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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-18 · 6 (18.7.1919) · p. Seite 58

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
6 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
Seite 58 (sequence 8)
Language
German
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allem -»weilen war «an doch gezwungen, M außer, ordentlicher Hinterlist zu greifen, und müßte in solchen ex. tränen Fällen ein großer Aufwand von Diplomatie getrieben uneben. Schachners Rock war im Lachse der Jahre äußerst schadhaft «worden; der Abgang einiger entwurzelter Knöpft, die Fadenscheinißkeit des ganzen Rockes hätteu nicht allzuviel zu bedeuten grhab, aber mehrere große Löcher bildeten doch gar zu auffällige Lücken, und alles Schimpfen des erbitterten Besitzers, der sich vor vienmddreißig Jahren schmählich bettogen glaubte, vermochte nichts an dem traurigen Fftftum zu ändern. Nun wurde von ftinen Gönnern «in Kriegsrat darüber gehalten, wie man, ohne Schachners Feingefühl zu verletzen, ihn in den Besitz eines neuen Kleides bringen könne; es wurde eine Überlistung des Feindes beschlossen und die" Leitung und Ausführung deS ganzen Unternehmens dem Seidenzeug. Händler David Neustadt! übertragen. Dieser, ein wohltättger, kluger und witziger Mann, eignete sich hierzu' am besten, weil er mit Schachner dieselbe Synagoge besuchte und dort sogar neben ihm saß. . Eines Morgens, als beide friedlich nebeneinander das GotteitzauS verließen, eröffnete jener dm Feldzug. „Reb Jisroel, ich hätt' ein Geschäft für euch!" „Gewiß wieder etwas e Jahrzeit."-- „Nein, es handelt sich um etwas ganz anderes", mtsegnete Neustadtl sehr ernst. „Ihr könnt mir eine Gefälligkeit erweiftn und dabei ein glänzendes Geschäft machen." „Laßt hören!" gestattete Schachner huldvoll. „Ich Hab' mir einen funkelnagelneuen Rock machen lasten, und der Rock ist so weit ganz schön — aber für mich . hat er einen Fehler, mir ist er zu kurz — ich bin ein langer Mensch — Ar ftid etwas kleiner, euch macht' er wie angegosten fitzen." * „Ich könnt' e Rock grad' brauchen", gestand Schachner mit anerkennenswerter Offenheit, „ich Hab' mich nämlich beim Tucheinkauf bei meinem Halbfeiertagsrock bettogen, er i» schon -ernsten, — aus dem Mastematten') könnt schon etwawerden! — aber viel kann ich nit spendieren/ zu ttuer darf er nit sein. — und mit dem Geld müßt' Ar auch e paar Wochen warten, bis ick von der Luka'schen Stiftung die paar Gulden bekomme/ „Das wird fich alles machen lasten." „Also!" tief Schachner, immer lebhafter wettiend. „damit wir zum Tachlis kommen, was für Färb' hat der Rock?" „Franzblau." „Franzblau?!" rief Schachner überrascht, denn dawar die ihm liebgewordenc Farbe des vierunddreißigjährigen, invaliden Gewandes, „und was soll er kosten?" .Losten?" entgegnete Neustadtt nicht ganz ohne Verlegmheit, denn jetzt erst begann die volle Tätigkeit seiner diplomattschen Aktton — „für meine Person ist der Rock nicht einen Kreuzer wert, ich kann ihn aüf keinen Fall tragen I. .. Wenn Ar mir einen Gulden gebt, so ist's grad' so. als wenn ich diesen auf der Straße gefunden hätte!" Schachner ward vor Freude und Aufregung ftuerrot. aber er war in seiner Jugend — freilich, es waren schon fiebrig Jahre ftit jener Zeit verflossen — auch einmal Geschäftsmann gewesen, und er wußte, man dürft dem Verkauf« nie zeigen, daß rnaü den Preis billig finde. — andererftits war er aber auch viel zu redlich, um etwas von Neustadtls bescheiden« Forderung abzuhandeln; er sagtt daher nach kurzem Bedenken: «Nu . . . wenn ich euch c Gefallen damit mach' und mir d« Rock paßt und gefällt, bin ich Käuf« ... Seid so gut und schickt mir das Kleid zum Ansehen . . . Wann könnt Ar mir'S schicken?" fragte er mit vor Erregung zitternd« Stimme. „Wann Ihr wollt — meinetwegen in ein« halben Stunde." „Gut. gut... ich lauf gleich zu Reb Rate! Schmelina, der muß fich den Rock «lch «rnfthön, nhn»-do« «»»ft —Hand tn kalt Wasser? (Schluß folgt.) )if kr D-tt»t«sche giftl**. Wie wird die neue Frauenbeilage heißen, di« demnächst dem „Jüdischen Boten" beigelegt wird? — Antwort: „Die jüdisch« Beautö vom Rhein. Warum ist ftder Jude zu einer Professur geeignet? — Antwort: Weil, wir das zerstreuteste Volk bet Welt find. Air $mer <Se»ei>ßetz-te. »n die Mitglieder der Mischen Gemeinde »mm. Das unt«zeichaetr Rabbinat hat die Kriegsjahre hindurch fich ständig bemüht, beim Lebensmittelamt für die rituell lebenden Mitglied« d« Gemeinde Vergünstigungen zu erwirken. Dazu gehörte die Lieferung von Tomor And von wöchenttich frisch geschlachtetem Fleisch Es wird Klage gefühtt, daß von den auf der Koscherliste stehenden Gemeindemitgliedern das für fie bestellte Quantum Tomor und Frischfleisch nicht abgeholt wird. Ich mache darauf auf. merksam, daß dies ein an dem Metzg« unser« Gemeinde begangene- Umecht ist, indem derselbe mit dem überschüssigen, nicht abgeholten Fleisch und d« Tomor znrückbleibt und Schtzden leidet. Es ist Ehrensache eines jeden, hierin seine Pflicht zu tun. W« das für ihn bestellte Fleisch oder die Tomor nicht abholt, schädigt ab« nicht nur den Metzg«, sondern auch in den Augen d« Öffentlichkeit die jüdische Sache. Was soll das Rabbi nat dem Lebensmittelamt antwarten, wenn ihm von dort aus, wie es schon geschehen ist, vorgehalten wird, daß seine Gemeindemitglied« sich für rituell ausgegeben haben, es ab« nicht find, da fie die Möglichkeiten, rituell zu leben, bei Seite schieben? B o n n, den 1. Juli 1919. , Das Rabbi nat der Shnagogengemeinde Bonn. i Die von der Chewroh GemiluS Chafodim einberufene außerordentliche Generalversammlung war infolge schlechten Wetttrs nur schwach besucht und daher beschlußunfähig. Um einige wichttge Tagesftagen zu erörtern, wird der Vorstand eine neue Generalversammlung^ «inberufen. Die Anzahl der Mitglieder wird dank der Rührigkeit des Vorstandes andauernd grüß« und besteht zurzeit aus 2 Ehrenmitgliedern und 110 zahlenden Mitgliedern. Die Werbetätigkeit wird fortgesetzt, um möglichst «Äe jüdischen Männer aus Bonn und Umgebung als Mitglieder zählen zu können.. Anmeldungen nimmt d« Kassier«Herr Louis Rollmann auch telefonisch (Nr. 1506) gern entgegen. Die Jahrzeittn der Mitglieder werden durch den Jüdischen Boten allwöchentlich bekannt gegeben und wäre es vei^ erfreulich, wenn die übrigen Mitglied« zahlreicher als bis. h« daran teilnehmenwlttden. Die Kassenwirtschaft hat sich im letzten Jahre durch Spenden wesentlich erholt, sodaß der Verein in der Lage ist, wo es not tut, helfend «inzuspringen. Der Verein hat in allen Krankenhäusern Bonns Plakattafeln aufhängen lasten, woraus Kranke und Freunde «rfthen können, wohin sie sich im Bedarfsfälle um Hilft, Rat und Tat wenden müssen. Dem Vorstand gehören He« Leop. Coßmann als Vorsitzender, He« Leop. Levi als Sttllvertteter. He« Louis Rollmann alsLaffirer, HerrKantor Baum alS Stellvertteftr, He« L. Mhwarz als Beisitzer an. Hüchrrlchs«, l. $craulfieac6cn von' Dr. Hugo OetmtcM st« btt Sammlung „Dre Weirhtit der Völker"). 3,tt tnri' »erlag, Minden. Preis 8.20 M. " Schon die hervorragende Einleitung l^nt die »»Haftung de* Buche«, tzngo Bergmann zeichnet l) Handel.

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