Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 4 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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32 war ein feuriger Jüngling, der leicht mit den Händen nach den Sternen griff. Der zweite, Uriel, ein versonnener und suchender Mensch, in sich gekehrt, aber freilich auch nie fertig mit sich selbst. Von Raffael, dem dritten, aber konnte man nicht recht sagen, was er eigentlich war. Deutlich war nur. daß er im Lernen und Denken nicht Schritt . hielt mit den andern beiden und oftmals, wenn Meister und Schüler sich in den erhabensten Regiionen des Lebens und der Lehre bewegten, wie aut einer andern Welt in diese Erhabenheiten herüberzustarren schien. Was nichts daran hinderte, daß der Meister ihn mit gleicher Liebe umfing wie die andern beiden und mit um so größerer Geduld. Denn sein Herz war gut. sein Auge klar und sein Leib von wohlgefälligem und geradem Wüchse. — So vergingen die Jahre. Da kam ein Krieg in- Land, der mehrere Jahre währte und die halbe Welt erschütterte. Mißwachs schuf Hunger, Hunger schuf Seuche, so daß, waS nicht vom Schwerte fiel, durch den. Hunger und allerlei Krankheit hingerafft würde. Bei all dem Jammer aber war das Schlimmste, daß das ganze Leben im Lande wie auS den Angeln gerisien schien. Alles Glück und alle Freudigkeit war von den Leuten gewichen, an iedem Herde saß das Leid und würzte die schmale Kost mft Bitterkeit, über dem Leide aber erhob sich der Haß mit seinen drei Trabanten Selbstsucht, Wucher und Gewalt und behauptete breit und frech das Feld mit letztem Worte. In dieser großen Not berief eines Morgens früh der Meister seine drei Jünger um sich und sprach zu ihnen vor der Tür seines HauseS wie folgt: „Wer von euch, meine Söhne, versteht noch' die Welt? Ick verstehe sie nicht mehr. Warum hasten sich die Leute? Warum sind sie 'so dumm, sich zu hassen, da sie sich doch ebenso gut lieben könnten? Warum so töricht, zu wuchern, zu stehlen und zu rauben,' da sie . doch alle bekennen, daß sic dabei unglücklich sind? Wenn sie nicht so gut sind, um gut zu sein, warum sind sie nicht so llug, eS zu sein, warum nicht so schlau? Wahrhaftig, ich verstehe die Welt nicht mehr. Aber eiyS perstehe ich nun: daß der weise König Salomo Rsscht/hatte^ penn er..meinte, es gäbe eine Zeit zum Reden üfld,, .gÄe.;elnq.Hejf-am»:.Schweigen. Heute, meine LohM-ls^peKstizmu.Reden gekommen-.So viele Jahre leben,wfr > nun zusammen, einträchtig lernend und lehrend, Usch selbst der, .Krieg - hat der liebevollen Stille unseres nichts.anhaben können. Ich'wareuer-Reister,, ihr Ae Kst istigekommenj da ihr versuchen ister zn.stin.. Denn, ftht» .die. Welt brascht ..zurückzsftnden. zu . sich selbst,. -Fern« sei Br bon, mir, euch wie der Ouckuck seine Jungen au-idem Kste..»», wtrsen,. ohne'vyxhxr Mt. /uch «ine». A«g: über , versucht'zu Haben,So ziehtdenn, heut« ein, mat .auS Md predigt den.Kuteq, Md-beftzrt Peid^iebssvoll.z^ ihntzu^denu. nichth-Mdtz Liebe ..t^her-Welt. onne über den Wald. ©.»«*$-,rMNrktÄß,«uch» Vielleicht, daß wsr Mt tzerrsrntzenden, Mype die West.bester verstehen alS setzt. Vielleicht nur wenig, aber wenig ist viel in einer Zeit, meine Söhne, wo viel so wenig Ist. Lebt wohl!" — Mit tzr weis« Misters'' ßp'ttoch da Miede. M kebektsitz^p . . Mw' hineliu — — nidijib te-.hort ^steigt.-herrlichMch ugroß ^dir " a.K stz ' jörten^stanett M W seW-lnöchE'"»-«; «»"anzufäitWt' nÄV. Weil« standen bliSM- HWuvesMnWt'Mj: hje plötzlsche stochenWsckhsm^chillh .WtMch Mp Ml ^Wechschyin m Mb ItitTRF hatten ©fthtf 'f chütteKrdMEit MBus Gemach: „Meister", rief er, „Meister! Ich habe dch». Leben nicht gekannt, aber mm.kenne lch e-l Die Welt war mir verschlossen, aber nun sind mir ihr« Tore aufgvsprungen! Meister, die Menschen find' gut!" Der Meister ließ die stürmische Anrede über sich ergehen. Dann begann er zu fragen, und nach mannigfachen Versuchen, hinter die Wahrheit zu konunen, waS bei den sich überstürzenden Äußerungen des begeisterten Jünger» nicht ganz einfach war. erfuhr er schließlich die Erlebnisse Gabriels. Gabriel war auf den Marktplatz der Stadt gegangen und hatte dort einfach zu reden angefangen. Leute hatten sich um ihn gesammelt, die seine» Worten lauschten, und da mit den Worten ihm der Worte Leidenschaft gekommen war. so hatten Hörer sich zu Hörem gesellt, und schließlich war eine unübersehbare Menschenincnge der Gewalt seiner Rede erlegen. „Sie haben geweint, Meister, sie haben alle geweint! Sic haben inir die Hände geküßt, sie haben mich auf den Schultern getragen! Meister, sie haben mich auf dm Schultern getragen!" „Und was sagtest du ihnen?" fragte der Meister. „Der Mensch ist gut! rief ich in die Menge hinein und rief cs immer wieder: Der Mensch ist gut! Und dieser Krieg eine Lüge, ein Traum, ein Schlaf, der Albdruck der schlafenden Menschheit! Wacht auf zur Güte! Menschen, wacht zum Menschen auf! Menschheit zur Menschlichkeit!" „Und dann? Was sagtest du dann?" ftagte der Meister. .„Und dann? Hörst du denn nicht, waS ich sage? Ich rief die Mmschheit zur Menschheit zurück, ich schlug den Haß mit der Rute der Menschenliebe, der ewigen, großen, herrlichen Menschenliebe, Meister! Derselben Menschenliebe, die du unS gelehrt!" „Wohl!" sagte der Meister, „ich verstehe dich und' bewundere die Kraft deiner Rede, die die Menschen bezwang, woran ich nicht zweifle. Sie werden noch lange von dir reden, Gabriel." „Sie haben mir die Hände geküßt, Meister, und mich auf den Schultern getragen!" „Du bist begeistert, wie du begeistert h a st. Ruhe dich auS, Gabriel!" sprach der Meister. Gabriel ging. Aber als er zur Tür hinaus wollte, öffnete sie sich leise, und herein trat Uriel. Er kam nicht allein. Eine Anzahl Jünglinge und Männer in ärmlicher Wzdung folgten ihm und hielten sich in scheuer Entferfragte der Mejstcr. . {$■ llriel: fächelt«/, und, der Meister bemerkte, daß er glücklsch„-wenn ouch.^in ,bißchen müde aussah. Er begann zu re»en^ und. feine DtijnM.-pap voll sanfter Entsagung. -«Jchk<kiM-!Üpev!<^,uMarktv'-MeGer, und durch alle Gassqm Jch sah iyndie-Heimstätten der Menschen hinein und lauschte ihrem Reden unter dem Tore. Aber, wohin ich-Mn^ttat Pi):.^>i«>SMUucht.entgegen, ich sah, wie die Großen-, ,bi«, Kiemen,,-drurkten,,und, sah . iw Auge aller den «»,. JWHKn..,, Äcmctjjtrojti mit, jotfaifo.,, ÄMmHh ihr; » Waisen. Kin Md. noch kleiner Mztv «rnemjiund.affe- Wucherten Gesdq jpylltey sie, sgnhprn, auch Reftr, sollte ihr Wort, ihre mit deS ZSMW8W M um ivW-«g, im ijiifbltrhr.: WUUlil