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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-25 · 9 (25.7.1919) · p. Seite 88

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
9 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 88 (sequence 2)
Language
German
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So was versteht der Jude. Dean wie immer die Zeiten waren, immer war der Schmerz sein älterer Bruder. Niemals brauchte er sich künstlich die Trümmer Jerusalems vors Auge zu zaubern, so lang die Zerstreuung währt, so lang fitzt der Jude auf Jerusalems Trümmern. Heute, am Ende des Krieges, sitzt die ganze Welt da, wo Israel immer gesessen hat. Aber kein Jesaja. Sohn Amoz'. ist da. der den Völkern, den siegreichen wie den bestegten, zuriefe: Eure HLrde find voll Blut! So möge der Jude denn ein Jude sein^ d. h. ein Sohn der Propheten, und möge leben, wie sie gelebt, d. h. in der vollen Leidenschaft des Rechtes. In einer Zeit, die alle Maßstäbe zerbogen und zerbrochen hat. leihe er dem Rechte seine Stinune, daß des Rechtes Stimme wieder zur Donnerstimme der Propheten schwelle, der entzügelten Menschheit zu Zaum und Zucht: „Zion wird durch Recht erlöst und seine Reuigen durch Gerechtigkeit!" \ EmilCohn. SSSOHSnSSB aas SSN»»«S 888S« (öocbenfcbau. Tatsachen und Ergebnisse. Ä »»SSSS»S»S«S»»»»BSSSSS^»Z>ZWSW«» N Weimar. Die Abstimmung in zweiter Lesung üb?r diejenigen Artikel der Reichsverfassung, welche die religiösen Grundrechte betreffen, ergab in der Deutschen Nationalversammlung folgendes: Im Artikel 132 ist nur die Glaubens- und Gewissensfreiheit festgestellt, die Gedankenftciheit aber Herausgelasien. Ter Antrag der Unabhängigen auf vollständige Trennung von Staat und Kirche mdte gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die Mage der Religionsgesellschaften wurde dahin entschieden, daß die Religionsgesellschaften Körperschaften des öffentlichen Rechts bleiben, so weit sie solche bisher waren, und daß anderen Religionsgesellschaften gleiche Rechte zu gewähren find, wenn sie durch die Zeit ihres Entstehens und die Zähl ihrer Mitglieder die Gewähr der Dauer bieten. Ein Antrag Heinze-Kahl, daß auch Verbände öffentlich-rechtlicher Religionsgesellschaften öffentlich-rechtliche Körperschaften sein sollen, wurde abgclehnt. Der Antrag der Sozialdemokraten, daß die' Rechte der Mitglieder ,von Religionsgemeinschaften nicht von geldwcrten Leistungen abhängig gemacht werden dürfen, wurde abgelehnt. Ebenso der Antrag Heinze- Kahl. wonach auch die auf Herkommen beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften durch die Landcsgesetzgebung abzulösen sind. Dagegen wurde mit geringer Mehrheit der Antrag der Teutschnationalen angenommen, daß bis zum- Erlaß eines Reichsgesetzes die bisherigen Staatsleistungen bestehen bleiben. Im übrigen wurden die einzelnen Bestimmungen dieses Abschnittes unter Ablehnung aller anderen Anträge gemäß den Ausschukbeicblüsicn angenommen. . \ Berlin. Auf dem während der letzten Tage'in Berlin abgehaltenen Parteitage der Demokratischen Partei führte der Referent Senator Dr. Petersen-Hamburg unter anderem aus: „Der zweite verhängnisvolle Fehler des vorrevolutionären Reginrents war, daß die Sozialdemokraten als Verbrecher stigmatisiert wurden. Mit solcher Tätigkeit fangen die Konservativen wieder an. Sie bezeichnen ganze Klassen der Bevölkerung als minderwertig, insbesondere unsere Mitbürger jüdischen Glaubens. Daß sich unter den Unabhängigen und Kommunisten auch Leute« befinden, die zufällig Juden sind, bedauern di« Juden am meisten. Wir protestieren aber gegen diele Setze gegen unsere jüdisch-« Mitbürget. Man darf nicht vergessen, wie schnell und kurz heute der Weg von dem verhetzenden Wort zur Tat ist und was die Konservativen und Antisemiten im deutschen Volk noch anrichten können, wenn sie weiter nach solchen Rezepten arbeiten. Wir müssen diese Politik an den Pranger stellen; wir müssen den Hetzern zuruftn: Ihr habt mit dieser Politik schon einmal unser Volt an den Rand des M6* gründe« gebracht. Hütet euch, daß daS noch einmal, ge-, fchieht!" Perlin. Am Mittwoch den 9. Juli fanden rm Stadion in, Grunewald die Meisterschaften der Berliner Hochschule« statt, an denen sich auch der „Sportverein Jüdischer Studeuten" beteiligte. Im 400 Meter-Lauf um die Hochschul. Meisterschaft gelang es den Mitgliedern Bock und Simon, sich für den Endlauf zu plazieren. Ernst Simon konnte im Endlauf den dritten Platz belegen. Ein besonderer Erfola war die Schwedenstafette, in der es der Mannschaft Bock, Friedländer, Heilborn, Simon gelang, hinter der Charlottenburger Turngemeinde Zweiter zu werden und somit alle anderen-großen Beretne. wie z. B. Berliner Sportklub, zu schlagen. Lemberg. Die polnischen Militärbehörden, die in Ost-, galizien die jüdisch-nattonale Bewegung aufs grausamste verfolgen, haben bisher 250 Mitglieder der jüdischen Nationalräte verhaftet. Ein großer Teil von ihnen hat auf dem Wege zum Internierungslager Lemberg und Przemysl be- -reits passiert. Der Ort der Internierung ist noch nicht bekannt. Lemberg. Von den 17 000 jüdischen Familien Lembergs sind 12 000 auf die Unterstützung des jüdischen Rettungskomitees angewiesen. In der Provinz herrschen furchtbare Hungrrepidemien. Wien. Die polnische Regierung hat in ihrer Unterdrückung jüdisch-nationaler Bestrebungen in, Ostgalizien etwa 250 Mitglieder der jüdischen Nationalräte verhaften lassen. * Budapest. Emil Horty, der Leiter der Kommi sion zur Entlastung der Hauptstadt, äußerte sich folgendermaßen: „Die erste und wichtigste Aufgabe bildet die Ausweisung ° der Galizianer. Jeder Galizianer, der nicht glaubhaft machen kann, daß er sich bereits vor dem 1. November vorigen Jahres' mit produktiver Arbeit beschäftigt hat,' wird ausgewiesen. Mit den Tschechen und den Polen werden bereits Verhandlungen wegen der Beförderung der AuSgewiesenen eingeleitet." Bukarest. Seit mehreren Monaten werden zwischen Rumänien und der Entente Verhandlungen bezüglich einer Anleihe geführt, jedoch ohne Erfolg. Me Ursache dieses Mißerfolges ist in dem rechtlosen Zustand der Juden Rirmäniens'zu erblicken. Ein bedeutendes französisch-amerikanisches Finanz-Syndikat machte Andeutungen, daß, solange di« Lage der Juden in Rumänien nicht radikal geändert wird, Rumänien keine Aussicht habe, eine Anleihe zu erhalten. Bukarest. Es steht nunmehr fest, daß nach den neuen Bestimmungen die __ Einbürgerung erleichtert ist. Diesen Erfolg im Kampf für die jüdische Gleichberechtigung hätten die Juden in der Hauptsache der rumänisch-sozialisttschen Partei zu verdanken, welcl^e sich am stärksten für die jüdischen Forderungen eiusctzte. Besser aber noch als in Rumänien ' ' ' “ ten Bessarabien. Dort kann jeder Jude ohne Schwierige keiten die nimänische Staatsbürgerschaft erwerben,-dagegen twirc. bic ökonomische Lage überaus schwierig. Es setzten schon jetzt die Vorbereitungen zu einer ungeheuren Massen-- . auswanderung nach Palästtna ein. Viele haben bereits ihre (Geschäfte und Besitzungen verkauft, um bei der ersten Gelegenheit auszuwandern. Man rechnet stark mit dem rumämsch-judischen Element bei dem Aufbau Palästinas. Paris, Die jüdische Delegatton in Paris intervenierte bei den kompetenten Faktoren in Sachen der verhafteten und internierten Mitglieder der jüdischen Nationalmtr in tt verlangte 1 t - L r. und versprach Schri zu deven baldlgewBefreiung zu unternehmen. P<ms. Der Präsident der Friedenskonferenz Clemenrichtete <m dem polnischen Ministerpräßdenten Pade- Eki einen den Mlnontätrnvertvag begleitenden Briefandwrm folaewde Stelle enthält: „Die(von den Alliierten erhaltenen Nachrichten über me Entwicklung der tte

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