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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-06-27 · 4 (27.6.1919) · p. Seite 28

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
4 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
Seite 28 (sequence 2)
Language
German
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Hält er sich dem Gotteshaufern: — Korach! Schimpft er auf die Gemeinde: — Korach! Und fehlen ihm die Gefühle der Achtung. des Ernstes, der Ehrfurcht, des Gehorsams:— Korach! Korach! Korach I — Und Korach ist Jude, ist zum Typus geworden für alle- Schlcchtjüdische. so sehr, daß man die Geschichte von den, Empörer, der sich auf die Au-erwählthett des gesamten Israel bcrufeird gegen Moses» den durch ftjne persönliche Größe und die Macht seines Geinütes Auserwählten, auflehnte. fast vergessest hat. Das ist ein guter Beweis für die Kraft des volkstümlichen Empfindens, das in unserer Rasie steckt. Ein Name kann zur Fahne, ein Name zumSvrüch wort, ein Name auch zur historischen Vogelscheuche rverdcn. Und eine solche historische Vogelscheuche ist Korach geworden, außer ihm nur noch einer bei uns: Haman. Hier der Jude, dort der Nichtjude, der äußere und der innere Feind Israels, so stehen sie da, riesengroß, ^ja ins Schlechte noch hinaus- ' gewachsen über sich selbst, schlechter auf alle Fälle, als sie ursprünglich waren, ewig verlacht, gefürchtet und gehaßt, aber auch ewig unsterblich, so wie sie sind und wie sie sich beide die Hände reichen über die Jahrtausende hin. Wie aber kommt es, daß eine in der biblischen Erzählung so scharf umrissene Gestalt wie Korach im Volksbewußtscin sich zu solcher Vieldeutigkeit wandeln konnte, daß der Geizhals wie der Empörer, der Knicker wie der Emporkömmling sich heute um den bedenklichen Ruhm dieses^ Namens streiten? Was hat der Geizhals mit dem Frechling zu tun? Auch hieraus können wir einen schönen Beweis entnehmen für die sittliche Reinheit und Gesundheit-mrseres Bokksempstndens. Geiz. ^mpörung, Roheit, Spottsucht, Habsucht und Unjudentum waren uns immer ein mid dasselbe. Nichts anderes nämlich als das harte Herz, das immer das uiijüdischc war: das Korachherz von Stein. Aufs Herz kommt cs an, spricht das Volk, auf das iveiche, feinfühlige, in Jahrtausenden von Leid und Not geknetete und geformte jüdische Herz. Hundertfach ist es besungen tvorden, dieses jüdische Herz, auf das der Jude sich immer etwas zu Gute getan hat. Nur hat inan das SchMigewicht dabei immer auf die Wohltätigkeit dieses Herzens gelegt. Das wundervoll Feine aber liegt doch darin, daß das Volk allezeit auch das wirkliche Unjudentum, den mangelnden Stolz, die Gleichgiltigkeit gegen jüdische Dinge, die Verachtung der Vätersitte auf das harte Herz zurückgeführt hat, d. h. innere Beziehungen und Gebundenheiten festgestellt hat zwischen Sitte .und Sittlichkeit, zwischen Blut und Geist. Ob er knickerte, oder seür Judentum verachtete, ob er dem Armen die Tür wies oder sein jüdisches Nest beschmutzte, Korach blieb Korach. Und o solls weiter bleiben. Mag mancher Unjude gutherzig ein und mancher feste Jude ein rechter Filz, irgendwo hapert-es nnt seinem Herzen, seinem Fühlen doch, das Koracherbe rumort in ihm. Erst wenn ein jüdisches Herz ganz jüdisch und ganz herzlich ist. ist der Korach ül«erwunden und der Jude vollendet, denn erst dann ist das Herz herzlich, weil es jüdisch ist, und der ^tzlde jüdisch, weil er recht von Herzen herzlich ist. Emil Cohn. Wochenst-a». Tatsachen und Ergebnisie. Berlins Sonntag den 15. Juni tagte in Berlin der Delegiertentag des Verbandes^e^-tLd^ s ch e r^Jn-g-e^dne rrttre Deutschlands. Me Tagung wurde beherrscht durch die Frage der Aufrechterhaltung der Neutralität. Der Verbandsvorsitzende vr. Apftl schlug ihre Aufgabe zugunsten einer stärkeren Betonung der deutsch, vaterländischen Aufgaben vor. Nack stürmischen ^dellen-au-^üen Lagrrn^ör^llem das Wort ..deutsch. stimmig beschlosien. In einer tyetterül Resolution wurde ebenfalls einstimmig gegen den Abfall durch Taufe Pud Austritt Stellung genonunen. . - - « » # Me antisemitisch« Hetze im Reiche hält an. In masienhaster Zahl werd« in Berlin und ändervärt» Hetzblätter verteilt, wobei sich der „Verein für Volkßauf. klärung" besonders hervortutder die, Blätter mit da« Rufe „Tod den Juden!" von Soldaten und Zivilisten verbreiten läßt. Blitzartig beleuchtet wird die Lage durch den sozialdemokratischen Parteitag in Weimar, wo man es unwidersprochen wagen durstendem an« gesehenen Eduard Bernstein nicht nur „talmuoistische Methode" (Adolf Braun) vorzuhalten, sondern auch seine Reden „als vom Standpunkt einer Rabbinerkonferenz auf» gemacht" (Hermann Müller) zu kennzeichnen. Mes ist umso bezeichnender, als inan damit die Antideutschheit seiner Reden kennzeichnen wollte. Warschau. Me Pogrome dauikk an und werden ebenso andauernd von der polnischen Presie geleugnet. In Czenstochau und Kolomea wüteten die Soldaten furchtbar unter den Juden. All dies geschieht nicht nur mit Wissen, sondern mit Willen und Vorbedacht der polnischen Regierung. Das Mandat des kühnsten jüdischen Vorkämpferim polnischen Landtag, Prilutzki, wurde für ungiltig erklärt. Paris. Nach erregten Diskussionen beschloß die Friedenskonferenz den Schutz derethnischenün breiig iösen Minoritäten in den zentraleuropäischen Kleinstaaten durch den Völkerbund. Der Führer der Opposition der Kleinstaaten war Bratianu, dochbeyarrjen Wujon und Clemenccau darauf, da sie die volle Verantwortung für den Frieden und für ein künftiges System der Gerechtigkeit trügen. . London. Mm Unterhause wird ein neues Fremdeneinwanderungsgesetz vorgelegt werden, wonach kein Ausländer ohne Erlaubnis eines Auswanderungsbeamten in Großbritannien wird landen dürfen. Me Erlaubnis zum Betreten des britischen Bodenwird Mittellosen sowie aus Gründen der Gesundheit unerwünschten Ausländem vertveigert lverden, ebenso denjenigen fremden Staatsangehörigen, di« wegen eines Vergehens verfolgt werden, das die AuÄieferUng erheischen tvürde. Das Verbot erstreckt sich nicht auf Ausländer, die mit einem Fahrschein-nach einem anderen Lande versehen, durch Großbritannien reisen. DaS Reglement sieht ferner die Schließung der von verdächtigen Elementen besuchten Klubs und Wirtschaften vor. Dieser Schritt wird als verhängnisvoll für die meisten jüdischen Auswanderer angesehen. da sie als mittellos dieser Grenzschluß zuerst treffen muß. ... , Ainch. Das politische Komitee des internationalen Frauenkongresses in Zürich, an dem über 170 Delegierte aus 14 Ländem teilnahmen, unterbreitete dem Präsidium unter dem Vorsitze von Miß Jane Addams (Chicago) nachfolgende Resolution betreffs der Judenftage zur Annahme durch den Kongreß: „Der internationale Frauenkongreß erkennt den internationalen Charakter der Judenftage an. Er fordert, daß in Übereinstimmung mit dem Selbstbestimmungsrecht die Stellung der Juden auf folgenden Grundlagen international geregelt wird: Vollständige Gleichbercchtigung der Juden in allen Ländem, Gleichberechtigung beim Wiederaufbau der durch den Krieg heimgesuchten Gebiete. intemationaler Schutz der Juden und aller andern nationalen Minderbeiten^lLgen Physis,hm.» fnfipnijipTtBlr bmlschäftlicheUnterdrückung, Gleichberechtigung der Juden bezüglich der Ein- und Auswanderungsfrelheit nach und aus allen Landern, nationale Selbstverwaltung auf der Grundlage des Nationalitätenprinzips und der nationalen i^"chbenchüMW^j>en Provinzen^und Genretndenaller 7°Ewohln btt Juden sieben Ehrung In* Mwttg- Palästina eine eigene Heimat zu unter dem Schutz und cher Kontrolle de- Völker- KS AAnü^lfen der übrigen Bevölkerung des muk Vtttrefttng der Juden im

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