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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-04 · 5 (4.7.1919) · p. Seite 44

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
5 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
Seite 44 (sequence 6)
Language
German
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ANtßtNWtG Mr-MMM». vo» Emil lloh». Wenn hier in dem Augenblick, wo der Friede seinen Einzug hält, über kriegerische- Prophetentum gesprochen werden soll, so geschieht eS nicht, um sozusagen, bevor man den Schild aus der Hand legt, noch einmal an den Schild zu schlagen, sondern im Gegenteil auS dem Gefühl der Befreiung heraus, eine Zeit hinter sich zu haben, die man nie zu sehen gehofft hatte, und aus dem innersten Bedürfnis, aus andern Zeiten für diese Zeit zu lernen. Denn in der Tat handelt.es sich hierbei um die Vermittelung einer Kricgspoefie, die, so heroisch sie klingen mag, alles andere ist als nur Kriegspoesie, die vielmehr nichts als das Kreißen einer Sicherlich engen, aber innerlich weiten, die höchsten Menschheitsgedanken tragenden Welt war. Zweieinhalb Jahrtausende ist sie alt, wir wollen das Tal des Weltgeschehens übcrbrückend den Urstimmen lauschen, die aus dem Einst zu uns herüberklingen. Wollen wir jene prophetischen Reden verstehen, so müssen wir uns zunächst'den Schauplatz, die Zeit und die Folge der kriegerischen Geschehnisie vergegenwartigen^aus denen heraus die Rede erscholl. Es ist daS ganze, große Vorderasicn vom Euphrat und Tigris bis zum Nil, vom „großen Meer im Westen", dem Mittelländischen, bis zum Persischen Golf, in dem sich jene Kriege abspielten, ein Gebiet fast doppelt so groß wie unser Vaterland, aber in seinen Maßen schier unübersehbar, wenn man bedenkt, daß es damals keine Eisenbahnen gab, und seine Teile noch dazu durch unwegsame Wüsten getrennt waren. Da schob sich die große syrische Einöde zwischen Aram Naharaim und Aram Damesek zwischen Babylon und Ninive einerseits und das damaszenische Syrien andererseits. Auch das große Südreich Egypten war von seinen Einfallstoren. den Ländern Israel und Juda, durch eine Wüste getrennt. Israel und Juda selbst waren von einer Reihe kleinerer Völker umschlossen, die die Ränder der umgebenden Steppe oder die Gestade des Meeres bewohnten: Edom, Moab. Ammon, Philistäa, Kedar und im Norden Phönizien, das England des Altertums, mit seinen Stapelplätzen Tyrus und Sidon. In diesem Gebiete spielten sich nun vom achten bis sechsten Jahrhundert v. Chr. jene kriegerischen Ereignisse ab, aus denen die Prophetenrede erwuchs, und die in ihrer Jahrhunderte umfasienden Gesamtheit nicht (Fonsetzung folgt.) zwei Jahrhunderte umfasienden Gesamtheit nicht anders als ein großes Weltgeschehen genannt werden können. Im Grunde ist es nur Las Ri^en zwischen zwei alten Weltfen, das damals allein fähig war, über des eigenen . *■» dens. um die Vorherrschaft in Vorderasien. Als dann Affur, nachdem es durch den Skytensturm den ersten Stoß bekommen hatte, unter der Gewalt des babylonischen Angriffs zusammengcbrochen war (606 v. Ehr.), da trat Babylon als der Gegner Ägyptens an seine Stelle und zertrümmerte in wenigen entscheidenden Schlägen das politische Gebäude, das die Pharaonen in Asten sich errichtet hatten. Bei Karkemis am oberen Euphrat wurde der Pharao Necho von dem jungen Nebukadnezar (604) zwei Jahre nach der Zerstörung Ninives aufs Haupt geschlagen und in sein Land zurückgcjagt. Aber auch dem stolzen Babel war der Tag des Untergangs nicht fern. Die Meder drängten von Norden nach und schlugen fünfzig Jahre später auch dieses Weltreich in Trümmer. Mit einem Worte, die siebzig Jahre von 610 bis 540 v. Chr. haben vier Welr- ^reichettehewund^rei ftürzew sehen. Dies find im engsten Umrisse die kriegerischen Ereignisie, die Israels Propheten den Mund zu gewaltiger Rede aufgetan haben. Es ist leicht begreiflich, daß diese Kriege in keinem Lande so widerballten wie in Israel und Jnstn tFi mny wie schon gesagt. daS Grenzland, das den Norden vom Süden trennte. Wie oft wurde ^s von den ägyptischen Heeren durchpflügt, die sich nach Norden wälzt-n. »nd oft Ullch prallten tn ben lsestlden Judas die Weltreiche zusammen. Was aber das wichtigste war: Weil Kanaan so die Brücke war, die voin Norden nach Süden führte, darum ivar eS ein heiß umstrittener Bollen. Wer es hielt, hielt den Riegel des feindlichen Tores. So kam es audfc daß die Reiche Israel und Juda oder wenigstenihre Könige sich öfters abs das Zünglein an der Wage vorkamen, da- Pe in Wirklichkeit niemals' waren. Jedenfalls wurden die ' Erschütterungen des Weltgeschehens nirgends so stark verspürt wie hier. Aber selbst hier nirgends so stark, wie im Herzen jener sonderbaren Männer, die wir als Propheten kennen, und deren kriegerische Reden unS hier beschäftigen sollen. Sie standen mitten drin in den Kriegen, denn man muß wissen, daß sie nicht etwa weltfremde Heilige waren, die vom mystischen Dreifuß aus orakelten, auch nicht mehr nur die Wahrsager, wie sie früher von den Köniaen Israels bei Kriegszügen befragt zu werden pflegten, sondern es waren herzhafte Volksmänner mit ausgesprochenem politischen Sinn, die aus dem Volk heraus fühlten und mit der urwüchsigen Sprache des Volkes zu reden wußten. »Jesaja und Jeremia waren jeder zu seiner Zeit eine politische Macht, sie durften Volk, Fürsten, Priester und Könige zur Rede stellen und standen am Steuer des Staates. Sir hatten eine kühle, ruhige und abwägende Politik, deren Wirklichkeitsfinn überraschend ist. wenn man ihre sonst so leidenschaftlichen Naturen in Erwägung zieht. Während das ganze Land voll unruhiger Köpfe war, mahnten sic unter klugem Hinweis auf die Nutzlosigkeit allen Widerstandes zur Ruhe und Unterwerfung unter das mächtige Nordreich. Weil man auf Jesaija nicht hörte, fiel 722 Samaria und mit ihm Israel dem Ansturm Assurs zum Opfer; weil man Jeremias Worte in den Wind schlug, ereilte 13ß Jahre später, im Jahre 586, Jerusalem und Juda das gleiche Schicksal. . . Die Bedeutung dieser Männer wird erst der ganz erfassen, der bedenkt, daß ihren Köpfen zum ersten Male der Begriff der Weltgeschichte aufgegangen ist, und es ist nicht wunderbar, sondern nur zu bezeichnend, daß dieses, man kann wohl sagen, für die geistige Entwicklung der Menschheit entscheidende Ereignis sich in jenem Weltenwinkel vollzogen hat. Nur in einem Reiche, das so klein und kriegerisch so ohnmächtig war, daß es an eine eigene Macht- und Eroberungspolitik nicht denkest konnte, konnte daS Weltgeschehen als Weltgeschehen begriffen werden. Da man national nicht mitmachen konnte, weitete sich der Blick über die nationalen Schranken hinaus zum schicksalsmäßigen Erfassen der Ereignisie. Da bildete sich im Geiste der leidenschaftlichen Söhne jenes Volkes jene erhabene Sachlichkeit, jenes großartige Darüberstchen des wahren Zeitgenos- . ... - - - olkts ,, No* Herz und Till. Köln. Der Ausschuß für israelitische-Ferienkolonien in Köln (Sitz Rheinlandlogc) erklärt sich bereit, die Unterbringung von Kindern in dem Kinder-Erholungsheim der Zion-Loge (U. O. L. B.X auf Norderney während der großen Ferien gegen den dort üblichen Pflegcsatz zu vermitteln. Der Ausschuß hofft damit, so manchen Eltern, die sonst mit ihren Kindern in die Sommerfrische gefahren sind, in diesem Jahre aber wenigstens ihren Kindern diese notwendige Erholung zuteil werden lasten möchten, einen großen Dienst zu erweisen. Anmeldungen find an Herrn SanitätSrat vr. Sternberg, Köln, Hohenstaufenring 10, zu richten. Hamm a. d. Sieg. Die auf dem Boden der Revolution entstandenen Arbeiterräte pflegen im Sieatal vielerorts antisemitische Tendenzen. Sv hat der hiesige Arbeiterrut schon wiederholt die Ausübung des Schächtens verhindert. Auch an einigen anderen Orten war das Sckäckten reit. weise behindert, freilich nur als Nachwirkung der durchgeführten Zenttalisatiön des Schlachtens. Von den An wohnern des Siegtals wird dies umso s«hmrrzlicher empfunden, als die jüdischen Kreise unseres Bezirks währerü»

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