Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 8 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 80 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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80 y hier vor allem Tel-Awiw („Der - Frühlingshügel"), die Neustadt von Jaffa, mit ihren breiten Boulevards, schmucken Baute.n und gärtnerischen Anlagen, mit dem hebräischen Gymnasium, der jüdischen Kolonialbank und andern Einrichtungen, die diese Siedlung zum hervorragendsten Mittelpunkt des neuen Jischuw werden ließen. So klein noch die Anfänge des jüdischen Gemeinwesens in Palästina sein mögen, so lebensstark hat es sich in den Kriegsjahren gezeigt. Hunger und Seuche. Schlachtengetümmel und Heuschreckenplage haben der palästinensischen Judenbeit leidvolle Zeiten gebracht und auch manche Blüte am Äaum der jungen Siedlung gebrochen. Aber als Ganzes hat sic doch die unheilvollen Rückschläge überwunden und stellt heute eine natürliche Grundlage dar für die weitere Arbeit. Und die hat bcreits^begonnen. Denn schon hat nach den neuesten Nachrichten die erste Gruppe von Einwanderern den Boden des gelobten Landes betreten. Sie nennen sich Chaluzim, d. h. Pioniere, weil sie den kommenden Scharen den Weg ins Land bahnen wollen und weil sie wißen, daß diese Scharen -kommen werden. Van Sery und Tat. Bingen. Am 14. Juli vereinigten sich am Bahnhof Bingerbrück die jüdischen Jugendvereine aus Wiesbaden. Mainz^ und Kreuznach zu einer gemeinsamen Tour nach dem etwa 3 Stunden entfernten romantischen Morgenbachtal. Die hiesige jüd.. Jugend, die trotz ihrer stattlichen Zahl noch jeder Organisation entbehrt, wurde vom Vorsitzenden des Wiesbadener Jugendbundes durch die hiesige Zeitung zur Mitwauderung eingeladen. Leider machten hiervon nur wenige Gebrauch. Die Gründe hierfür sind auf das vcreinslose Leben einerseits, anderseits wiederum auf den Mangel des jüdischen Bewußtseins und des damit zusammenhängenden jüd. Zusammengehörigkeitsgefühls zurückzuführen. Um halb 10 Uhr setzte sich der Wanderzug in Belvegvng. dem näcksten Ziele, dem in seiner Einsamkeit liegenden und von grünen und duftenden Wiesen umgebenen Jägcrkwusc, entgegen. Ter Himmel meinte es gut mit uns und jck'vn nach viertelstündiger Wanderung verschlang uns ein großer, aus Buchen und Fichten bestandener Wald. . Hier teilte sich der aus etwa 70—80 Mitgliedern bestehende Zug in mehrere Gruppen, die unter dem Klange bekannter I Marsch- und Volkslieder rüstig voranschritten. Bald war das erste Ziel in Sicht: das Jägerhaus. Seit vielen, vielen Jahren diente dasselbe dem müden Weidmann zur Erholung nach vollbrachtem Tagewerk. Heute sollte unsere frohe Jugend zwei Stunden darin rasten. Auf Bänken, , Stühlen und dem schönen, von Wald umgrenzten Rasen wurden die Rucksäcke hergenommen und aus der Wirtschaft kühle Getränke geholt. Bald aber ging es weiter zum nächsten Ziel, dem von steilen Felsen umgebenen Morgenbachtal. Bei immerwährendem Fallen des Waldabhanges verengte sich das Tal immer mehr und gewährte uns von beiden Seiten einen herrlichen Blick auf tiefe Wälder, die sich terrassenförmig abhoben. Unter uns rauschte das schmale Bächlein und hüpfte rasch davon, um dieser geheimnisvollen Gegend zu entrinnen. In her Wirtschaft zur vierten Mühle wurde wiederum ausgeruht. Im Freien ließ der Himmel seine Tröpflein fallen, aber er begnügte sich damit, uns für eine ^halbe Stunde aus dem. Freien in die „musikalische" Wirtichaft zu jagen,-um uns dann eine Rückwanderung trockenen Hauptes" zu verschaffen. Gegen halb 5 Uhr wurde Bingen erreicht. Im Caf6 Hilsdorf ergriffen einige Redner das Wort, um der Gründung eines hiesigen jüd, Jugendbundes näherzutreten. Der Vorsitzende des Wiesbadener Jugendbundes, Herr Capell, begrüßte die anwelenden Manderftriippen.. inSlvknn^ die hiesige Jugend, und bedauerte, daß letztere nicht stärker vertreten sei. Redner sagte, daß sich auch die hiesige Jugend organisieren müsse, und daß endlich die Zeit gekommen sei, wo das „Kind aus der Wiege" gehoben werden soll, Herr ^Eäpell überbrachte uns das Programm des letzten jüdischen Delegiertentages in Berlin, wo allgemein zum Ausdruck gebracht wurde, daß ein Zusammenschluß aller jüd. Parteien eine Notwendigkeit der Stunde sei. Frau David-Kreuznach dankte dem Vorredner für die herzliche Begrüßung des Kreuznacher Jugendbundes und stellte denselben mit seiner starken Beteiligung zum Muster hin. Herr Dr. Appel hier dankte den Vorrednern für die Begrüßung der hiesigen jüdischen Jugend und stellte zur Gründung eines hiesigen jüd. Jugendbundes, sowie zur Hebung des jüd. Vereinslebens seine ganze Kraft zur Verfügung. Herr vr. Ringwald-Mainz betonte, daß bei ihm das praktische , Judentum die Hauptsache sei. Das Wandern sei -nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck, uns die Mitglieder für das positive Judentum zu gewinnen. Da die antisemitische Fäulnis immer weiter um sich greise, seien auch nationaljüdische Momente nicht aus dem Auge zu laßen. Den Schluß bildete noch ein gemütliches Beisammensein, wobei auch der musikalische Teil zur Geltung kam. Die nächste gemeinsame Wandemng ist für September beschlossen worden.' Inzwischen sollen jedoch Spaziergänge von . kleineren Zirkeln unternommen werden, der nächste gemeinschaftlich mit Kreuznach in drei Wochen, bei hoffentlich stärkerer hiesiger Beteiligung. Koblenz. In der hiesigen Castorkirche wurde eine Pfingstprrdigt gehalten, die eine offene Kampfansage an die sozialistische Regierung war. „Juden und Heiden, Jrrlehrer und verblendete Staatsmänner sind gegen uns, aber die katholische Kirche ist immer Sieger geblieben. Alle politischen Parteien — so noch neulich — find einig, wenn es gilt, die katholische Kirche auszurotten. Jetzt hat man sie sogar als staatsgefährlich verleumdet und versucht, sie auS der Schule zu verdrängen, um die Jugend erst zn entsittlichen und dann glaubenslos zu machen!" ' Geistingen (Siegkreis). Unsere kleine Gememde spendete durch freiwillige Gaben für die Pogromopfer in Polen den ansehnlichen Betrag von 135 M. > Krefeld. In Märkisch-Friedland starb kürzlich in sei- 1 nem 9-8. Lebensjahr Herr Jsak Wedel, der Vater des » hiesigen Sanitätsrats vr. Josef Wedel. Der Entschlafene I war bis zuletzt Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, I auch wirkte er lange Jahre in seiner Heimat als Stadtver- 4 ordneten Er war eine aufrechte, maßvolle Persönlichkeit?j von tiefteligiösem Empfinden. Als ein wahrhafter Patriarch \ ragte er aus der Umgebung. In seiner Person waren die 4 Weisheit und die Erlebniße von Geschlechtern angesammelt, jj Als man vor etlichen Jahren eine Geschichte von Märkisch- 3 Fricdland schrieb, der kleinen Stadt, die ja auck schon butfy t die Erinnerungen des Freiherrn von Klöden (vergl. Iah» r buch der Literaturvereine von 1917) in eine gewiße Beft leuchtung gerückt worden ist. da hat der Verfasser die uns geschriebenen Erinnerungen Jsak Wedels reichlich verwertet .' Nun ist er, der so vielen Wandel der Zeilen erlebt, auch t den Rückgang seiner einst so stattlichen und angesehenen |\ Gemeinde, den Wirrnissen der Gegenwart Entrückt. Aus v einer friedlosen Zeit ist er zum dauernden Frieden gegangen, ft Mülheim-Ruhr. Der Werkmeister Herr Isidor Meier hier beging am 12. Juli das Jubiläum seiner 50jährigen Tätigkeit bei der Firma Schöndorff u. Co., Mülheimer Fettwcrke. T Bernkastel. Herr Rentner DavidThal feierte hier am 13. Juli seinen 80. Geburtstag. Wenn sich auch körperlich mancherlei Beschwerden bei ihm bemerkbar machen, so erfreut er sich doch noch der vollsten-geistigen Regsämkeit und nimmt an allen Geschehnissen der Zeit lebendigen Anteil. Wir wünschen ihm einen langen, gesegneten Lebensübend. ' v Illingen. Hier hat sich ein jüdischer Jugendbund gebildet, der mit einem arößeren öffentlich«,H —- 111 W Öffentlichkeit trat. Sobald die äußeren Bedingungen es zulaßen, sollen durch Vorträge, durch Einrichtung einer jüdischen Bibliothek usw. jüdische Werte gepflegt werden. St. Wendel. Der hiesige Synagogenchorverrin veranstaltet seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen Vorlage. die großes Interesse in der Gemeinde wachrufen. ES