Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 447 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437825--504-3776890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von der Schande eurer Namen. 447 •sich über die Namensänderung wundert und nadi Gründen fragt, so ist's recht. Beim Seder heißt es: »Damit der Sohn fragt« und damit du Gelegenheit hast, die Antwort zu geben: Ich zog, ich ziehe aus der Knechtschaft heraus! o - E . . . 1: »Ich nehme deri- Einwand auf, den Sie im ersten Abschnitt Ihres Aufrufes gestreift haben. Daß es nämlich eine Halbheit, eine Unhärmonie wäre, wenn »,wir, ohne noch Hebräisch zu können* uns gleichsam einen hebräischen Namensschal um unsere Blöße würfen, dies wäre falsche Etikette, Tand«. . 4 Ich: »Sie hätten recht, wenn Sie der Meinung und des Gefühls wären, daß die mosaischen Träger deutscher, tschechischer usw. Namen ihrem , wahren Wesen nach Deutsche, Tschechen - usw. sind. Dieser Meinung könhen Sie aber als Zionistin nicht sein und mit Ausnahme weniger schwindlerischer oder beschwindelter . Politiker sowie ätherisch-duseliger Ästheten sind auch die wahren Deutschen, Tschechen usw., von den besten bis zu den schlechsten, dieser Ansicht nicht. Eine kreischendere Disharmonie als eben die Verbindung der arischen Vornamen mit jüdischem Körperexterieur, mit jüdischem geistigen und seelischen, sensorischen und motorischen Habitus einerseits und mit kennzeichnend jüdischen Familien^ ' namen anderseits kann es absolut nicht geben. Die Gegensätzlichkeit aber zwischen eurem' neugewählten hebräisch-jüdischen Namen und eurem noch unjüdischen Leben muß doch nicht durch die Ausschaltung des hebräischen Names aufgehoben w;erderi, sondern es kann dies umgekehrt durch die steigende, intensive Hebraisierung-Judaisierung eures Lebens geschehen. Ist nicht schon jeder von euch einmal einem ganzen, feinen und starken, ehr^ würdigen Juden begegnet oder einer ebensolchen Jüdin, deren Sein und Namen, Moscfie oder R i w k a, eine wünderwirkliche Harmonie bildeten? Euer neuer Mißklang kann eben und. soll in euch fruchtbar werden, soll immerfort das Werden und Wachsen der neujüdisch^hebrälachen Art in euch wirkend fördern, fordern. Es ist das schon in vielen 'Variationen' wiederholt worden,, daß die Namensänderung ein Auftakt, ein Beginn sein soll, aber kein Abschluß sein darf. — Demjenigen jungen Juden, der sich für ein Leben in Palästina vorbereitet, ist da natürlich schon gar jedes Wort überflüssig. VIII. Traurig-Heiteres. Mein Freund, ein spottfrolier Zyniker, trägt zu unserem Thema fol^ gendes bei: ' * »Vor einigen Jahren hat der damalige Oberrabbiner von Wien, Dr. Moriz Güdeniann, in der »Österreichischen Wochenschrift« den östlichen Juden geraten, ihren Kindern arische Namen zu geben, weil sie durch ihren Berisch oder Pessie im Leben viel zu leiden hätten und manchmal sich einer taufen läßt, um so seinen Namen ändern zu können. Daraürhin^ hat ein-Zionist in einer zionistischen-Zeitung vom nationalen Standpunkt y. aus auf vier* Spalten einen heftigen Angriff gegen Güdemann gerichtet. -Aber der Angreifer hieß Egon und seinen, zwei Kindern gab er die