Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- 2 (13.6.1919)
- Date
- 1919-06-13
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gibt toej>er das eine noch das andere einen bescheidenen Menschen, sondern'höchstens hier einen Duckmäuser und dort einen arroganten Kerl. , Ter wahrhaft tüchtige Mensch — ganz zu schweigen von einem großen, wie MoseS es war — hat es nicht nötig, unbescheiden zu sein, es sei denn, daß man unter Tüchtigkeit die dicken Ellbogen versteht, die bei. aller Borniertheit sich durchzüdrängeln wissen;-was.ihnen freilich auch mir ' gelingt, weil die feinen Menschen sich immer zurückziehen und immer ausweichen werden, wo es ein 'Gedrängel gibt. Ter wahrhaft Tüchtige ist aber gar nicht dieser Ellbogenmensch. sondern der Edle, der seine Grenzen kennt und sich selbst in diesen Grenzen auezuivirken und auszuleben ver- K' ht. Dieser Mann wird immtr bescheiden sein, seine Beeidenheit ist seine Echtheit und die Wahrheit seines inneren Äiertes. Laßt die Untüchtigen unbescheiden, die" Dummen anmaßend. die Bornierten aufgeblasen sein! Herr Soundso hat es nötig, ettvas zu s ch e i neu, weil er bei seiner Trägheit. seinem Leichtsinn, seiner Windigkeit nichts Echtes g e - worden ist. Die Similidiamanten seines anmaßenden Auftretens werden sich bald Herausstellen als das. was sie find. Habt aber auch echten Stolz, der einer echten Bescheidenheit nicht im Wege steht! Im Gegenteil, es gibt auch eine Bescheidenheit am falschen Platze? Man darf sich auch seine Grenzen nicht enger ziehen als sie sind, vor allem sich diese Grenzen nicht von anderen diktieren lasten.. Das gilt uns als ^lden vor allfn Dingen. Überall, wo wir leben, leben wir in der Minderheit. Überall ist die Mehrheit an der Arbeit, uns — wie sie sagt — „in unsere Grenzen zu weisen". Da soll der Jude denn wisten. daß die Grenzen, die ihm gehören und gebühren, allein von der Zeit, der unbestechlichen Richterin, bestimmt worden sind. Jahrtausende waren es. die um uns den Zirkel gezogen haben, den wir unsere Geschichte, unser Blut, unfern Glauben nennen. „Hot Gaawe! Seid stolz", sagt ein jüdisches Sprichwort des Ostens. "Darum fort mit aller Leisetreterei. Duckmäuserei und der falschen Bescheidenheit, die sich nur durch Seitengasten wagt. Kopf hoch und über den Markt gegangen, wie sichs gehört, ohne Hochmut, aber'stolz, nicht frech, aber mit jener selbstverständlichen Würde, die den Träger und Verfechter eines Ideals allemal zu schmücken pflegt. Demütig nur vor dem. in dem all unser Stolzsein endet, unser Hochgefühl mündet, und die Fülle unseres dankbaren Her- - zeps blüht: Vor Gott! Emil Cohn. Wocheusch«». Tatsachen und Ergebnisse. Berlin. Am Donnerstag, den 29. Mai, fand hier der mit Spannung erwartete Delegiertentag des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, .der in der vielbesprochenen Kongreßfrage die Entscheidung brachte. Die Abhaltung des Kongrestes wurde beschlossen. Vor der Tagung waren zwischen der Leitung des Zentralvereins und den Zionisten in gemeinsamer Besprechung folgende sechs Punkte als Einigungsprogramm aufgestellt worden: 1. Gleichberechtigung und'Gleichstellung der/Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt. 2. Beseitigung und Verbot aller Gesetze, Verordnungen Tut vunö Bestimmungen, bte Beschränkungen lediglich für . Juden enthalten, insbesondere von TinwanverungSverboten und Grenzsperren. 3, Natsonale und kulturelle Autonomie in den neugebildäten Staaten in dem Umfang, den die Mehrheit —der dortigen Juden fordert, unter Wahrung des Rechtes der Minderheit; Berücksichtigung des Sabbats in der Gesetzgebung. '4. Festsetzung solcher politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen für Palästina. daß seine Entwickelung zu einem von lüw gesamten Judenheit getragenen autonomen Gemeinwesen («nt»**' ivealth) gesichert wird. 5. Entschädigung von PogromopserN durch den betreffenden Staat. 6. Einsetzung eines internationalen AusschusteS mit Her , Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Grundsätze upd Beschlüste der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden dürchgeführt werden. Rach stürmischen Debatten, bei denen es sich vor allem auch um die pon den Zionisten geforderte Teilnahme der ausländischen Juden am Kongreß drehte, die fürs erste ab- " gelernt wurde, entschied sich der Delegiertentag grundsätzlich für die Berufung des Kongresses, indem er die folgende von Rechtsanwalt vr. Wertheim vorgeschlagene Resolution annahm: „Ter Zentralverein begrüßt die Schaffung jüdischer Kongresse in Deutschland, auf denen die dar deutsche Judentum 'bewegenden», Fragen voll der gewählten Vertretung aller deutschen Juden behandelt werden. Die Generalversammlung erwartet vom Votstande, daß der erste Kongreß erst zu einer Zeit einberufen wird, zu der die Abhaltung aus allgemeinen Erwägungen heraus angebracht erscheint. Die näheren Bestimmungen werden dem Vorstände überlasten."^. Am Schluß desfDelegiertentages referierte Justizrat Fuchs noch über das geplante neue innerpolitische positive Programm des Zemralvereins. das an die Stelle des' alten Abwehrprogramms rein negativer Tendenz treten soll. Wegen der vorgerückten Zeit kam es hierüber nicht mehr zur Beschlußfastung. sondern der Vorstand wurde mit der Ausarbeitung des Programms beauftragt. »- » ' , Hier haben sich einige neue Verbände aufgetan, so ein „Verband der Ostjuden in Deutschland", der am 14. Mai seine erste Hauptversammlung abhtelt. auf der vor allem eine soziale Hilfsaktion angesichts des Zustroms zahlreicher jüdischer Flüchtlinge auS den Pogromgebieten verlangt und überhaupt die Fragen des v Rechtsschutzes und der sozialen Hilfe besprochen wurden. Ferner ein „Verband jüdischer Ingenieure für den techni schew A usbau Palästinas". der den Zusammenschluß aller an dem technischen Atzfbgu des jüdischen Siedelungswerkes in Palästina interessierten jüdischen Ingenieure, Architekten, Chemiker usw. inDeutschland erstrebt. - __ ' jchen Juden" veröffentlicht ihr ArvettSgevtet. das heute in folgende Restarts zerfällt: 1. die Jugendfürsorge und Jugendpflege; 2. die Unterbringung jüdischer Stadtkinder aup-dem Lände; 3. die Waisenkymmljsion, die jüngst einen Verband jüdischer Waisenhäuser und Erziehungsanstalten gegründet! hat; 4. die VvMundschaftskommjstion. die z. Z. Material über alle unehelichen, verwaisten und sonst hilfsbedürftigen Kinder sammelt; 5., die Wiederaufrichtung der Existenz zurückgekehrter Kriegsteilnehmer;. 6. die Nerven- und Geisteskranken. — Eine Auskunft- und Beratungsstelle ist eingerichtet, die lebhaft in Anspruch genommen wird. Der Zentralwohlfahrtsstelle, gehören jetzt 65 Gemeinden an, darunter fast alle Groß- und Mittelgemeinden von über 1000 Seelen. * * * ' Die in den meisten deutschen Groß- und Mittelstädte* abgehaltene Palästinawoch_e_deS Jüdische* 000<j Nationalfonds brachte eine Einnahme von 150 Mark. ' * * * Oppeln. Die obeiMeiischen Rabbiner- und Gemeindeverbände haben durch Vermittlung der Berliner rrrat in Paris vermittels Mucksprüchs einen Hilferuf gelangen lasten, in dem sie buten, man möchte die oberschleflsche Judenbeit nicht durch Losreißung von. Deutschland der Gefahr der völligen Vernichtung durch die Polen preisgeben.