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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-04 · 5 (4.7.1919) · p. Seite 45

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
5 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
Seite 45 (sequence 7)
Language
German
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9 dean allen vaterländischen Dingen stark beteiligt waren. Fast die ganze Jugend war im Heeresdienst und überwiegend im Felde, der jüdische Lehrer sogar eingezogen, sodaß der.Religionsunterricht des ganzest Bezirks monatelang ruhen mußte. Durch Aufnahme zahlreicher Ferienkindcr und Zuweisung hoher Summen an die vaterländischen Vereinigungen, in deren Vorständen auch unsere Gemeinde ihre Vertreter hat, haben wir der vaterländischen Sache unsem guten Zoll entrichtet. Gefallen find im Kriege S. Bär, der Sohn des Herrn M. Bär aus Hamm a. d. S., aus Rosbach der einzige Sohn des Herrn Hermann Moses. Dauernd vermißt wird Arthur Bär, Sohn des verstorbenen Herrn Moses Bär aus Wisien. An den Folgen einer tückischen Krankheit starb im Hcimatlazarett Wifien auch noch sein Bruder Walter Bär und wmdc unter großer Beteiligung durch seine Kameraden in Hamm beigesetzt. — Das Religionsschulwesen, das zeitweise sehr gelitten hatte, blüht jetzt wieder» und zwar wird in Betzdorf, Hamm, Roßbach, Eitorf-Geistingen unterrichtet, auch hat jetzt das Ev. Pädagogium in Herchen für seine Schüler Herrn Lehrer Fulö aus Hamm als Religionslehrer angestellt, sodaß zurzeit kein jüdisches Kind unseres Bezirks ohne Religionsunterricht aufwächst. Auch unter der erwachsenen Jugend macht sich jetzt hier ein regeres Leben bemerkbar. Der jüdische „Jünglingsverein" ist als „Jüdischer Jugendbund" zu .neuem Leben erwacht, hoffentlich gelingt es ihm, sich in frischem und lebendigen jüdischen Geiste zu entfalten. Das einzige, worüber zu klagen ist, ist die leider nicht wegzulcugnende Tatsache, daß unter dem Zwange der Kriegsbeschränkungen das praktisch rituelle Judentum einen starken Stoß erhalten hat. Wir erwähnten schon di« Beschränkungen des Schächtens. Zeitweise vom Koblenzer Gouvcrstement verboten, wurde es dann wieder erlaubt, jedoch auf die Zahl von 1 Stück Großvieh und 1 Kalb reduziert, zudem infolge der Zentralisation nach Scheuerfeld bei Betzdorf ins Kreisschlachthaus und für Siegburg und Eitorf stach Siegburg verlegt. Die Folge all dieser Schwierigkeiten ist die sich heute überall breitmachende Laxheit im Punkte der Koscherfrage. Hoffentlich gehen wir auch hier bald besieren Zeiten entgegen. Als letztes ist zu berichten, daß augenblicklich hier alles unter dem Zeichen des bevorstehenden 2Sjährigen Jubiläums unserer Synagoge steht. ' Linz a. Rh. Am 23. Juni kehrte nach fünfjähriger Krieasgefaygenschaft der Sohn deS verstorbenen Herrn Josef Wallach, Ernst Wallach, wohlbehalten in seine Vaterstadt zurück^ Seine FrrUnde^begrüßten ihn amBahnhof und geleiteten ihn mit Musik durch die Stadt zu seinem Eltemhause, wo der lang Ersehnte nach einer kleinen Ansprache an ihn unter den Klängen der Musik die heimatliche Schwelle betrat. Die ganze Nachbarschaft hatte Fahnenschmuck angelegt, um auf diese Weise den Heimgekehrten zu ehren. — Am Mittwoch b£n 3. Juli feierte Herr Nathan Wallach hier seinen 89. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische— Wir beglückwünschen den. Jubilar auf das Herzlichste. v Ruppichteroth. Die hiesige Synagogengemeinde kaufte einen Bauplatz für (JOOO M. zur Errichtung einer demnächst zu erbauenden Synagoge. Düren. Am 24. Juni hielt der jüdische Jugendverein seine ordentliche.Generalversammlung ab. Einstimmig wurden wiederbezw. neugewählt als 1. Vorsitzender Herr M. Oppenheim, als sein Stellvertreter Herr vr. nied. Marx, sowie die Herren Studtvermbneter Loesvenstein, Josef Lion, Fritz Fromm, Nußbauln und Fräulein Olga Mayer als Beisitzer. Der Verein, de^m fast alle Gemeinde- Mitglieder angehören, wird seine regelmäßige Tätigkeit nunmehr, wieder aufnehmen. —-Unfer Gemeindevorsteher, j Herr H. Leven, beging jüngst mit seiner Frau das Fest! der silbernen Lock,eit Kynngng«-nchiv hrnrfih» ihm { ein Ständchen, Herr Lehrer Oppenheim würdigte seine I Verdienste in einer Ansprache. i Wickrath (Kr. Grevenbroich).. Eine für die Judeit des! Kreises Grevenbroich wichtige Entscheidung wmde jüngst | getroffen. Da an die nichtjüdische Bewölkerung allwöchentlich ein beträchtliches Quantum Speck abgegeben wird, wurde bestimmt, daß als Ersatz dafür für die jüdischen Gemeinden des Kreises jede Woche koscher geschlachtet und jeder Person davon wöchentlich 200 Gr. Fleisch zugeteilt wird. — Die verdiente Vorsitzende unseres Frauenvereins, Frau Hermann Harf, wurde von einem herben Schicksal betroffen. Sie zog sich eine kleine Fingerverletzung zu, die eine schwere Blutvergiftung zur Folge hatte, in deren'Verlauf ihr die rechte Hand abgenommen werden mußte. Vallendar. Herr vr. L o e b aus Ahrweiler hielt hier einen Vortrag über jüdische Gegenwartfragen, der daS lebhafteste Interesse fand, ©ine am Schluß vorgenommene Sammlung für ideale Zwecke ergab einen namhaften Betrag. Der Dormer Gruretudrdolr. Am Donnerstag Len 26. Juni feierte hier Frau Wwe. Raphael Schmitz in vollster körperlicher und geistiger - Frische ihren 70. Geburtstag. Die Jubilarin war allezeit eines der eifrigsten Mitglieder unseres Frauenvereins und vor allem stets zur Stelle,' wenn cs den Besuch von Kranken, . und ganz besonders, westn es die schwere Erfüllung der heiligen Gebräuche im Trauerhause galt,-die sie mit der ganzen Hingabe ihres warmen jüdischemHerzens übte. Die letzte Hauptversammlung des jüdischen Frauenvereins hat die Jubilarin in den Vorstand gewählt und damit ihre großen Verdienste anerkannt. Wir selbst wünschen ihr von f erzen einen gesegneten Lebensabend, viel Freude an ihren indern und Enkeln, und bis in späte Tage die Bewahrung ihres frohen und dankbaren Gemüts. ' Erich Frankfurter, der Sohn unsedis Herrn Frankfurter, und Siegfried Jülich aus Godesberg haben in der vergangenen Woche am hiesigen staatlichen Gymnasium die Reifeprüfung bestanden. Der Bote erzählt; — Der Gabbaj. Aus dem Jüdische» des I. L. P e r e z. \ Müde und abgespannt von der vielen Arbeit, die er As Vorsteher 'der Gemeinde zu erledigen hatte, kam Reb Jochanan nach^Hause. Schon an der Schwelle tvehte ihm der angenehm? Geruch des ihn erwartenden Abendesiens an. das aus frisch gekochtem Fleisch und Apfelkompott bestand. Bald wu»de aber dies angenehme Gefühl durch die scheltende Stimme seiner Frau verscheucht, die ihm, sobald sie ihn gewahr wurde, zornerfüllt zuricf: „Bist du nun endlich da, du Taugenichts?" ' „Was ist denn wieder los? Was4villst-du-von mir?" fragte Reb Jochanan. - „Hört ihn nur an, seht da! Er fragt noch, was ich von ihm will! Bist du nun. schon endlich mit den Gemeindegeschäften fertig, und willst du nun endlich auch an ' ' i, toier —--i- ,An mich?" wundert sich der Norlteber hniu> dich denken. Ich es nötig, an mich zu denken? Sind unsere Kinder nicht selbständig und versorgt? Fehlt yns, Gott behüte, etwas? Ist das Zimmer nicht'aufgeräumt? die Tischdecke nicht schneeweiß, ist alles nicht sauber und fein, ohne daß ich mich habe darum kümmern müsien?"

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