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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 479

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 479 (sequence 55)
Language
German
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Vom Leben der Jugend. p 479 Satisfaktionsprinzip für viele ein psycho* logiscbes Problem; es entschied den Zweifel an dem persönlichen Mut des Einzelnen;, nicht nur der Außenwelt, sondern auch* ihin-selbst gegenüber/ seine - Stellungnahme dazu wurde, mitbestimmt von dem. Verdacht, man könnte den fremd anmutenden Begriff nicht nur wegen seiner Fremdheit, sondern auch aus persönlicher - Furcht und Ängstlich^ keit ablehnen. Der Mangel einer starken,. nationaljüdischen Gesellschaft, die durch Ausbildung eigener Ehrbegriffe dem Einzelnen meinen Rückhalt hätte geben können/ brachte es mit sich,- daß Be* kämpfung antisemitischer Angriffe und Befriedigung. des gekränkten Ehrgefühls nur nach Art und Gewohnheit der Um* gebüng möglich schienen. So kam es, daß zuerst-, einzelne nationaljüdische . Studenten auf Mensur standen, daß dann ohne jede Einwirkung der Korporation, die dem Einzelnen die Stellung zur Satisfaktion freistellte, die Zahl der Mensuren immer mehr stieg, bis tat* saebiieh die Gesamtheit mit ganz geringen Ausnahmen sich zur unbedingten Satis* faktion bekannte. Die Erkenntnis der starken moralischen Werte, die in der gemeinsamen Entscheidung einer solchen Frage liegen, und weiterhin die Erleide terung des Mensurhetrie&es und die Möglichkeit "größeren Schutzes für den fechtenden Bundesbruder, ,die von einer prinzipiellen Stellungnahme abhängen, . führten im B. J. C. zur-Einführung der unbedingten Satisfaktion im Jahre 1913. <Das jüngere K. Z. V. bekannte sich von ' Anfang an zur unbedingten Satisfaktion.) Das indessen erstickte Kartell konnte diesen Schritt umso leichter wagen, da man immer wachsende Klarheit über den Wert unserer Erziehungsmittel gewonnen "hatte. .. . . . Nun ist aber das Leben eine untrennbare Einheit von Strömung und Stauung, von Weitereilen und Verharren, von; Entwicklung und Formung. Die aus der kontinuierlichenLebensbewegung sich heraushebenden Formen sind selbst Leben und bleiben mit der Totalität des Lebens unlöslich verknüpft, sie lassen sich nicht von der Idee abstrahieren, dje sie geboren hat, sondern tragen sie in sich, sie beeinflussen rückwirkend das Leben, indem sie die Entwickelung seiner Träger bestimmen und auf ihren Geist gestaltend einwirken. Der preußische Drill ist nicht nur -Erziehung zur Tapfer* keit, nicht nur Mittel zum Zweck, in ihm. lebt auch der Gedanke von der völligen Ausschaltbar&eit menschlichen Gefühls und Verstandes durch Erziehung und Zwang von durch Geburt gegebener Herren* und Knecbfesbestimmung, der dem Wesen derer< immanent war, die das System Erdachten. So konnten auch wir die Formen des deutschen Korpora* tionslebens nicht übernehmen, ohne etwas von ihrem Geist bei uns einzubürgern, freilich stark abgeschwächt und vielfach aufgewogen durch unsere Idee, aber doch immerhin merkbar. Zwar gelang es unseren Besten, in der Stärke ihres zionistischen Empfindens die fremden Formen tatsächlich mit unserem Geiste zu füllen und sie sich anzueignen ,• der Geist der Gesamtheit aber wurde "durch sie beeinflußt, die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form konnte uns nicht be* ständig vor Augen stehen, maä begann, die übernommenen Formen?Sls etwas natürlich Überkommenes selbstverständ* lieh zu leben. Akademisches Standes* bewußtsein und unsozialer Klassenstolz machten sich geltend, die Satisfaktion drohte mehr zu werden als Mittel zum Zweck, als bloße, Möglichkeit, auf anti* semitische Beleidigungen in der Sprache des Beleidigers zu reagieren, es stellte sich, wenn auch nicht klar ausgesprochen, so . doch im Unterbewußtsein lebendig, der Glaube an die Besonderheit der akademischen Standesehre ein, man unterschied satisfaktions* und nicht satisfaktionsfähige Menschen und wertete nach diesem uns wesensfremden Prinzip. Das wahre innere Ehrgefühl wurde durch diese Art des angelernten und automa* tischen Reagierens . nicht gestärkt und verfeinert, es begann vielmehr, sich zu schematisieren und zu verflachen, indem man, um das Gelernte praktisch zu ver* wenden, Gelegenheit zu Mensuren suchte

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