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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-06-20 · 3 (20.6.1919) · p. Seite 19

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
3 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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—• t IS - 4. Schaffung einer Zentralbibliothek sowie einer möglichst großen Unzahl lokaler Bibliotheken, deren Benutzung unentgeltliAlem must, in denen das jüdische Schrifttum' dem keiner Bedeutung angemessenen Raum einnimmt. 5.. Die jüdischen Kunstdenkmäler find zu sammeln und der Allgemeinheit zugänglich zu machen." ' Ein positives Ergebnis der Tagung war die Einrichtungeines Palästinaamtes in Berlin. •* * * Zürich. 'Im April fand hier dje Weltkonferenz, der Agudas Jisroel (d. h. der Organisation Vkr gesetzestreuen Juden) statt. Möglich war fie nur dadurch geworden, daß angeuchts der Unsicherheiten des Krieges der. Sitz der Organisation von Deutschland ins neutrale Ausland-verlegt worden war. Die zahlreich besuchte Tagung beschäftigte fich in erster Linie mif der Lage im Osten, wo durch die Schrecken des Krieges die Pflege-Stätten verwüstet worden find. Die getroffenen Beschlüsse bezwecken eine rasche Förderung des Wiederaufbaues. Ein holler Tag war der Palöstina-Arbeft gewidmet. Als Frucht der Verhandkung «ergab sich die Schaffung der „Handels- und Siedlungsbank^ für Palästina. Auch der schwierigste Punkt der Tagesordnung, die Stellungnahme gegenüber der Friedenskonferenz in Paris, fand, nachdem die gegensätzlichen'Meinungen sich in Rede und Gegenrede ausgeglichen hatten, durch einstimmige Annahme einer bezgl. Resolution seine Erledigung. * . * New Aork. Die gemeldete Demonstrationdcr NetvAorker Juden gegen die polnischen Pogrome nahm getyaltige Dimensionen an. Am 21. Mai mittags verließen 300 000 jüdische Arbeiter zum schweigenden-Protest ihre Werkstätten. Sämtliche jüdischen Laden, Theater usw. wurden nachmittags geschlossen. An der Mafsenvetlammlung im .Madison Sguare Garden nahmen 200 000 Juden teil. In der Halle sprachen vor 15 000 Delegierten. Nathan Straus, der frühere türkische Botschafter Abraham Elkus, Hughes, Rabbi Stephen Wise, Jacob Schiff und der New Harker Bürgermeister. Hhlan. Die dort gefaßten Protestresolutionen wurden am 26. Mai von Louis Marshall dem Präsidenten Wilson überbräch), der Abhilfe versprach. - GUlckel oo» Hameln. _Eine Empf-hlnng imn R—r.- Wer kennt sie von euch, diese prachtvolle Frau des 17.- Jahrhunderts? Und doch solltet ihr sie alle kennen. Mir ist ihre Lebensbeschreibung allezeit eins der köstlichsten Bücher gewesen, die ich las. Kein spannender Roman etwa, aber durch die Treuherzigkeit und Ehrlichkeit der Darstellung und des Stils und vor allem durch die Gesundheit und echte Fraulichkeit der Schrciberin eine der schönsten Perlen der Memoirenliterotur. ' Glücke! von Hameln ist als Tochter des Loeb Pinkerle, eines der reichsten Juden von Hamburg. 1646 daselbst geboren, heiratete vierzehnjährig ihren Gatten Chajim von Hameln, nach dessen Heimat sie ebenfalls ihren Namen erhielt. Als er 1689 starb, und sie als 43jährige Witwe mit.einer großen Schar unmündiger Kinder zurückließ, begann sie in kummervollen und schlaflosen Nächten die.Erinnerungen ihres Lebens aufzuzeichven, während sie. tagsüber ihrem großen HandelShaufe^lks rüstige und tüchtige "Geschastsftau Vorstand. Diese in jüdisch-deutscher Sprache und hebräischer Kursivschrift ausgezeichneten Denkwürdigkeiten bilden «inen getreuen Spiegel für das Leben -der deutschen Juden daumligec Zeit, ihren Handel und. Wandel, ihre Sorgen und Nöte, ihr Verloben und Heiraten. ihr Leben und ihr Sterben.. Glücke! hatte später / viel Mißgeschick zu erdulden, heiratete in zweiter Ehe den Bankier Cerf Levy in Metz, der nicht lange nach der Vermählung mit ihr (1700) sein ganzes Vermögen verlor und sie wieder nicht lanw danach in Armut und Unselbständigkeit zurückließ. Schließlich aber verlebte sic dann noch im Hause ihrer verheirateten Tochter ein ruhiges,, sorgenfteies Alter, aus welcher Zeit dse zwei letzten Bücher ihrer Memoiren, stammen. Sie starb 1724 im Alter von fast 80 Jahren. -Die ersten Seiten ihrer Lebenserinnerungen, die unter dem Titel „Denkwürdigkeiten der Gl.ückel vom Hameln", übersetzt und cherausgeaeben von Dr. Alfred Feilchenfeld 1913 im „Iü d i - scheu Verlag-Berlin" erschienen und überall käuflich zu haben find, lysien wir hier folgen, um unseren Lesern «ine kleine Freude und einen großen Appetit zu machen auf ein Buch, das ebenso fesselnd , wie rührend ist und in keinem jüdischen Hause fehlen sollte. * > » » 1. Buch. Glückels Kindheit und Elternhaus, äußere Lage und'Gemeindeverhältniss« der deutschen Juden in Hamburg und Altona. Im Jahre 4551 nasch Erschaffung der Welt (— 1690 bis 91) beginne ich /vies in meinen großen Nöten und in meinem schweren Herzeleid zu schreiben — Gott möge^un^rfreiwis und bald unser« Erlöser senden I . . . * MeineUKm^Kmder, ich habe dieses Buch zu schreiben angefangen nach dem Tode eures frommen Vaters, um meine Seele ein wenig zu beruhigen, wenn mir die melancholischen Gedanken kamen und schwere Sorgen^ mich, bedrückten, da wir unfern getreuen Hirten verloren haben. So habe ich manche Nacht schlaflos zugebracht, dann bin - ich oft aufgestanden, um mir die schlaflosen Stunden' damit zu verkürzen. Meine lieben Kinder, ich bin nicht , darauf aus, euch ein belehrendes Buch zu schreiben, ich bin auch nicht kapabel. dazu, unsere Weisen haben gar viele Bücher zur Belehrung geschrieben und wir haben unsere heilige Thora, aus der wir alles sehen und begreifen können, nxK uns nützlich ist und was uns von dieser Welt zur künftigen Welt führt.-— Da ist ejn Hauptpunkt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Aber wir finden es in unserer Zeit sehr selten und gar wenig, daß ein Mensch den andern von Herzen liebt — umgekehrt, ircnn einer den andern von Grund ausi.verderben kann. so geschieht es gern.-Es gibt nichts Bcsieres für euch, liebe Kinder: dient-Gott mit eurem ganzen Herzen, ohne alle Falschheit und Heuchelei, daß ihr euch nicht etwa nur vor Leuten so stellet und — Gott behüte — in eurem Herzen anders denket. Euer Gebet sollt ihr mit Andacht und Gottesfurcht verrichten und nicht zur Zeit des -Gebetes stehen und über andere Dinge sprechen. Haltet solches für eine Hauptsünde, mitten drin, während man zu dem großen Wltschöpfer betet, mit einem Menschen über «ine ganz andere Sache zu reden. Soll denn der liebe Gott so lange auf ihn warten, bis er mit jenem fertig ist? Danach muß man regelmäßig ein Stück aus der Tjwrg. lernen, so gut man es tveiß und kann, und alsdann'fleißig auf seine Nahrung bedacht sein, daß man Weib und Kinder, ehrlich ernährt, was auch ein wichtiges Gottesgebot ist und besonders, daß man sein Geschäft ehrlich treibt sowohl mit Juden wie mit Nichtjuden, daß nicht — Gott behüte — eine Entweihung des göttlichen Namens vorkommt. Hat man Geld oder Waren von anderen Leuten in Händen, so muß man mkhr Sarge da-— für haben als für das'Eigene, damit man keinem — Gott behüte — ein Unrecht tut.' Denn das ist die erste Frage in der künftigen Welt, ob man auch treu im Handel und Wandel war. Wenn >»"« sich n»ch in Mastr Welt viel _ müht und — Gott behüte --- viel Geld auf unehrliche Weise gesammelt hat und davon seinen Kindern große Mitgiften gibt und ihnen nach seinem Tode große Erbschaften hinterläßt — wehe und abermaP wehe den Frevlern, die um des Reichtums ihrer Kinder willen die künftige Mit verlieren und ... das Ewige für das Zeitliche verkaufen... Ich schreibe euch dieses nicht zur Belehrung, sondern wie schon erwähnt, um mir in den langen Nächten die . 9! t-

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