Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 476 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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476 Abraham Suhl: Dramen hat er nie geschrieben. Das Verhältnis ist umgekehrt wie bei Asch; Der Mensch umfaßt die Welt. Seine Seele ist das Unendliche. Es gibt nur Seele,- wie immer, wenn man von innen ausgeht. Daher auch die seltsame Isoliertheit vieler dieser Geschöpfe Perez7. Seine-Figuren ordnen sich nicht ein, wie die Aschs — ist ja alles ihnen eingeordnet sie wachsen weit über alle Proportionen hinaus, oft groß, in phantastischer Silhouette. *' " - Wer aber den Gedanken und Gefühlen nachgeht und all dem Unbewußten, seltsam Verknüpften, Unbegreiflichen und abgründig Tiefen? auf die Spür kommt, dier taucht notwendig^ins Mystische. Und so steht b& Perez das -Geheimnis cler Seele auf, und er wirkt viel tiefer als Asch, der das Unsagbarste irgendwo und irgendwie übergeht, übergehen muß. Wenn auch Perez in seiner Art gar. leicht in die Gefahr kommt, blaß/ abstrakt zu werden, wo Asch immer voll und saftig blüht. Auch .dort, wo Perez groß ist, sehen wir seine Gestalten meist nicht rund vor unsr Aber —' wo er wirklich groß ist —. versinken wir in die Ekstasen und Visionen ihrer Seele, schwingen unsere Gefühle mit den ihren. Und es kommt wie ein seltsamer Zwang über uns. Manchmal erhebt sich etwas ganz mystisch Wahnsinniges und urgeheimste Symbolik .offenbart sich uns. Wir stehen auf der Schwelle von Traum und Wachen und wissen nicht mehr zu unterscheiden; Ist das alles nur Phantasie oder Wirklich* keit? Wo hört das Gehirn auf und wo fängt die Welt an? Wir kommen in Räume, wo wir alles für möglich,und unmöglich halten, und die Ge* danken steigen dort auf und nteder, leicht wie .Federbälle. Es ist das eine Art, die nur die Gewaltigen in der Weltliteratur Wirklich erfüllen. Per^z mangelt die dämonische Konsequenz, die' grausame Größe dazu. Er weicht meist ins Rührende oder ins Ungeformte aus. Er ist —- darüber kann man sich nicht täuschen >-* .nur ein Dichter' zweiten Ranges. Aber seine Art, sein Typus scheint mir der gekennzeichnete. Mit theser Art hängt es wohl zusammen, daß Perez7 Gebilde nicht, wie die Äschs, gleichsam von selbst leben. Aschs Welt in ihrer runden Gegenständlichkeit läßt den Dichter leicht vergessen. Perez7 innere Welt der Gedanken und Gefühle, die sich ins. Mystische hebt, könnte wohl kaum in der Selbständigkeit eines Objektes lebend angeschaut werden. Hier wird das Symbolische — bei Asch mehr Duft — sozusagen Kern. Perez7 Figuren und Bilder lösen sich in Gestus, der Schöpfer schaltet mit ihnea slchtbarlich. Es sind Figufen, die der Dichter aus sich herausgestellt hat, aber er hat gleichsam nicht die Nabelschnür durchschnitten, die siemit seinem gebärenden Innern verbindet. Immer leben sie von ihrem Urheber. Und so entsteht eine seltsame Atmosphäre, wo die Figuren zugleich sie selbst und Symbolismen sind, das Werk Gestaltung und zugleich persönliche Aussprache.* Allerdings: jede Dichtung ist letzten Endes Aussprache. Aber in der realistischen Weise Aschs nur dürch die intensive Durchdringung.- Bei der romantischen Art Perez7 hingegen ist "der Dichter unmittelbar in allem fühlbar, der große Akteur und Sym* boljker, und in begeisterten Momenten wirft der Komödiant überhaupt die Lumpen , wegv Weif eben Perez diesen subjektiven Stil hat/ diesen