Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 449

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 449 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437825--506-3776892
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ff ... ' ■ \ ' * Von der Schande eurer Namen, > . * 449 Ru&sichten, Hinsichten, »Nebensichten«. Ihr möchtet, so und möchtet auch so. Ihr wollt euer und unser, eurer Kinder Leberisbasis nicht auf e^i n e Karte, auf des Zionismus einzige Karte setzen. Ihr machet auch bei unserer Erziehung stets eine Reservatio fäcultatis, einen Vorbehalt der Möglichkeit*. Schon von der Geburt, von der Namensgebung an. Unsern IWeg schon durch den Namen eindeutig, unausweichbar jüdisch vorzuzeichnen, hieltet ihr für inopportun. »Man kann nicht wissen . . .<< Ihr möchtet wohl/ daß euer, daß eurer Kinder Leben zionistisch sich voll^ ziehe — »warum denn nicht?« — wenn es geht, leicht geht.-Sonst auch anders, auch halb- oder viertelöder achtelzionistisch. Ihr tretet überall, bei allen Gelegenheiten des Wortes mit Emphase gegen die' Assimilanten auf, aber euer Leben unterscheidet sich in nichts von dem jener- Jene, schimpft'ihr, verstecken ihr Judesein und ihr? - Habt, ihr es bei euch, bei uns sichtbar werden zu lassen euch bemüht? Wie jene, so verberget doch auch ihr euch hinter fremden Namen, fremder Sprache, fremdem Gehaben, um Ruh e zu haben ~- ist das euer laut gepriesenes »neujüdisches Bekennertum«? Laßt uns Jungen wahrer sein, offener sein! Schal, ekel ist uns die Ruhe, das Unbehelligt^ sein, das nur. durch mehr oder weniger Nicht^Erkanntwerden ermöglicht wird. Mit xiem Namen beginnend, soll unser Leben, unser alles zu uns selber lind zur ganzen Welt rufen: Jud, Jud, Jud! Will, kann die Welt solche offene Juden^Menscheji tinter sich verstreut unbehelligt leben lassen? Will sie es nicht und ihr, die ihr euch Zionisten nennt, müsset doch wohl sagen, sie will: es nicht so müssen wir hinaus, in eine Heimat hinaus! Dergestalt soll uns die Zwangsläufigkeit, die dem Träger eines jüdischen Namens auferlegt ist, zu einem Zionismus, füjiren, der von einer Rückendeckung, von einer Rückzugsmöglichkeit nichts wissen will: außerhalb des Zionismus gibt es für uns kein Leben!- „ So müsset ihr Jungen zu euren zionistischen Eltern spredlen, X. Antworten, ' %• Geehrte Frau Dr. Louise Farchy! Sie "schreiben in dem offenen -Briefe^ der in dieser Zeitschrift abgedruckt wurde, daß Sie sich als Glied jener jüdischen Jugend fühlen, die meine »Forderungen unbedingt billigt und billigen muß und die' keinen größeren Stolz kennt oder kennen würde, als einen jüdischen Namen tragen zu dürfen,« und doch »will ich,« sagen Sie, »das Opfer bringen, meinen nichtjüdischen Namen geduldig und ehrlich z\i tragen«. Weil der Vorname nicht ein freiwillig, sondern von den Eltern* gewählter ist, also höchstens eine Schande der Eltern bedeutet, aber für die Art des Trägers gar nichts beweist. Als ehrlicher Mensch * Ich kenne wahrhaftig eine ^Mutter, eine Zionistin, die ihre heiratsfähige Tochter zwischen den Namen 1 ea und Laura pendeln läßt und offen sagt: »Manche junge Leute heute sind Zionisten, manche nicht. . Die Uninformierte! Sie weiß nicht, daß Laura ein gut »zionistischer« Name ist. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.