Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 9 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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...: 1 SDtr »Bote* erscheint jeden Freitag; : MegugipreiS: 60 Ps. monatlich : : Nedaktion-schlutz: Montag abend j : Postscheckkonto Köln Rr. 74747. * 5 yom \ Mischer OolisMatt An-eigenprei»: 86 Pf. die vierj gejp. Petitzeile W. Kn|etg. 60Bf- [ Bei Wiederhol, entspr. Bad. - An-1 jeigenannahme 616 Montag mittag { für die Rbeimlcben Lande, Bonner Gemeindeblatt für das Rbeintal, Liegtal, Hbrtal ufw» herausgegeben von Rabbiner Or. Ltzh>, Bonn. , Schriftleitung und Versand: Bonn, Tempelstraße \2. Uvmmer y Konn, 1. August ISIS — 5 Aw 5678 1. Jahrgang. Inhalt: Schmerz und Schuld von Emil Lohn. — Wochenschau. — Die »Aufgeklärten* von De. Theodor Zlocifti. — Der Tempelbrand von Fladiu» Joseph«». — Bon Berg und Tal. — Der Karfunkel von L. Kompert. — Aber die Steme? von G. Frug. Wer den Voten doppelt erhält, aber nur für ein Exemplar bezahlen will, melde dies sofort, -damit spätere Jrrtümer und Ungelegenheiten vermieden werden. * Jüdischer Kote vom Rhein. Bonn, Tempelstraße 12. s„ - ___;_’ WaltzeaabschlliN nai (pin na«). Schmerz und Schuld. Hör! da» Wort des Ewigen, ihr SodomSsürsten, vernimm die Lehre unseres Gottes, du Gomorrhavolk! WaS soll mir denn die Menge eurer Opfer? spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fette» vom Mastvieh; daS Blut der Stiere, der Lämmer und der Böcke begehre ich nicht. Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesichte zu erscheinen, — wer verlangt daS von euch, daß >hr die Pflastertreter meiner Borhöfe seid? Bringt mir keine nichtigen Gaben mehr! Ein Greuel ist mir dies Räucherwerk! Neumond, Sabbath und Festversammlung —, sündliches Leben mit festlicher Feier mag ich nicht! Eure Neumonde und Feste hatzi meine Seele, sie sind mir zur Last, ich bin endlich müde, sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände auSbreitet, so wende ich meine Augen von euch ab; so viel ihr auch betet. — ich -hör^^s nicht: Cure Hände sind voll Blut! - Wasche», reinigt euch, schafft eure bösen Taten vor meinen Augen weg, hört auf zu freveln! Lernt GuteS tun! Trachtet nach Gerechtigkeit! Nehmt euch-deS Unterdrückten an! Schafft der Waise Recht! Führt die Sache - »er Witwe! "" Jesaja 1, 10—17. Unerhörte Sprache! Wie ein Felsblock von zyklopischen Armen in die Ebene geschleudert, liegt di«ses Wort da, riesengroß im flachen Felde der Jahrtausende, und »vir »vinzigen Menschlein klettern an ihm herum und beklopfen es mit den Bergstöcken unserer blaßgewordenen Geistigkeit. Unerhörter aber noch als dir Sprache ist der fast tolle Maßstab, mit dem hier einem ganzen Balte das Recht gemessen wirdr „Und wenn ihr mq so viel betet, ich hö? es nicht: -r- Eure Hände find voll Blut!'--—--~ Hei, wie müssen da die behäbigen Bürger im Trmpelvorhof von Jerusalem auseinander gefahren sein! Wie münrn dir hatten Pfaffen, dir da dir hohe Kunst des lüpftrms. Hebens, Gießens, Spendens mit" allem Brnn- VMiuM dqN Bülte öonnuchtrn, wir müssen He erbkatzkund f»»j r* - ' . - ■ { zurückgewichen sein! Und jeder sah seine Hände au! Und j jeder strich sich über-seine Hände! „Blut, sagt er? Blut?" ' Ja. Blut! Denn ums Recht gehts dem Propheten, | nicht um den Buchstaben des Gesetzes. Das Maß des Gesetzes ist ein starres Maß, maßlos ist allemal die Stimme > des Rechts. Dieses Recht ist dem Propheten eine Leidenj schaft, in dieser Leidenschaft wird ihm der Unterdrücker zum Totschläger und Gewalt zum Mord.- Wer seinem Nächsten das Blut auch nur in die Wangen treibt, vergießt sein Blut. Und Blut vergießt, wer die Witwe drückt, die Waise plagt, den Schlvachen um sein Recht, den Annen um seine Hilfe bringt. „Waschet euch! Reiniget euch!" — -Es ist wunderbar und bezeichnend, daß der Sabbath vor dem 9 Aw uns diese Worte predigt: In Trauertagen ein Wott des Zorns. So »vas gibt es bei keinem andern Volke als bei uns. Aber wir sollen auch fühlen. daß das jüdisch istiJmmerdar »var in Israel derSchmer- , zensruf ein Ruf zur Buße, das „Wehe mir!" ein „Wehe dir!" Und nur weil es so war, kam Israel über all seine Schmerzen'hinweg. Es ist das unsterbliche Verdienst unserer Propheten, daß sie den Zusammenbruch ihres Volkes unter ihren Zorn ebenso gestellt haben wie unter ihre Liebe. Ein altes jüdisches Wort sagt: Nirgends ist die Furcht so in der Liebe und die Liebe jo in der Furcht, wie bei der Gottesfurcht. Ergänzend darf inan sagen: Nirgends und nimmerdar war der Zom so in der Liebe und die Liebe so iin Zorn, wie bei den Propheten Israels. So wurden sie das Gewisien ihres.Volkes, so schufen sie überhaupt erst ein nationales Gewisietz, dqs empfindlicher reagierte, als irgend ein Einzelgewisien reagieren konnte. Und indem sie Israel in die Mine der Wett stellten und Völker und Reiche. Erde und Himmel zu Zeugen riefen, wurden sie zum Gewissen der ganzen Menschheit. Niemals lyieder ist so mit Hammer» schlügen an das menschliche Gewissen geschlagen^worden, als wie rS' von Jekaja und Jerenna geschah: Kein Schmerz ohne Schuld! Eure Hände sind vo« Mut!