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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-06-04 · 1 (4.6.1919) · p. Seite 2

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
1 (4.6.1919)
Date
1919-06-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Uftb jo nimmt er denn noch einmal den Hut vom Kopse »nd besieht sich den Busch, nimmt dann, den Stecken zur Hand und wandert über Berg und Tal. Aber' . v ob er aus den Bergen wandert. wo der Wind ihm prächtig um die Ohren fährt, oder ob er im Tale bei den kleinen ___--^LeMen-weilt, die ihre Alltagssorgen haben, immer wird der Jüdische Bote vom. Rhein oben sein, y>o di« Sonne am spätesten untergeht und zur Nacht die ewigen Sterne am hellsten leuchten. . Und so grüßt er denn die Leute in Stadt und Land, grüßt sie vielmals und herzlich. Keinem zu Leide und möglichst vielen zur Freude ist seine Devise. Ärgert sich aber doch einer über ihn, nun so ärgere er sich. Der Argetgehört zur Welt wie der Schwanz zur Kuh. Ja. ' ‘ wie die Kuh den Schwanz braucht, um die Fliegen zu vertreiben, so bringt auch ein rechter Ärger seine Welt voran. Das weiß jeder, am besten der Jude, am allerbesten aber der sich freundlich empfehlende Jüdische Bote vom Rhein. Zum Offenbar uugrfeste. Entfessle deine rechte Hand Und sende sie hinab ins Land. Daß sie dein Volk erfasse! Ist sie zu kurz? Beherrscht den» dich Das Schicksal ebenso wie mich Und alle auf der Gasse? v Die Sonne braucht im cmgen.KreiS, Es steht der Mond auf dein Geheih. Dein Wort ist ihre Klammer; rein Wort nur ihre Ketten brich». ' Und all ihr Gold- und Silberlicht Es ruht in deiner Kammer. Da stehen sie in deinem Schein, Tie Scharen all, und harren dein. Daß sie dein Wille richte Und fühlen tief und fühlen ganz: - Von deinem Glanze ist ihr Glanz Ihr Licht von deinem Lichte! Iehuda HaIevi. ' jKtdischer Dichter Spaniens, lebte von 108b bi< um 1140.) * Wochenschau. Tatsachen und Ergebnisse. Berlin. Donnerstag, den 29. Mai, begann hier die Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Über die Beschlüsse liegen bis heute feine Nachrichten vor. Zur Entscheidung wird vor allem die Frage des jüdischen Kongresses kommen. In längeren Vorverhqndlungen ist zwischen den Leitungen des :jentralvereins und der Zionisten ein Einigungsprogramm erzielt worden. * * * - Gleichzeitig mit deur'ZentralverelnStag fand ln Berlin vom 26. bis 29. Mai der Palästiwrdelegiertentag der Zionistischen Bereinigung für DeutMand statt, auf dem die Frage der künftigen Besiedlung Palästina erörtert werdrn sollte. Die Beschlüsse sind nom nicht heraus._ s Mitte Juni ftndet die Tagung der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in Berlin statt. Auch der Verband der deutschen Jude st hat in seinem GesamtauSschuß am 11. Mai eine allgemeine Versammlung der Juden Deutschlhands ^schlossen, auf der die wichtigen Frage« her Neugestaltung des deutschen Judentums verhandelt werden sollen.;/ «* .* . In Berlin, ist eine „Freie jüdische Volkshochschule" v gegründet worden, und erfreut sich großen Zulauf. Lehrer und Hörer sollen volle Freiheit ihrer jüdischen Anschauungen und Überzeugungen genießen. Die Hochschule will die Liebe zum angestammten Judentum pflanzen und verbreiten, durch den Charakter der Volkshochschule soll die Darstellung den ntzi testen Kreisen zugänglich gemacht werden. Wilna. Furchtbare Judenpogrome'wüten seil sechs Wochen in Polen und Westgalizien. Seit dem 16. April, an welchem'Tage das polnische Militär in Wilna seine Ausschreitungen gegen die Juden begann, sind über die polnische Judenheit die finstersten Tage hereingebrochen. Tausende von Totenopfern sind zu beklagen, in Lida allein 1500, Plünderung und Erpressung wechseln in täglicher Wiederkehr^ Die Pogromwelle scheint sich auch über Rumänien auszudehnen, wo stark gegen die Juden, gehetzt wird. Paris. Die Palästinafrage auf der Friedenskonferenz befindet sich im Stadium der letzten Entscheidungen. Obgleich in der Bewertung der Frage Unterschied« zwischen der französischen und englischen Presse hervortreten, deren erster« dem geplanten autonomen jüdischen Gemeinwesen weniger günstig ist, ist es doch nach allen Berichten fraglos. daß Palästina in' irgendeiner Form zur jüdischen Heimstätte werden wird. Zwischen den Vertretern der polnischen Judenschaft in Paris und der polnischen diplomatischen Vertretung daselbst ist jetzt die Verbindung hergestellt worden. Die letztere hat jetzt in ihrer Mehrheit den Gedanken der zwangsweisen Assimilierung der polnischen Juden aufgrgeben. Damit besteht die Hoffnung, daß demnächst von'. polnischer Seite den Pogromen wird Einhalt geboten werden. * * *. Amsterdam. Hier tagte die große Konferenz der sozialistischen Internationale. Sie befaßte sich in-langen Verhandlungen mit der Lösung der Judenfrage, entschied sich für Palästina als jüdischem Siedlungsland und erließ scharfe Proteste gegen die rumänische UnterdrückUngsPolttik gegen die Jrwen. - Y $inci von Emil Cohn. Nicht zu den sog. „Hohen Feiertagen" gehört das Wochenfest, das wir heute begehen, und doch ist es ein ' he» Fest. Die erhabenste Erinnerung unseres BoÜeS wird lan diesem Tage lebendig, aus den Dämmern der Vergangenheit tauchen die zackigen Felsen des einsamsten Gebirges auf, das die Erde kennt und das sich auS salziger Wüste erhebt, verlassen und riesengroß, gekrönt von - Wolken, von Blitzen umzuckt, während seine Donner über die Jahrtausende ein Wort rollen, vor dem dereinst nach dem Midrasch in unseres Volkes größter Stunde alle' Bäume der Erde ihr Rauschen, alle Winde ihr Wehen, das Meer sein Brausen, die ganze, große, weite Gotteswelt ihren Atem anhielt: — Offenbarung! OMnbarung! Gott läßt schauen. Göri läßT sich hören, Gott redet mit seinen Erkorenen von Angesicht zu > Angesicht. Und das Volk sieht es,, das Volk hört eS, die ".. te Beel, — göttliche Glorie füllt seine Seele, jmfr diese Seele ^richauert unter der erhabensten Zeugenschaft. Aber auS diesen Schauern wächst stark, einig mrd frei ein Wille, der Will« eines ganzen Volkes, zu leben, wie Gott es will, um Gottes willen zu leiden und, wenn eS not tut/auch zu sterben um seines heiligen Namens willen: — Da» heilige Gesetzt ,

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