. Emil Cohn. diesem Antrag soll der Absatz 2 des Artikels 143 werden. Der erste Absatz behält seine bisherige Fassung Nach ihm baut sich das mittlere und höhe« Schulwesen auf einer für alle gemeinsamen Grundschule auf. Für diesen Aufbau ist die Mannigfaltigkeit der Lcbensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule find seine Anlagen und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung «bcr das religiöse Bekenntnis seiner- Eltem maßgebend. Dir beantragte neue Fassung des Absatzes 2 fährt hier fort: „Innerhalb der Gemeinden find indes auf Antrag von Erziehungsberechtigten Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung cinzurichren, soweit hierdurch ein geordneter Schulbetrieb auch im Sinne des Absatzes 1 nicht beeinträchtigt wird. Der Wille der Erziehungsberechtigten ist möglichst zu berücksichtigen. Das Nähe« bestimmt die Landesgesetzgebung nach den Grundsätzen eines Reichsgesetzes." Ferner wird in die Übergangsbestiminungen der Verfassung folgender Zusatz cingefügt: „Bis zum Erlaß des in Artikel 143. Absatz 2, vorgesehenen Reichsgesetzes bleibt es bei der bestehenden Rechtslage. Das Reichsgesetz hat Gebiete des Reiches, in denen eine nach Bekenntnissen nicht getrennte Schule gesetzlich besteht, besonders zu berücksichtigen." Wien, An» 20. Tammus, de»n Todestage Theodor Herzl's. fanden in Tausenden von zionistischen Ortsgruppen in allen Ländern Herzl-Gedenkfeicrn statt. Die Wiener Zionisten veranstalteten wie alljährlich einen Gang zum Grabe Herzl's, an dem diesmal auch Tausende von jüdischen Flüchtlingen, die noch in Wien weilen, teil nahmen. Im ganzen befanden sich 20 000 Personen in dem Trauerzuge. London. Der berühmte englische Schriftsteller Nrael Zangwill hielt ini^sigen Pavillontheater eine Rede, in der er m. a. sagte: „Wir Juden, de«n nationaler Gruß „Scholaum" (Frieden!) ist. können nur unser Haupt verhüllen, wenn wir sehen, daß die größten Vertreter der Christenheit 'die einzige Gelegenheit vorübcrgehen ließen, um in der Welt ScholäuM zu machen. Nachdem der Friede von dem erschöpften Feiirde angebotcn »var, haben sie die Politik des „Knock-out-blow" fortgesetzt, und der Hunger, die Pest, das Gemetzel und die Anarchie nehmen ihren Fortgang und Dimensionen an, die in den dunkelsten Zeiten der Menschheitsgeschichte unbekannt waren. War es wirklich nötig, im fünften Iah« des Krieges und nach geschlosienem Waffenstillstand die Blockade gegen Deutschland fortzusetzen und Millionen von Männer»». Frauen und Kindern, von Freunden rvie Feinden, zuin Hungertode zu verurteilen? War cS wirklich notwendig, daß die unglücklichen Armenier bis zum Kannibalismus getrieben lmtrbcn, nein, zu schlimmeren Handlungen, da sie, wie der Timcs-Korrespoirdesit vor zehn Tagen »»»eldete, Leichen »vieder ausgegraben haben, um aus ihnen sich Fleischstücke z»»r Nahrung herauszuschneiden? ... Aber schließlich hofften wir doch noch, daß nach sechs sch«cklich^langsamen Monaten endlich der Friedensvertrag fertig getvorden sei; schließlich beruhigten wir uns doch noch mit den« Gedankendaß dieser Friede der wirkliche, von Präsident Wilson versprochene Friede der vierzehn Punkte — »ninus des «in«»», den die Alliierten ablehnten -rsein würde. Aber nein: die »virklich der Welt verkündeten Friedensparagraphei» sind nur die Drachenzähnc, die in Europa die Saat für künftige Kriege ausstreuen lverdcn. Und wir nrüsien jetzt gestehen, daß selbst ein so großer Mann wie -Präsident Wilson seine Feinde nur in eine Friedensfalle (peace-trap) gelockt und seine eigenen vierzehn Punkte als einen „Fetzen Papitt" behandelt hat. Wahrlich: es ist Zeft, daß das Volk Jesaias aufstehe und seine mahnenden Worte über die Erde erschallen lasse: vielleicht ist unse« Raffe durch die Jahrtausende nur aufgespart worden für diese heilige Sendung!" London. Am 18. Juli fragte der Abgeordnete Sir' John Randlcs im englischen Unterhaus«, wit es mit der Frage des Schadenersatzes seitens der polnischen Regierung für die Millionenverlrffte bestellt sei, die die jüdische Ber