Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 8 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'I TÖ»V^- -iff. ’lfAf*? ■-•• . '!;.: ’ v ’ '•"’. - tt - ' gende Nahrung für.unseve deutsche Bevölkerung haben und eine starke Auswanderung Deutscher aus ihrem Vaterlande unausbleiblich erscheint?' Wirkt. Etwa 7000—8000 Teilnehmer hatten sich zu einer vom Jüdischen Hochschul-Ausschuß einberufenen Protestversammlung gegen die Pogrome in Polen und der Ukraine zusammengefunden. Oberrabbiner vr. Chajes hielt die erste Rede, in der er von dem überall neu erwachenden Judenhaß sprach und därauf hinwies, daß die freisinnigen und sozialdemokratischen Führer bei der Bekämpfung der antijüdischen Stimmung absolut versagt haben. Die Zukunft der Menschheit sei in Gefahr, wenn es nicht gelinge, das jüdische Volk überall als gleichberechtigte Bürger zu behandeln. Nach mehreren anderen Rednern ergriff, von Kutten Beifallsstürmen empfangen, Abgeordneter Stricker das Woxt; er protestierte-gegen die verlotterte polnische Gesellschaft, die nie gearbeitet, wohl aber immer die Einigkeit gehindert hätte. Aber wenn wir zu protestieren haben, so müssen wir zuerst gegen jene Juden protestieren, di« den Kampf für unser Volk unmöglich machen wollen. Stricker verlangt eine eigene Vertretung im Völkerbunde., die gegen die Bestialität erfolgreich Stellung nehmen könnte. Ein Vertreter der deutsch-freiheitlichen Studenteyschaf schloß sich im Namen seiner Ortsgruppe der Kundgebüng gegen die Pogrome an. Paris. Die jüdische Sache hat in der Frage der Regelung der polnischen Verhältnisse re st losgesiegt. Polen ist unterlegen. Der Rat der Vier empfing den Generalbevollmächtigten Polens, Paderewski, zur Unterzeichnung einer Urkunde, durch die Polen verpflichtet wird, auf seinem Gebiete die Gleichheit der Konfessionen durchzuführen sowohl inbezug auf die Ausübung des religiösen Kultus wie des Unterrichts. Es handelt sich um den Schutz der Israeliten, dessen Garantie von Wilson verlangt worden ist angesichts der von der gegenwärtigen polnischen Regierung bekundeten antisemitischen Politik, insbesondere weil Pade- >, rewski selbst als fanatischer Antisemit bekannt ist. Paderewski und die polnische Delegation haben bereits unterschrieben. Die in Frage kommenden Artikel lausen in den Hauptpunkten: Artikel 7. .Alle polnischen Angehörigen ohne Unterschied der Rasse, der Sprache oder der Religion sind vor dem Gesetze gleich und genießen gleiche bürgerliche und politische Rechte. Der Unterschied der Sprache, der Rasse oder der Religion darf keinem polnischen Angehörigen hinsichtlich des Genusses der bürgerlichen und politischen Rechte, namentlich der^ Zulassung zu öffentlichen Ämtern, Funktionen und Ehren, oder zur Ausübung der verschiedenen Berufe und Gcwerbearten hinderlich sein. Es darf keine Beschränkung erlassen werden gegen den freien Gebrauch irgend einer Sprache, sei es im privaten Perkehr, im Handel, in Angelegenheiten der Religion, der Presse oder der Publikationen jedevÄrt, sei es in öffentlichen Versammlungen. Artikel 8. Die polnischen Angehörigen, welche einer ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheit angehören, genießen rechtlich und tatsächlich die gleiche Behandlung und die gleichen Bürgschaften wie die anderen polnischen Angehörigen. Sie haben namentlich das legale Recht, auf ihre'Kosten Wohltätigkeits-, religiöse und soziale Institutionen, Schulen und andere Erziehungsanstalten zu errichten, zu leiten und zu überwachen mit dem Recht, öon ihrer eigenen Sprache in diesen Anstalten freien Gebrauch zu machen und ihre Religion frei zu üben. -Artikel 9 handelt von Erleichterungen und rechtmäßigen Zuschüssen aus öffentlichen Mitteln, die dem Untexricht in nichtpolnischer Sprache zu gewähren sind. \ Artikel 11 bandelt vom Kchntz KnKKathL link hp«_ Beiemgung jeden Zwanges für diLLuden, ihn zu verletzen, eine rechtste ". Keine rechtlichen Nachteile bei der Weigerung, am Sabbath vor Gericht zu erscheinen, keine Wahlen usw. an ihm. . Artikel 12. Polen stimmt zu, daß insofern die Bestimmungen der vorhergehenden.Artikel Personen berühren, di« den Minderheiten der Rasse, der Religion oder der Sprache angehören, diese Bestimmungen Verpflichtungen internationalen Charakters bilden und unter die Garantie des Völkerbundes gestellt werden. Sie können nicht ohne die Zustimmung der Mehrheit des Völkerbundes modifiziert werden.' Paris. Der von den alliierten usid assoziierten Mächten mtt Polen abgeschlossene Vertrag erklärt auch, wie verlautet, die früheren russischen, deutschen, österreichischen und ungarischen Würger, die gegenwärtig in Polen leben, zu polnischen Burgern (mit dem Rechte, für ihre fiüherr Bürgerschaft zu optieren). Durch diese Bestimmung ertvxrben viele Tausende von Juden, die sich in den letzten Jahrzehnten infolge des Aufschwunges der polnischen Industrie und. des polnischen Handels in Polen niedergelassen haben, das polnische Bürgerrecht, das ihnen vom polnischen Chauvinismus sicherlich verweigert.worden wäre^ ' London. Trotz der Aufforderung des Viererrats an den von der Entente begünstigten Führer der russischen Gegenrevolution, Admiral Koltschak, Maßnahmen zu trcf* Un, durch die Ausschreitungen gegen die Juden verhindert Mrden, arbeiten die Getreuen des Admirals weiter nach der allrussischen Methode. Der Londoner Daily Mail veröffentlicht einen Bericht aus Wladiwostok über eine Konferenz der jüdischen Genieinden in Sibirien, wonach die jüdischen Gemeindeverwaltungen gegen die vom Generalstab Koltschaks in Omsk betriebene judetifeindliche Hetze protestierten. Koltschak habe eine Erklärung abgegeben, daß er die Juden.für die russische Revolution verantwortlich mache und daß er bei seinem weiteren Vormarsch in Rußland an den Juden Rache nehmen werde. Admiral Koltschak werde dabei vom. uHeillgen-SynM^in Omsk unterstützt, der bereits Hunderte von Popen iipch allen Teilen des Landes entsandt hätte, um unter der russischen Bevölkerung Stimmung für Judenpogrome zu machen. Manchester. Tie dreizehnte Konferenz der Friedens- Gesellschaften, bife hier abgehalten wurde, faßte folgende Resolution: „Der Kongreß betrachtet mit unaussprechlichem Entsetzen die Pogrome und Metzeleien, die unter den Juden in Polen begangen werden, und drückt ihnen ihre Sympathie in der Stunde der Verfolgung aus, sowie ihre @tn'< pörung, daß diese Gewalttaten in einem von den Alliierten befreiten und unter ihrem Schutze stehenden Lande begangen werden können." Bukarest. Der rumänische Ministerpräsident Bratianu hat demissioniert. In einem Interview mit'französischen Journalisten motivierte er seinen Schritt.mit der^orderung der Alliierten nach den Rechten der nationalen Minderheiten im neuen Rumänien. Es kann keinen: Zweifel unterliegen, daß hier die Judenfrage eine wesentliche Rolle gespielt hat. Bratianus Nachfolger ist Take Jonescu. New Aork. Die gesetzgebende Körperschaft des Staates New?)ork hat einen Gesetzentwurf angenommen, der den sabbathtreuen Juden das Recht auf Sonntagsarbeit sichert. Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Senats/ Jerusalem. Unter bem Vorsitz, des Stadtkommandanten General Störs hat sich ein aus Angehörigen aller Nationen und Konfessionen Jerusalems bestehendes Komitee gebildet, das einige britische Ingenieure und Architekten als Sachverständige hinzugezogen hat und bereits eine Reihe von Plänen für den Wiederaufbau der heiligen Stadt entworfen hat. Prinzipiell hat man sich jetzt auf folgende Hauptpunkte geeinigt: Die alte Stadt bleibt innerhalb ihrer mittelalterlichen Mauern, einem gewaltigen Gye^<^)id^t^* museum gleich, unangetastet weiter bestebeu. Der Schutz aller Heiligtümer und archäologisch wichtigen Punkte wird der Regierung anvertraut und sehr streng durchgeführt werden. Außerhalb des Mauerrings entsteht eine völlig neue, nach modernsten europäischen und amerikanischen Planen zu erbauende Stadt, mit breiten Straßen, Trottoirs. Wasserleitung, Kanalisation, Beleuchtung nsw. Für die neue Stadtanlage ist ein System von Parkgärten vorgesehen, die durch die im Plane bestimmte Nachbarschaft mit den zinnenreichen Mauern der Altstadt einen erhöhten.Reiz erhalten sollen. Sämtliche fiv Altertum oder Mittelalter in Jerusalem vorhanden gewesenen Industrien, Handwerke, Basare