Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 478 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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478 Vom Leben der Jugend. ' -st Vom Unser Satisfaktionsbegriff *• .... Aufgabe der natipnaljüdischen Jugendbewegung ist es, den Typus des Juden zu schaffen, der in sefbstverständlieber Konsequenz seiner jüdischen" Äbstammung in sieb die Bindungen lebendig macht, die ihn mit der Vergangenheit des Judentums verknüpfen und der seine Persönlichkeit ganz in den Dienst der nationalen Zukunftsarbeit stellt, bereit, wo es nottut, die eigenen Interessen denen der Gesamtheit unterzuordnen. Das Bekenntnis zum Zionismus als. zu einem politischen Parteiprogramm' ist nur ein Meilenstein*auf diesem Wege, das Endziel ist die Erschaffung eines neuen jüdischen Menschen mit natürlicher Frische des Geistes und freiem Anstand des ^Auftretens, die Erneuerung und Revo* lutiönierung unserer Jugend. An der Lösung dieser Aufgabe arbeiten die jüdischen Jugendgemeinschaften-'durch die Organisation engsten 'Gemeinschafts* lebens, das besser als jede theoretische Fundierung ein starkes Nationalgefühl zu erzeugen und die sittlichen Qualitäten des Einzelnen zu steigern vermag. Die Korporationen des K. J. V. sind die Erzjehüngs- und Lebensgemeinschaften der national-jüdischen Studenten. Nun ist keine Gemeinsamkeit von Menschen und kein Leben .überhaupt denkbar ohne gewisse Formen, durch die das kontinuierlich dahinfließende Leben sich individualisiert? „ durch die es greifbare •Gestaltung lind Färbung gewinnt und zu einer Zahl äbgrenzbarer unet determinierbarer Vorgänge sich verdichtet. t)as Primäre ist das Leben und dieses schafft sich "seine Formen als den erkennbaren Ausdruck seines stetigen Strömens, als äußeren Maßstab für Artung und Charakter seiner Träger <Simmef>. Als die ersten nätiönaljüdischen Studenten sich zu einer. Gemeinschaft zusammenfanden, da konnte ihr Leben typische jüdische •* Aus der^Flugschrjff: »Jüdische Jugend«. der lugend. | Gemeirischäftsformeri nicht erzeugen, die individuellen Lebeiisäußerungeh des erwachenden jüdischen ^Geistes waren zu abstrakt und theoretisch, um selbständige gemeinschaftsbildende Kraft zu entwik* kein, und das überkommene Judentum war zu starrtincf zu unbiegsam, um Einzelnes ausseinem unteilbärenFormenkomplex zur Erzeugung neuer pröfaner Gemeinschaftsformen herzugeben. So blieb nichts übrig, als eine Anlehnung an die Umwelt. Man gab * den national^ jüdischen- Studentenverbindungen das Gepräge der deutschen studentischen Korporationen, die in altbewährter*Erziehungsmethode dem deutschen Volke einen bestimmten Typ des Akademikers heranbildeten. Diese zionistische Ässimi-, latiön war eine bewußte, sie erstreckte sich nur .auf den äußeren Rahmen, nicht aber auf den Geist, der die Formen erschaffen, und versuchte, sie mit eigenem, warmem Blut zii erfüllen, Im Komplex dieser Formen kam auch das deutsche Satisfaktionsprinzip zu uns, das für die deutsche Waffenstudentenschaft vielleicht der zentralste und unentbehrlichste jhref ErziehungsfäktorÄi ist. Eine organische Fortsetzung des mittelalterlichen Ttirniers und Gottesgerichts, entspringt: es dem Standesbewußtsein und den Ehrbegriffen einer bestimmten Kaste unef erweckt rückwirkend im JBinzelnen den Glauben an die besondere Artung und Ehre seiner "Klasse.^ Für uns war es nichts anderes als eine Form mit besonders stark gemeinschäftsbildender Kraft,.* die den Einzelnen zum Bürgen für die Ehre seiner engeren üntl weiteren Gemein* schaft machte. * Die seelische Ünsicherheif des eben erst assinfilierten Juden, der mit verträumten und lebensfremden Äugen aus der sicheren Behütung des Ghetto in eine Welt fremder Begriffe und Ap* schauüngen eintraf, hatten eine unkritische Überschätzung der Vorzüge anderer und eine unberechtigte Furcht vor der eigenen Schwäche zur Folge.. So würde das