Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 4 (27.6.1919)
- Date
- 1919-06-27
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
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30 in den Verkündern dieses einen Gottes fest wurzeln gemocht. Und so war für die Jahrtausende hindurch im jüdischen Stamm das Fundament für ein Selbstbewußtsein gelegt worden, das sich als unzerbrechlicher bewährt hat'denn der hochgemute Sinn jeder andern Nation. Von jenen frühen Tagen, von den Zeiten der Propheten an, gings unfern Ahnen auf, was ihre Enkel durch die Fülle der Jahre hindurch bleiben sollten: die Schwimmer gegen den Sttom. die eigenen Köpfe und die eigenen Herzen. Ein ungeheure- Schicksal ward so auf uns gelegt, daß wir es tragen sollen. anders zu sein wie die uns umringende Menge, auf- «en durch besondere Prägung und eigene Art. Der .emitiSmus ist so alt une das Judentum in der Zerstreuung. Wie sehr die Bilder sich wandelten: das Bild blieb immer dasselbe. Biele Gründe hat man dafür angeführt. Und wenn die Denkart der heutigen Zeit dawirtschaftliche Prinzip besonders unterstreicht, — so ist das doch bloß eins von vielen. Religiöse, nationale, Rasicngegensätze, unwägbare Gefühlsvarianten, nicht abschätzbare und doch so tiefgreifende Unterschiede in der Auffassung gar fiiancheh Dinge des Lebeüs, Unbekanntheit mit uns und unserer Art haben das zulvege gebracht, was wir ja alle ans eigenstem Erlebnis kennen. Je mehr aber im Wandel der Kultur die gröberen gewalttätigeren Verfolgungen nachließen, je mehr die jüdischen Körper der Gefahr entgingen, totgeschlagen zu werden, je seltener daS blutige Martyrium ward, desto feiner, qualvoller, unerträglicher imirden oft die seelischen Leiden. Das lag weniger an der Bosheit der Gegner als an unserin Verhängnis, daß unsre positiv jüdische Empfindung immer schwächer wurde. So lange wie bei den Makkabäern oder H den mittelalterlichen Jude» oder chei unser» Glaubensgenossen in den östlichen Barbarenländcru das jüdische — religiöse wie nationale— Gefühl ungebrochen und unanaekränkelt im Herzen wöhntc, so lauge zwischen unserm Jude-sein und Mensch-sein die klare und eindeutige Beziehung der Gleichheit herrschte, lag gar kein seelisches Problem zur Lösung vor, kein zu überwindender Zwiespalt, sondern einfach die Frage der gleichsam körperlichen. materiellen Selbstbehauptung. Man hoffte in besonders dunklen Stunden auf hellere, in denen mau wieder unangefochten Jude sein konnte; das war alles. Wie verschieden aber gestaltete sich die geistig seelische Situation dort, wo der Nerv der jüdischen Empfindung nicht mehr intakt war, wo das Judentum nicht nur den andem zum Problem, wo es sich ftlbst zur Frage geworden war. Fragen haben immer etwas Beängstigendes an sich; denn mau muß sie entscheiden. Viel ruhiger, sriedsamer, behaglicher lebt sich's nicht fragend, ungefragt. Aus dieser trotz allem gemütlichen Lage aber wird in diesen. Tagen die gesamte Weltjudenheit herausgerisien durch die nirgendwo mehr zu umgehende Notwendigkeit zu antworten, auf Fragen zu entgegnen, die sich unhemmbar in ihr geistiges Feld schieben. Sie gipfeln in der einen, sie alle umspannenden: Ist die jüdische Idee, die ohne die jüdischen Menschen sterben muß, so wertvoll in der Fülle der Weltkulturideen, daß sie unbedingt errettet, unbedingt gepflegt. «bedingt durch alle Reihen der Geschlechter vererbt werden muß? Oder lallen wir kapitulieren? Oder die gleiche Frage in andere Form gewendet: Ist das Wesenhaste des jüdischen Menschen ein Gut von solcher Bedeutung, von solcher Tragfähigkeit für alle die ihm aufgepackten Bürden und Lasten, daß dieses Wesen es verdient, koste es, was es wolle, müßte die Seele noch so leiden, der Menschheit »halten zu werden, um seiner selbst, des jüdischen Wesens, willen und ebenso ihr, der Menschheit,- - Da» ist nun die modernste Wendung des jüdischen Problem-: Es wird jetzt angesichts des befreiten Ostens das Jude-lein auf Erden nirgendwo mehr aleine Selbstverständlichkeit empfunden werden, al- Sache der durch viele Gesterationen zur Natur ukeickckastn keMerönnennnv-bnns.lnw_ den Strömungen der Zeit werden überhaupt nicht mehr vor e t ner jüdischen Seel« Halt machen. Wie tpMderbqr sich di« Geschichte der Gedanken zuweilen wiederholt! Wie wirS sagten, war eS eine der großen weltgeschichtlichen Taten des biblisch-prophetischen Gelstrs. daß er im Bekenntnis zu dem einen Weltengott zum erstenmal das Gefühl einer persönlichen religiösen Überzeugung entdeckt hat. In unvergleichlich schwierigerer Lage des Geistes wird der jüdischen Menschheit noch einmal ein solches Anfinnen gestellt. Aber die Losung ist heute nicht: Hie Gott, hie Baal, hier der eine geistige Gott, hier Götzen von Stein und Holz; sondern das tausendfach erschütterte, von Ztveifel und Gleichgiltigkeit angenagte Bekenntnis zum jüdischen Stamm und (Rauben soll mit' aller Kraft der Seele bejaht werden innerhalb der übermächtigen, alles gleichmachenden Weltkultur unserer Tage. Jst's immer ein schweres Sttick, einsam eine Überzeugung zu hegen, mit seinen Gedanken allein zu sein, so wird nunmehr diese Behauptung des eigenen Selbst, daschon angeknickt und geschwächt erscheint, zur schwersten Aufgabe? Wird sie gelingen? Wir rühmen uns keiner Provberenaabe, ^sber^vlle. die jüdisches Sein vom Herzen aus keunen darum mit dem Mut der Treue in sich hegen, werden es als uncrttäglich empfinden, wenn das uutergHen sollte, was ihnen Leben und mehr als Leben, bedeutet. Und wir glauben, am Größten, ain Heiligen und Göttlichen gibt es keine Tragik des Todes, sondem nur. die leuchtende Wahrhaftigkeit des Lebens. Ob-Gott mir armem Menschen hilft, das mag ich hoffen und glauben. Ob er aber sich selber hilft, ob die Wahrheit aus dem Getümmel der vielen Wahrheiten und Lügen sich nicht zum Ruhm ewigen Seins zu erhöhen weiß, — das ist nicht mehr der Gläubigkeit fühlender schwacher Menschenherzen zur Bejahung archeimgegeben, — der Weltgeist selber wird in di« Schrankenderufen, seine Sache zu führen. Es ist die Seele der Frömmigkeit, den Ideen mehr zu trauen als den Dingen, der Wahrheit lieber zu glauben als der Wirklichkeit. Die Weltgeschichte des Geistes ist darauf gegründet, Gott selber immer Üarer zur Offenbarung zu bringen, und der Sinn menschlichen Seins darin verankett, zur höheren Ehre, Gottes zu leben. Darum glauben wir dem Propheten, daß'an „jenem Tage" Gott als einzig und sein Name als einzig erkannt sein soll und daß seine Erkenntnis die Erde erfüllen hrirb, wie Wasser die Meeresticfeu bedecken. Das zu erfüllen ist Gottes Sache. Unsere icher ist es, zu bleiben, nein, immer mehr zu werden, was wir sein sollen: tpills Gott» immer die Wenigen unter Viele», doch in seinem Namen, aber auch in der Tiefe einer stolzen, vornehmen Seele zu fühlen: Viel Feind', viel Ehr'! ^_ Die Spracheiftagr der Jupe». Bv» 0mg Stafctitr. I. Vielleicht wundern sich unser« Leser, daß es eine Sprachenfratze der Juden -geben kann, und ein solches Erstaunen ist auch nicht unberechtigt. ES zeugt von der anormalen Lage, in der sich die Judenheit «findet, daß diese Kulturerscheinuna ein« „Frage" geworden ist. Bevor wir die Bedeutung und die Zukunft dieses Problems untersuchen. wollen wir jedoch kurz einmal daS Verhältnis der Juden zu ihrer jeweiligen Umgangssprache beleuchten *). Die Rolle, welche die Sprache im'allgemeinen im Leben eines Volkes spielt, ist ungeheuer. Sie umgrenzt den Kreis derer, die sich überhaupt geistig begegnen können. Anderseits ist die Sprache auch ein Faktor, der die verschiedenartigsten Menschen in eine Kulturqemeiuschaft zusammenführt. ] Das aeht «JwHi wtrd. baß die «Ärache das Band ist, das zuvörderst di« Glieder eine- Volkes, einer Nation umschlingt und sie LI« AtNAtt AmmILaII 4*.^Xl (V..C LI. f "Ei «V wart. Den mei, den tzeuendqf Heinrich itben läßt sich och^LÄHen.— unbekannt, daß bir nig-herrlichkeit in Kanaan ftr bkW «ju auf taj rl Wr Juden" a ijtjcit