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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 472 (sequence 48)
Language
German
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472 Otto F eii t che!: Esoterik; allerdings ist ein »Arbeits<<begriff, den ich schon mehrmals in Jugend* bewegungskreiseri gefunden habe, der es als > Arbeit« auffaßt, mit dem ..geliebten Mäddien eine Aussprache über seine Stellung zu ihr vorge* nommen zu haben. Aber es gibt auch wirkliche Arbeit! Freilich, die haben es leicht, unbedingt zu sein, die noch an Unbedingtes glauben. Aber Bedingtes unbedingt tun! Bedingtes unbedingt tun. Auf Letztes schauen lind, doch Nächstes sehen. Wissen, daß ein Kilometerstein nur ein Kilometerstein ist/ und nichts* desto weniger ihn als Ziel anerkennen! Nicht »alt« im schlechten Sinn werden,, aber doch-einmal erwachsen. Nicht die Ideologie vergessen, aber doch tun! Wieder eine Sfeylla und Charybdis erkennen in der lächerlich überflüssigen Figur des Berufsethikers und dem Geistesfeind. Sich nie vor der Wirklichkeit fürchten. Nicht die Theorie verachten aber ihr folge die Praxis! Und das Traurigste für juns ist; wenn uns Wirklichkeitssymbole schon Bücher sind. Statt daß die Bücher uns Menschen geworden sind, werden die Menschen Bücher! Wir sind so lächerlich näturfern. Es droht das entsetzliche Extrem -von Nietzsches »Gewissenhaftem des Geistes«. Jeder Wandervogel ist uns über. Aber deshalb werden wir keine Wandervögel! Nicht »Romantik« ziehe uns und mein »In^sich-Beruhn« heißt nicht Augen^Zumachenk Überall, überall Skyllen und Charybdiden, Tjegensätzcp in 'denen je etwas Wahres und unendlich viel Falsches steckt; Es gilt, unversehrt in der, Mitte durchzujonglieren Und das ist wieder nicht leicht, gerade im Gebiet des sogenannten »Geistes« nicht, der oft am weitesten vom Geist entfernt ist. Schauen wir uns die heutigen Gegensätze Wissenschaft- Philosophie an! Aber weder Fachmensch noch Weininger sein, sondern Driesch*. " . ■ , . Rechtstrottel, Linkstrottel. Und doch hat man mit jedem Gemeinsames. Und das ist das Geheimnis: »Sich überall anschließen, wo Gemeinsames besteht, aber nur für dieses Gemeinsame. Es ist ebenso notwendig, bei viel Trennendem das wenige Einigende, wie bei viel Ähnlichkeit das wenige Trennende im Auge zu behalten. Und. überall ist etwas heraus* zuholen. Auch am Dümmsten ist noch etwas zu lernen! Respekt vor Menschen und vor Ideen! Alles ist für mich auf der Welt,, der ich der Wertmäßstab bin. Nicht auf sich selbst beschränkt bleiben, sondern alles in sein Selbst aufnehmen.. Die Welt ist Funktion des Ich, aber seines Ideals (seines Willens), im Verhältnis zu dem erst alles (relativ) Daseinsberechtigung erhält. Nidit über das Außen hinwegsehen, sondern es clem Innen unterordnen. Was gelerftt haben am Weg votn Säugling zum Joga; nicht toter Moritz, sondern vermummter,Herr**/ nicht gehemmt, spndern frei,« nicht Mucker, sondern Faun, nicht Chauvinist sein*und doch die Welt einteilen in fEXXr)vec; und ßapßapoi,. niemandem sich verpflichten und doch was * Hans Driesch, Biologe in Heidelberg, einer der wenigen, die noch wissen, was Wissenschaft soll, schrieb »Die Philosophie des Organischen«. ** Frank Wedekind^»Frühlings-Er.wachen«.

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