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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-06-20 · 3 (20.6.1919) · p. Seite 21

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
3 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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- fl - :. 7, beherrscht und geformt Horden. Darauf "ist immer wieder fjhtyutttifen und umso^deutlicher, als der neue Jude sich vielfach gerade gegen diesen Gedanken ablehnend verhalt, weil er seiner Meinung Nach den Fordemngen einer modernen Ethik nicht Stand hält. Und doch ist ohne ihn der Begriff der Helligkeit und Heiligung — der Kernbegriff des jüdischen Gesetze» — undenkbar „Wenn ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten werdet, so sollt ihr mir ein Eigentum sein vor allen Völkern, denn mir «hört die ganze Erde; und ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern" und ein heilige- Volk" (S. Mose, IS, 4-6). Dieser Ruf zur AuSerwähluno ist recht eigenttich der Inbegriff des ganzen jüdischen Gesetzes: Israel ist Gott e S V o l k, damit war alles gesagt, darin steckte der Sabbach, der nichts anderes als der auserwählte Tag war. darin > steckte die Levitenlehre, die nichts anderes als die Lehre des auserwähtten.Sta«w^,w«»/darin:üe^ die Lehre von Gott als des Menschen sittlichem Ideal, und die Lehre von der Heiligung des Lebens. Auch die ganze Lehre vom hebräischen Snaven. der im 7. Jahre frei auSgehen mutz, well er als „Gottes Kuecht" nicht Merischenknecht sein soll, hat hier seine Quellen. Und aus der Überleitung des Begriffs vom Volke auf das Land ergab sich die Lehre vom „auserwählten Land", das Gottes Land ist, auf dem Israel nicht» als Erbpächter kein kann, das deshalb seinen Sabbath haben mutz, wie der Mensch seinen Sabbath hat, und unverkäuflich ist, wie der Sohn des auserwählten Volkes unverkäuflich ist, mtthin die ganze soziale und agrarische Gesetzgebung der Thora. All dies find aber mehr, oder weniger bekannte Tatsachen; was. aber eigentlich noch Nit so recht beachtet wurde, ist die Kraft, mit der dieser; Gedanke sich allmählich in der Geschichte Israels durchgesetzt hat, vor allem, wie er sich von Uranfang an in den Geschehnissen spiegelte und ihnen sein Gepräge gab. Das Ergreifende unserer Urvätrrgeschichte z. B. liegt darin, datz sie etwas so Ewiggiltiges, so erhaben Sinnbildliches an sich har. und datz sie deshalb — allen Behauptungender Bibelkritik zum Trotz — von so unerhörter Wahrheit ist. Fragen wir aber, woher diese Wahrheit stammt, so stoßen wir immer wieder aus den Gedanken der Auslese,'der sie beherrscht und durchwaltct bis in die letzten Poren hinein. Wir alle haben in der Schule uns von Abraham, Jsak und Jakob erzählen lassen, haben uns'rühren lassen von dem Zauber des Altväterischen, der von all diesen Geschichten ausstrahlt. Und doch getvinnen diese Geschichten noch einen viel reineren Schmelz, wenn wir sic vom Sinai her betrachten, d. h. unter bem Gesichtswinkel der Auslese. Man könnte ein ganzes Buch schreiben mit dem Titel: „Der Jüngere in Israel", und würde damit nichts anderes als die Geschichte der jüdischen Ideen schreiben. Der Jüngere: Da wird ein Mann, ein Hirte mit Namen Abraham, aus dem Schatze seiner Familie heraustehoben. und ztvar um einer Idee »villen, einer reltgiöS- Itttichen Idee, der er zum Durchbruch und Siege verhelfen oll. Der Mann, lange Jahve kinderlos, bekommt schlietzich zwei Söhne, Jsmael, den Älteren, den Sohn der Magd, und Jsak. den Jüngeren. Was geschieht? Die Magd mit ihrem Sohne tvird verstotzen, der Ältere mutz dem Jüngeren weichen.. Jsak hat zwei Söhne. Ejau und Jakob. Was sehen wir? 'Jakob erhält statt Esaus die Erstgeburt und de» Vaters Segen. D. h. er gewinnt sie sich, gleichviel mit welchen Mitteln. Um emerJdee willen mich wieder der Ältere -enwJüngeren weichen. . Zwei Rechte sind da, die mit einandgHjstreitem,-)»^ Liecht der Geburt im wilden Jäger Esau, das Recht der Jifteim sanften Hirten Jakob. Jakob wandert'm'die Fremd«?? findet dort zn»ci Frauen. Lea und Rahel. die Ältere mutz weichen vor der Jüngeren. Jakob müßte Rahel mehr lieben als Lea, aus seinem Leben heraus mutzte er das. Jakob kehrt heim nach Kanaan, zwölf Söhne find in seinem Haus«, .Josef, der Jüngere, ist da» Vorzugskind und träumt von Sonne, Mond und Sternen, die sich vor ibm bücken. Die älteren verkaufen ihn'än die „Jsmäelften , die ihn nach Egypten führen, — noch eimnal scheint Jsmuel Jsak zu überwinden, — aber dort wendet sich alles z»un Guten, Josef wird wted«- gefunden. sieghaft erhebt sich der Jüngere über die Vieren, und Jakob zieht hinab noch Egypten, um den Berlorengeglaubten zu umarmrn und zu sterben. Und mm kommt lene wunderbare, unvergleichlich schöne Geschichte, die Rem brande im Bilde sefwehalten hat und hie leider in den meisten biblischen Geschichtsbüchern unserer Jugend unterschlagen ist: Jakob segnet Manage und Efraim und segnet sie über Kreuz: Der jüngere Efraim erhält die rechte beflere Hand auf sein Hmwt. während die Linke auf dem Scheitel Manasse» ruht. Als Josef aber die Hände de» Vaters anders zu legen versucht mit den Worten: „Nicht so. »ein Vater, dieser da ist der Erstgeborene; lege dei« Rechte auf sein Haupt!" wehrt ihm der Vater mit den Worten: .Lch weiß, mein Sohn, sch weiß. Auch er soll zu einem Volke und mächtig werden. Aber inächttger als er sojl sein jüngerer Bruder werden" (1. Moje 48, 18—19). Ohne Grund »md ohne Anlaß tut der sterbende Jakob so, nicht weil Eftaim der Bessere, sondern einfach, well er der Jüngere ist, und weil er. der in der Stunde des Todes Hellscherische nach vorn und rückwärts, die Deutung seines verworrenen, durch Schuld und Sühne geschrittenen Lebens, geben will und sagen will, datz, wie dies Leben immer war. ob es dem gierigen Bruder die Erstgeburt nahm oder sich trüglich in Efaus Kleidern zum blinden Vater schlich, es doch r.echt gewesen ist, im letzten und tteffttn Sinne recht. Diese Geschichte eröffnet uns mit ihrer symbolischen Kraft allein den Sinn der Urvätergischichte, sie waltet aber weiter, Jahrhunderte über den Sinai hinaus. Wenn Gideon. „der Jüngste aus dem kleinsten Geschlechte Manasses", zum Richter, wenn Saul, „der Benjaminit, aus dem kleinsten Stamme Israels uud dem gerürgsten Geschlechte". toenn David, der jüngste unter den 7 Söhnen Jssais, die Samuel'sich nach einander vorführen läßt, zum König erkoren wird, es ist immer derselbe Geist, der Geist der AuSteje, der Geist des überraschenden Gegensatzes und des scheinbaren Widerspruchs zlvischen Anrecht und Anspruch, wie er ewig lebendig bleiben mußte in einem Volke, das in einem Weltwinkel lebend und zwischen Weltreiche eingeklemmt sich nicht erheben durfte zur Macht und Gewalt, aber so von der Leidenschaft des Geistigen und Göttlichen besetzen war, daß es dem Erderirund die Macht deS Gemütes und die Gewalt des Sittengesetzes als die einzige Karte auszuspielen wagte, auf die seiner Meinung imck zu setzen war. Dieser ethische Imperialismus Israels beginnt j mit der ersten Träne, die der kleine Jsak toelwe, als Js-! mael, sein älterer Brüder, ihn das erste'Mal verspottete,! iveil seine Mutter so alt war. ,! Dieser ethische Imperialismus ist aber nicht um Js-! raeks Eigentum gemiebesi, sondern hat sich die Welt erobett. , Auszuführen, wie dies geschah, würde zu weit führen, festgestellt aber soll hier wenigstens zsnm Schluß die vielleicht manchen überraschende, aber zrveifellose Tatsache werden, daß das deutsche Märchen von der jüngsten,'aber schönsten Königstochter, von Aschenputtel, von» jüngsten Sohn des Müllers, der der Dummhans ist und sein Glück macht, wie der Herr des gestiefelten Katers,, auch ein klein wenig mit jüdischem Ole gesalbt und mit jüdischem Geiste getränkt ist, der der Geist der Auslese war, ist mü> bleiben wird. Der Arimrr De«ei»»ekote._._ Jüdischer Frauenverein. (Kurzer Jahresbericht 1917 bis 1919. Aus Gründen der Sparsamkeit hat der jüdische Frauenverein in den letzten Jahren davon abgesehen, einen gedruckten Jahresbericht Zu erstatten. Wir halten Überblick über die Tätigkeit eines größeren Zeitabschnitts zu gehen. Die Hauptarbeit lag naturgemäß auf dem Gebiete der Wohltätigkeit innerhalb der Gemeinde. Der Frauenverein hat es übernommen, mehrere Frauen mid Mädchen zu beruflichen Pflegerinnen ausbilden zu soffen. Diese-sind heute alle in der Lage, für sich bzw. ihre

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