Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 5 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- Seite 40 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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40 W»che»«dsch»M nxn Die Tttmmedes Pslnte». von 8 ade» saMe MosW^Boten au bea König von ,.«• spricht dein ^pibei Jsrcki» »u kEM da» ga-j« Elend, da» uMtfrofftn hat. Unser« Sätet zogen nach Ägypten, unCtoir wohnten in Ägypten lange Zeit. Da schrieen wir zu de« Ewigen, und ex hörte pnser« Sti»»r und sandte UW» einen Bote» und fßhrte uu» an» Ägypten. Liehe, xsun s>Äd wir in Snöechc einer Stadt an-der Grenze^eine» ßsebiete». gsfrtaj spuken. »0M öi^eÄten falt un^ÄKift ihr die und gietchgil-tz chr von einem Tag^um andaAschlePpea. dittvahryaft Edlen und Frtynmen bleWn buch nur die. die das »n des Mischen LetzKseliMs zinn ftnudig' sein ihres Dastfizs machen können, wie es Bolk der Wüste tat. das zurückdenkend und zur über Johchmüierte im sremdgewordenen Volke immer noch den Bruder sah: .Lch bin dein Bruder Israel —1". Emil Cohn. UN» doch durch dein Land ziehen. Wir wollen nicht durch Felder und Weinberge ziehen und nicht da» Wasser der Brunnen trinke». Bus der Heerstrahr wollen wir ziehen." .■-' l^dom aber -sprach zu ih«: „Tu sollst nicht durch » »eia Land ziehen, sonst komm« ich dir «it dem Schwerte entgegen." — Ta lenkte Israel ab. 4. Mose», 20. 14 fff Wie seltsam wirkt diese alle Wüftengeschichte heute noch nach 3000 Jahren auf uns ein! Zwei Völker — Israel und Edom — reden miteinander, und wir geraten in Stauueu, wenu wir daran denken, wie heute die Völker Mit einander reden, vom belgischen Durchmarsch an bis nach Versailles. Wir geraten in Staunen und gleichzeitig in die tiefste Rührung und in ein unaussprechliches Glücksgefühl, dem alten Volke anzugehören, das damals zu Edom sprach: „So spricht dein Bruder Israel!" und vom-Wege abbog. ms Edom ihm mit hartem Nein entgegentrat. „So spricht dein Bruder Israel: Du kennst das ganze Elend —!" Es sind blutwarme Worte, die damals gesprochen wurden. Und zu wem? Zu Edom. EsauS Nachkommen. desselben Esau. der von seinem Bruder Jakob durch eine Welt getrennt war. und besten Nachkommen seit Menschenaltern nichts von den Vettem in Ägypten gehört hatten. Hier appelliert Blut an Blut, ein Bruder will zum Bruder sprechen und tritt an ihn heran mit einer Selbstverständlichkeit, die eines bcsteren Erfolges würdig wäre: „Du kennst ja das ganze Elend, das uns traf!" Ist ja nicht wahr: Was wußte Edom von Jqkob und Jftael noch? Es war eine Verblendung von Israel, mit so vorausjetzungvoller Selbstverständlichkeit an Edom heranzutreten. Aber gerade, weil es so verblendet war. weil es eine Quelle zu finden hoffte und einen Felsen traf, ist die Geschichte so rührend. Es ist die Stimme des Blutes, die hier sprach und die hier enttäuscht wurde. Blut rauscht und Blut lauscht. Rauscht zum Blute hin. das es finden will, und lauscht nach der Quelle, die es im andern sucht. Kein größeres Herzweh. als wenn der Schrei des Blutes ohne Echo verhallt. Nein. sprach Edom. Und Israel lenkte ab. Wir aber, wir Kinder der Gegenwart, wir Juden von heute, sollten unser Blut nur reden lasten, so viel es will. Wer es schweigen heißt und verleugnet, verleugnet sein edelstes Teil. Wo der Gedanke frostig ist. da gibt das Blut die Wärme. Sich in dieser Wärme zu betten, ist reinstes Glück. Was wäre«! all die hohen Gedanken vom Judentum, was das Gebäude der Thora, ihre Glaubens- und Sittengesetze, wenn nicht dabei jenes unerklärbare Etwas, das wir die Stimme unseres Blutes nennen, jenes geheime Quellen des unbewußten und doch so stark empfundenen Judentums in uns wäre: EiNe Blume ohne Schmelz und ein Bild ohne Farben. Daß wir auch aus dieser Quelle gespeist werden, unterscheidet uns vor allen anderen. Gestern rief mich das englische Hospital zu einem kranken jüdischen Soldaten, der nach mir verlangte. In der Meinung, zu einem Sterbenden zu gehen, eilte ich atemlos zü ihm. Aber ich fand einen fast Gesunden, der mich strahlend empfing: „Ich Hab' so lange keinen Juden gesehen!" Der warme Sttom brüderlicher Liebe rann mir übers Herz, als ich hier einmal deutlich und herzerfrischend fühlte, doch ich am ewigen Quell des jüdischen BluteS saß und mich laben^dnrst», wie ich labtet— - Wer's nicht fühlt. wird'S strilich nicht «jagen. Aber alles sollten wir tun. um dieses geheime Regen und Wegen m uns recht lebendig zu erhalten. Möge der alte „Grenz, sperret Edom auch heute noch in unserm Lager herum- Mochnlscha». ' * Tatsache« und Ergebnisse Berlin. Am29.JmüblicktederDeutsch-JsxaelitischeGemeindeduvdcruföO Jahre seines Bej sie he ns zurück. Sein Entstehen einem Aufruf des bekannten Dresdener Advokaten Emil Lehmann verdankend, veranstaltete der D. I G. B: seinen ersten Gcmeindetag am 29. Juni 1869 in Leipzig, wo der Beschluß gefaßt würde, „eine dauernde Institution zu wechselseitiger Förderung der den jüdischen Gemeinden obliegenden Verwaltung--. Erziehungs- und Wöhltätigkeitsinsttturionen zu schaffen". Vorort wurde Leipzig. Stadttat Kohner daselbst der erste seiner Vorsitzenden. Spätere bekannte Leiter waren Jakob Nachod, Emil Lehmann. Moritz Lazarus und Kristeller. Die Zentralisierung der Wanderarmenfürsarge, die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, die jüdische Beamtrnversichcrung. die Bildung von Landes-, Provinzial- und Bezirksgem« indeverbänden. zahlreiche Stiftungen und Anstalten jüdischer Fürsorge (Erziehungsanstalt in Beelitz., Ärbeiterkolonie in Weißensee), auch die Begründung de- Gesamtarchivs der deutschen Juden sind sein Werk. Berlin. Am 25. Mai fand hier die konstituierende Versammlung des „Vereins zur GrüudlkNg und' Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft desJudentumS" statt. Di« Anregung zu dieser Gründung gab vor jetzt mehr als einenr Jahre der junge Kasseler Philosoph Rosenzweig durch eine Hermann Cohen gewidmete Flugschrift „Zeit ist'S. . .". Er wollte den vorhandenen Anstalten nicht eine neue Bildungs- und Lehrstätte hinzufügen, sondem die wissenschaftliche Einzelarbxit in großzügiger Weise systematisch zusammcnfügen. Der Plan wurde von einem Kreise intereffierter Männer ausgenommen und in sttller persönlicher Werbearbeit so viel an Kapitalien und Beittägen zusammengebracht. daß ein wenn auch vorläufig nur kleiner Anfang der Arbeit gemacht werden kann. Es soll in allernächster Zeit ein Forschungsinstitut eröffnet werden, aus dem-sich später die Akademie entwickeln soll. Der Verein bezweckt die weitere Aufbringung der Mittel» von deren Höhe die Verwirklichung deS Akademiegedankens ganz wesentlich abhängig sein wird. In der konstituierenden Sitzung wurden der wissenschaftlich^ Vorstand des Forschungsinstituts sowie der Verwaltungsrat und ein Ausschuß gewählt. Vettreter verschiedener jüdisch-wissenschaftlicher Anstalten und Verbände drückten der neuen Institution die besten Wünsche ihrer Organisationen aus. Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich in Berlin. Kurfürstendamm 133. Berlin. Ein Vaterländischer Bund jüdischst Frontsoldaten wurde vor kurzem gemündet. Er bezweckt den Zusammenschluß der jüdischen Frontsoldaten Deutschlands zur gemeinsamenAbwehr aller Angriffe, die auf ein« Herabsetzung ihres Verhaltens im Kriege gerichtet sind. Er will femer die Anstedlung jüdischer Krieger auf deutschem Boden in jeder Beziehung fördern. Er ftritb die Kameradschaft pflegen und in Fragen der Kriegsfürsorge . beraten- Mitglied des Bundes kann jeder jüdische Kriegs^ ttilnehwer werden, der zur kämpfenden Truppe gehört hL Ein Frontdienst von nur vorübergehender Dauer genügt nicht, über die Aufnahme entscheidet eine Kommission, die das Aufnahmegesuch prüft. Dieses hat sachliche Angaben über Art und Dauer des Frontdienste» zu enthalten, die