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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-25 · 8 (25.7.1919) · p. Seite 81

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
8 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 81 (sequence 7)
Language
German
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enjfetub. med. Bonem über „Antisemitismus", vr. eller über „Nationaljüdifche Gegenwartsprobleme". Saarbrücken. Der hiesige Synagogenchorvevein hat für den 19. Juli ein Sommerfest größeren Stiles vorbereitet. In religiös empfindenden Kreisen erregt die Festsetzung des Termins, gerade während der Trauerwochen, einiges Mißfallen. _ _ i 1 Der Donner Grmeindedote. Der Jugendbund rief, und viele, viele kamen. Am Sonntag den 6. Juli traten wir die erste Tageswanderung des jüdischen Jugendbundes an, als deren Ziel Münstereifel angesetzt war, das schöne Eifelstädtchen mit seinen romantischen Straßen und seiner schönen Burg. Um 8 Uhr früh fuhren wir 18 von Bonn ab und hatten die große Freude, in Rheinbach einige .unserer Freunde zu. treffen, die sich uns anschlossen, und bei Sonnenschein trabten wir los. Unter den Klängen einer Mandoline gintz das Laufen noch mal so gut, und um 11 Uhr machten wir im Walde die erste Rast. Gemeinschaftliche Gesänge, Spiele und Rundgesänge füllten die Pause aus. Dank dem energischen Eingreifen unseres 1. Vorsitzenden wurde verhütet, daß wir heute noch daliegen, und mit erleichtertem Rucksack zogen wir durch den schönen Wald, bis um 2 Uhr nochmals Rast gemacht wurde. Beim Aufbruch guckte alles nach oben: Na nu, die Nase wird ja naß: Et rähnt! Gottlob hatten wir nicht weit mehr bis Münstereifel. Es hörte nun langsam auf zu regnen und wir erreichten nach 1'/, Stunden den schönen Ort. Wir fanden nun gleich «in. schönes Hotel, dessen liebenswürdiger Wirt uns erklärte, er, resp. sein Haus wäre besetzt. In einer Konditorei erholten wir uns gut und trockneten die Kleider (am Körper!). Kaffee und Kuchen waren auch da und bei einer Versteigerung von Aufnahmen der vorigen Tour kam auch der Kassierer zu feinem Recht, dessen sorgenvolles Gesicht sich nun auch aufheiterte. Sehr freudig überraschte uns ein Rheinbacher Herr mit einer Stegreifdichtung, in.der er dem Jugendbund schönes Lob spendete und dem an dieser Stelle nochmals gedankt sei. Um 6 Uhr fuhr unser Zug. wir mußten Abschied nehmen. Voll Schmutz von oben bis unten, aber mit reiner Freude über den schönen Tag gings zur Heimat zu, nachdem wir in Euskirchen noch mal der Kälte von außen mit diversen Portionen Eis von innen Konkurrenz gemacht. Am Bonner Bahnhof erwarteten uns die Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, froh, alles wieder wohl zu Hause zu haben, und alle versprachen, demnächst mitzumachcn, um sich mit der Jugend an der Jugend zu erfreuen! Je mehr dabei, desto schöner, und wenn dann demnächst bei großer Beteiligung die Stimmbänder etwas geschont werden zu gunsten des Synagoaenchors, dann hat die ganze Gemeinde Freude am Jugendbund und wird dann auch der.L o h n nicht ausbleiben. Siegmund Schmitz_ Der Bote erzählt: — roibmett sich dann aber ganz der Schriftsteller«. Er leitete lä^ere Zeit verschiedene Blätter, so die „Diener Jahrbücher" und die „Neuzeit", in denen auch seine erste Ghettogeschichte „Alt Babcle". erschien, die ihn mit einem, Schlage bekannt machte. Alb sein bester Roman gilt „Am Pflug", der 185b erschien. Kompert starb in Dien am 23. November 1886. Leider verfiel er zuletzt in eine Berherrlichung der Gleichmacherei, ja, sogar mehrfach der Mischehe, sodaß man an seine Werke mit äußerster Vorsicht herantreten muß und vor allem sie nicht ungeprüft der Jugend in die Hand geben darf. Sein „Karfunkel" ist jedoch, wie man sehen wird, «ine gut erzählte, lebendige und jüdisch empfundene Geschichte, dir sich sogar mehrfach zu starker dichterischer Wirkung steigert. Der Karfuikel. ^von Leopold Kompert. Laubhüttenfest war wieder ins Land gekommen. Kluge Bauem. in den .benachbarten Dörfern mußten schon einige Tage früher aus ihrem Kalender erfahren haben, daß die „grünen Feiertage" der Gasse bevorstanden, und hie und da hatte einer zu seinem Knechte gesagt: „Fahre in den Wald hinaus und hole Tannenreisig, drin in der Stadt die Juden werden es jetzt brauchen." Und der Knecht war in den Wald hinausgcfahren, wo die immergrünen Tannen wachsen, und hatte da mit seiner Axt die Bäume ihres Schmuckes beraubt. Ob er dabei wohl dachte, wie sonderbar das Geschick es gefügt habe, daß er, der blondköpfige Junge aus dem Stamme der Tschechen, in den Wald hinausgehen mußte, um Tannenreisig für diejenigen zu holen, die schon vor fast viertausend Jahren mitten in. einer arabischen Wüste grüne Laubhütten aufgerichtct hatten? Wer diesen Knecht wohl hätte anhalten und zu ihm sagen mögen: Was du jetzt gedankenlos um feilen Lohn tust, das wird einst lverktätige Brüderlichkeit mit freiem Bewußtsein ge» währen. Es wird eine Zeit kommen, wo der eine Glauben seine Freude daran finden wird, die Feste des anderen zu schmücken.... In dem Vorhofe eines Hauses, das nahezu am Eickie der Gasse liegt, da, wo der Garten des Grafen mit dem herrlichen Schlosse darin sich erhebt, waren zwei Männer damit beschäftigt, an eine Laubhütte, die bereits gezimmert und festgefug dastand, die letzte Hand zu legen. Der eine von ihnen, um ein Bedeutendes jünger als der andere, stand auf einer Leiter und nahm die Tannenreiser entgegen, die ein starkknochiger, weit über die gewöhnliche Grüße aufstrebender Mann ihm bot, und schichtete sie übereinander, so daß sie bereits jetzt schon das grüne Dach der Laubhütte bildeten. Daß wir es nur in aller Eile sagen: Der eine von den beiden Männern war* David Brod, der Gemeindevorbeter, der andere seine unentbehrliche Ergänzung, Feiwelmann „Bqß", was aber nicht so sehr sein wlrMchKFüMMenname, als vielmehr die Bezeichnung seines Lebensberufes war; denn auch er war von Natur ein Sänger, und zwar ein „Baß" von so gewaltiger Breite, Tiefe und Höhe, daß darin alles aufgegangen war, was sonst an einen Menschen gemahnt: Land und Geburt, Familie und Charakter. Mit einem Male hielt der „Baß" in seiner Beschäftigung inne, er wischte sich von der Stirne den Schcheiß und seufzte tief auf. Wir eiDffnen Mit der yeuligen Nummer die erste längere Erzählung. Wir glaubten dabei keine bessere Wahl treffen zu können, als indem wir eine alte Geschichte ausfrischten: Leopold KompcrtS „Karfunkel". Wir halten den kleinen Roman für eines seiner besten Werke, sicher sein jüdischstes. Da es ziemlich unbekannt ist. freue« wie u»S, eS neu enideai zu yaben, und haben es sogar einer Überarbeitung für wert gefunden, die sich hauptsächlich in erhebliche» Strichen betätigte, wodurch die von Kompert häufig beliebte Breite wegfiel und sich alles zu lebhafter Spannung verdichtete. Leopold Kompert ist der Dichter deS böhmischen Ghettos. Geboren am 16. März 1822 zu Münchengrätz, war er al» junger Mann erst einige Jahre Erzieher, .David Brod", sagte er nach einer Weile, „es ist mir da wieder eingefallen, wie ich doch eigentlich zu keinem Baß geboren bin. Aus mir hätte etwas anderes werden sollen. Ich weiß nur nicht was!" „Wie fällt dir diese Narretei aerade iebt «in 9" — -r,®öB will ich dir sagen, David, aber du mußt mich erst besinnen lassen." Ein Zug ttaumerischen Sinnens legte sich um die braunen Augen des „Baß", aber der, zu dem er geredet hatte, schien darauf kein besonderes Gewicht zu legen. , „Wenn du so dastchst, Baß", meinte er, „so wird unsere Laubhütte noch lang' darauf warten müssen, bis sie von sich sagen kann: Uh bin fertig/' ,

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