Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 480 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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480 und die Ehre des Nebenmenschen; die sich ja durdEi einige auswendig gelernte Phrasen mit einer darauf folgenden öffentlichen Fechtschaüstellung wieder* herstellen ließ, leichtfertig gefährdete ,• Mensuren mit Juden, die einen * sehr größen Prozentsatz der überhaupt* ge* schlagenen 54ensuren< ausmachten, ob* gleich sier uns.als nicht zweckentsprechend und lächerlich von vornherein, gekeiin* -zeichnet: waren, steifen»-eine Verirrung dar, die nur 'dadurch erklärlich ist, daß die Form «Selbstzweck wurde, daß ein ungesunder Mensurtrieb die Mensuren als solche wünschenswert.erscheinen ließ^ Viele Zeit, die wir für unsere jüdische und menschliche Erziehungsarbeit not* wendig* gebfauchten, wurde auf Men* stiren, Ehrengerichte und Fechten ve~r* wandt/ ohne daß uns diese Tätigkeiten dafür "entsprechende'Werte vermittelten. Nicht* einmal als Mittel für die von uns erstrebte körperliche Ertüchtigung kam das Fechten ernstlich in Betracht, da seine sportlichen Qualitäten infolge der einseitigen Ausbildung der Muskulatur, die es bewirkt, verhältnismäßig gering sind. So entstanden, allmählich sich verstärkend, ^Strömungen im Kartell, deren Träger Wn der Brauchbarkelt eines * großen Teils der korporativen Formen und besonders des Satisfäktionsprinzif>s" für unsere Erziehungsarbeit nicht inehr überzeugt wären und die Erneuerung unserer Gemeinschaftsforriieri sich zum ~ Ziel setzten. % Zugleich mit. dieser rein negativen, den Wert des Bestehenden verneinenden Komponente wirkte eine positive und fortschrittliche, die ich als die Verbrei* ferung und Erstarkung des jüdischen" Lebensstromes bezeichnen möchte. Der anfangs nur leise rieselnde Quell jüdisch* nationalen Geistes wächst sich zum Strome aus, die Idee erwacht zum Leben und beginnt, ihre Träger menschlich zu erneuern. Der unsichere und haltlose Jude der Ässimilationsperiode, der der Welt fremder Begriffe unkritisch gegen* übersteht und ihren Einflüssen hilflös ausgesetzt ist/ findet mit dem Erfassen seiner eigenen nationalen Bindung und seiner individuellen Determiniertheit all* mählich auch sich. selbst- und seine Sicherheit wieder^ Die mißgeleiteten, nachempfundenen, aus ängstlichem Ver* gleichen und uijechtem ' Bedürfnis nach Ändersartigkeit geborenen Gefühle wer* den überwunden, die ursprünglichen und wahrhaftigeri freigelegt und gepflegt. Das unnatürlich erhöhte und überschätzte «Heldenbild des. blondhaarigen und blau* äugigen Siegfried wird mit ruhigen, kriti* sehen Beobachteraugen betrachtet, die schwarzhaarigen Makkabäerhelden und die Kaftan tragenden Chassidim* werden mit warmer Liebe als ein Stück des eigenen Ichs empfunden.„Man antizipiert sich Palästina/ den eigenen Boden und das eigene nationale Gemeinwesen, indem man sich „ zu einer jüdischen Geseifschaft mit lebendiger, nationaler Stimmung zusammenschließt, hier eine Stelle des /wirklichen geistigen und seelischen Äuslebehs schafft und in ihr dem Einzelnen den Rückhalt und den persönlichen Zusammenhang bietet, der dem Menschen in seinem tief wurzeln* den Geselligkeitsbedürfnis unentbehrlich ist. In ihr erstarkt und menschlich er* neuert, beginnt man wieder, dem eigenen Empfinden zu trauen, Werturteile nach dem eigenen, angeborenen und erwor* berien Bedürfnis, zu fällen, und man kann eigene Maßstäbe an Umwelt und Mitmenschen legen, weil man anfängt, aus der eigenen, jüdischen Persönlichkeit heraus solche'zu* finden. Der Mujzuni eigenen Leben erwacht, und jetzt erst ■wird eigentlich^ aus der nationalen Idee? nationales Leben rnjt eigener, Formen schaffender Kraft, es schickt sich an, * in fastlosem Fluten diebeengenden fremden Formen fortzuspüten, um. aus dem ihm immanenten Bedürfnis nach Begrenzung eigene *neue an ihre Stelle zü setzen. In unserer studentischen Gemeinschaft wächst die Erkenntnis für das Mißver* hältnis zwischen Inhalt und Form, das Bedürfnis nach Harmonie der Lebens* führung steigt und das erstarkte jüdische Gefühl will sich nicht mehr in ein ihm wesensfremdes Gewand hineinzwängen lass„eri. Immer krampfhafter wird das