Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 4 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
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— 31 - 8’nt Sprache hatten, die fie keineswegs von den ädrigen Llkern de- Landes und dtfit umgebenden Stämmrs- MtUmaiihr lchhov. Vielmehr verhielt sich Hebräisch zu Phoüikisch, Annnonttisch usw. nicht ander-, wie die heutschm Dialekte untereinander verschieden find; und durch der« Eprachunterschiedr waren ft)gar die einzelnen jüdi« Gtälmnr g^ennzeichnet. Wir stellen aber fest, daß trotzdem keine gemeinsame kanaanätsche Literatur geet Mid erhalten hat, sondem trotz ihrer Sprächnähe mit dm Adrigen Landesstämmen bildeten die Juden eine eigene' \ geistige Gemeinschaft, für die gewaltige Denkmäler zeugen. Schon um 600 v. Chr. begann jedoch das Hebräische lang« süM verdrängt zu werden. Die öffentliche Verkehrssprache rM vorderenOrimt war das demHebrätschm nahe verwandte Aramäisch und aramäisch begannen auch die Juden zu sprechet!. Allein auch hier hat nicht etwa die Sprache die Juden in die GeisteSwekt des alten Orients hinetngezogen, sondem in dem sog. JudeNaramäisch haben die Juden sich die starke Nachbarsprache zu einem eigenen Jdivni umgestaltet: die erste eigentliche Judensprache war eine Fremdspräche. In ihr und dem reinen Aramäisch ist die bedeu« tende reliFbse Literatur der babylonischen Juden geschaffen. Schon im Äuche Esra, Daniel u. a. befinden sich rein aramäische Stücke. Sogar Dolksaebrte (me z. B. das Kaddtsch) mußten aramäisch verfaßt werben. Ilm die Bibel verständlich zu erhalten — denn die synagogale Sprache sollte Hebräisch bleiben — mußte fie ins Aramäische über« setzt werden. Das Aramäische galt alheilige Sprache und eS wird sogar der Satz aufgestellt, Adam und Eva hätten jm Paradies Aramäisch gesprochen Und trotz alledeni hat sich in dieser breiten Allvolkersprache dar Judentum mit Mschnah und Talmud typisch erhalten. — Das Aramäische wurde abgelöst dmch düs Griechische, und MN 200—100 V. Ehr. ist die Kamiliensvrache der Juden, auch in Palästina, zweisprachig: araMaijch und griechisch. Die Bibel Wurde ins Griechische übersetzt (Septuaginta). Ja, die Inden wurden hervorragende Mitarbeiter in der hellenistischtti Geisterwelt. Das Griechentum schien dem Judentum zur Manabäerzeit, bis zu Herodes, fast gefährlich zu werden. Aber auch diesmal siegte der stärkere jüdische Bolks- «ift der die fremde Sprache zwang, und im „Judengriechisch" habest dir Juden ihre Sonderart weitergepflegt. — Wie im Aramäischen der jüdische Geist fich besonderen Ausdruck gegeben hat» so auch in der daö Judenartechisch verdrängenden arabischen Sprache. Wir erleben wiederum, büß diese Sprache, die doch höchste Brauchbarkeit im poetischst, wissenschaftlichen und Btrkehrsleben erwies, diese Sprache, die eine ganze Welt in ihren Kulturkreis eingezäunt hat, die auch den Inden Familien- und Schriftsprache .wuttw, gerade herrlichen Werken bewußtester jüdischer Prägung AUsdrucksfortN und Wiedergabe gewesen ist. Und seit dem Beginn der spanischest Periode in der jüdischen Geschichte hebt eine SprachentwtÄung im Judentum an, wie fie die Welt noch bei keinem Volke und zu keiner Zeit gesehen hat. An drei verschiedenen Zentren haben fich die Juden aus den Landessprachen eigene Volkssprachen geschaffen, die die Judettheir fest von der umgebenben Umwelt abhoben uttb noch abheben, die eine Literatur besitzen, deren An- «tkeNNüttg in bet Weltliteratur für die Bedeutsamkeit ihrer Sprache Zeugnis ablegen. Schon in talmudischer Zeit setzte sich bei den aramäisch ttdenden Juden iaHerfien hie Msische Landessprache durch. ttre Verfolgungen brachten diese Juden in den Kauka-- nach Indien, sogar bis nach China. Es waten Alben. Mt Bildung und getsfiger Regsamkeit ihre Unuvelt durchfen. Ihre AnWnvettlhg begründete auch die , grufinischen rtnd andere Judenfie!^ che HkiMtüsplilche. vor alleck das Mt n fie rrhüllen. dlslMtzl mit P ' ogar inmitten dir kildischen bunten tertün^jche ,,^üd j s ch. P^r s i fch W daS ist eine lche.'dit noch'viel Sprüchgüt enthält, däS dem mischen vttloren gegangen ist. Zuck« die hoch. ^e^yden bucharischen Alben pflegen eine jüdisch-persisch« ^zweite große Judensprache ist das Gpagnolisch«. entstanden auS dem Spanischen, Portugiesischen, dem Süd« französtstben, Italienischen und andern romanischen Sprachen, in den Formen, die fie im 15. Jahrhundert hatten, mrmischt mit etwas Arabisch und viel Hebratsch. Mit großer Treue haben dir scphardischen Juden auf ihrer Wanderung nach Nord- und Osteuropa und Nottmfttm, später nach Dorderafien ihr Spagnolisch mitgettagen und in völlig üttderssprachiger Umgebung inmitten Holländisch. Tmktsch u. a. erhalten. Nur ist es ihm nicht möglich gewesen — so wenig wie den anderen Sprachen der Juden — das syna. gogale Hebräisch zu verdrängen. DaS Spagnolisch« hat tinreiche Literatur, auch, in Zeitschriften und Tagespresfe bestehend. Die bedeutendste der drei jüdischen Golussprachen ist in Deutschland entstanden. Hier hatte fich schon, ehe die Juden ins Ghetto kamen, besonderaber natürlich nachher in dieser gewaltsamen Abschließung, eine eigene Sprache btt Juden entwickelt, die es den Juden ermöglichte, ttotz wirbschaftlich enger Verkettung mit der deutschen mittelalterlichen Stadt- und Landbevölkerung, ein eigenes nationale- Lebt» fortzuführen. Während jedoch nach der Öffnung de» GhettoS infolge der ftanzöfifchen Revolution die deutschen Juden ihr „Jüdisch.Deutsch" bald als minderu>ettig fc trachteten itnb auch ganz Natürlich ausgrben mußten, sodat es heute für urtS deutsche Juden fast tot ist, lebt birst Sprüche ick Osten — dort .^Jüdisch' genannt — bei einer jüdischen Müsst fort, die über die Hälfte der Juden schon dvn Und ist ihrer Beltverbreitung weit über drei Mettel der Judenheit überhaupt umfaßt. Macht schon allein dieser Umstand das Jüdische zu einer wichtigen Tatsache im jüdi» Sen Geistesleben, so komnit der utterhötte literüttsche Aufwung noch hinzu, der die Dichter des Jüdischen in die vorderste Linie m Weltliteratur getragen hat. Ferner ist die Bedeutung der Sprüche für das jüdische Volkstum und ihre Zukunft so in den Vordergrund deS politischen Tages« interefies gerückt, daß diese-Gründe es rechtfertigen, uns mit deck Udischen noch ausführlicher auseinander zu setzen. Es ist allgemein bekannt, daß auch das Hebräische als VolkSsprache seine Auferstehung in diesen Zeiten erlebt, und wenn es schon deswegen eisttt besonderen Würdigung des Hebräischen und seiner Werte für un». Juden bedarf, so haben wir auch dieser Frage der Zukunft einer Sprache btt Juden näher zu treten, zumal heute ein Wettstreit zwischen Hebräisch und Jüdisch di« Gemüter aller an der Zukunft de» Judentums interessierten Kreist mit Leidenschaft erhitzte Zweck dieser einleitenden Untersuchung war es, festzw stellen: Da» sprachliche Frtmdleben der Juden ist alt. At haben allerorts die Sprache ihrer Umgebung angenommen und dtkst in Formen gegossen, die stark und eigentümlich find; in denen fich ihr Geist auslebt — find Juden geblieben. Nicht Sprachen konnten hier wie bet den andern Völkern eine Gemeinschaft erbauen, die Gemeinschaft hat sich das ihr gerechte Werkzeug gebildet. Sprachen kommen und Sprachen gehen — Israel bleibt. - , . £jtf große ulrd die trieinr Wrnschenlirvr. Gin» jüdisch« Lrgendr von Emil Bernhard. ES war einmal «in weiser Mann, der hatte tat Schüler uM mehr rgollte «. Mckrchaben-- Aber auch nick weniger. Denn er pflegte zu jagen r „Ein Schüler — ker Schüler, zwei Schüler — halbe Schüler, drei Schüler — wage Schüler, vier Schüler — kein Lehrer." Diese drei rum liebte « vow ganzem Sergen und ganz« :le und widmet« ihnen nicht nvr sttnr Lehre, sondern fein volles Leben. (fr-Milt sie schon ul» Knaben gn ihn« in emen. lebt« mit ihnen in einem alten, hohen verbrachte in der »ixlsten und liebevoffsten Gemit ihnen sein« Tage. - Die Schüler dieses weisen Mannes aber waren ihrer Näkik und Art nach ganz verschieden. Gabttel, der älteste.