Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 468 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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468 Otto Fcnidielr haben, und so aus fremdem Hunger Berechtigung zu eigeriejn Müßiggang zti ziehen. Gewiß, muß jedfer zu essen haben und gewiß ist die Meißner* formel. in der heutigen Weltördnung unerfüllbar, also muß die Weltord* nung erst geändert werden/ aber das Recht dazu hat nur der, der die Formel dort erfüllt, wo sie erfüllbar ist. Das ißt freilich schwer und schwerer als Aufsätze schreiben Vielleicht auch schwerer als Sozialdemo* krat zu werden)^ aber wir, die wir die Erfüllung dei* Formel wollen, was kümmert uns Schwierigkeit oder Leichtigkeit? Selbstgestaltung — das heißt, wissen, Vas man will/ und darauf hinarbeiten,- und innere Wahr* haftigkeit ~~ das heißt, beim einmal -Gewählten bleiben, solange die Gründe fortbestehn, die zur .-Wahl* bewogen haben, und das heißt allerdings auch, redlich sein und immer bereit, die Gründe neu zu kritisieren .. . . r ' " Selten ist der yersuch gemacht worden, das nicht nur zu fordern, sondern zu tun. Das Folgende wendet sich an solche- und nur an solche, die den Ernst dazu haben und nicht weget) Unbequemlichkeiten aus der?philosophischen Kohsequenz springen. Es ist eine Esoterik, eine Geheim* ehre, nur gerichtet an und nur verständlich .für —• Eingeweihte. - , - Ein altes lateinisches Sprichwort .sagt: Nayigare necesse est, vivere tfon necesse. Dieses, meine Freunde, wollen wir aus der Weltr zum Schwinden «bringen, aber" dafür setzen: Vivere necesse est,- ergo "et navigare. . Ich /werde euch ein schweres Geheimnis anvertrauet; Was der Mensch, tut, tut er, weil ihm die Tat Freude bringt. Es gibt;keine Handlung, die nicht gefühlsgebören wäre. Waes der Mensch »gut« heißt, das heißt er so, weil ihm das Heißen Freude bringt. Es gibt keinen Wert, der nicht gefühlsgeboren wäre. Xlavtcw jiedpoy &v£poo:n:o£ <gewiß, nicht alle Lust ist gut. Aber alles Gute ist Lust).;> 'AvÄpcüjtoc;, nur dv^pcojtoc;? Nein, nie kann, was sein soll, abgeleitet werden, aus dem, was ist." Kein Studium der Historik sagt uns; welche Staatsform-die beste sei, wenn nicht unser Wille uns vorher sägt, wozu der Staat. Kein Studium der Psychologie sagt uns, welche Lebensform die beste sei, wenn nicht unser Wille uns Vorher sagt, wozu' das Leben. Alles Wissen ist <ethisch>* Funktion des Wollens. Aller Verstand Funktion des Affekts. Wille und Affekt aber sind Lichtgeschwindigkeiten. Nur diese sind |ie£pa. Hüten wir uns vor einem Haeckel, der aus der Wissenschaft eine Ethik ableiten will/ er ist von vornherein auf dem Holzweg. Die Ethik ist Affektsache. Eine Heilsidee kariri Irtan nicht beweisen,- man kann nur zu ihr begeistern. Jeder habe die Heilsidee, "die er sictt wählt, aus Lustgründen wählt, so lange als er niemand Leid damit bereitet. Unser Grundsatz, meine Freunde, nach außen hin, unser politischer Leit* satz sei: So lange niemandem dadurch Leid entsteht, ist alles <von wem immer) Gewollte zu bejahen. Denn auch für das von uns Gewollte können wir letzten Grundes kein anderes Argument anführen als — daß wir es wollen*