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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 445

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 445 (sequence 21)
Language
German
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Von der Sdiande eurer Namen 445 diesen Träger,m Denn man stelle sich den extremen Fall vor: Der Hersch Leib kommt in eine Umgebung, «in der er bisher ganz unbekannt war. Er ist durch nichts sonst als Jude kenntlich, denn durch seinen Namen. Wie muß nun die Art, in der* die Umgebung ihm begegnet, eben als dem Hersch Leib bzgzgmt, auf sein Benehmen wirken, auf die Weise seines Sprechens, seines Handelns, auf seine Oedanken und Gefühle! Gleichsam ein angeschmiedetes festes Kleid ist ihm der Name, mit unverrückbaren Konturen, durch die seine Bewegungen bestimmt/ modifiziert/ begrenzt werden.. Und man stelle sich denselben Menschen vor, in derselben Umgebung, ebenfalls als .Unbekannter kommend, aber mit Johann Christian als Vorname. Wie anders wird sich seine Aufnahme in der neuen Umgebung und seine Einstellung auf dieselbe gestalten! — Natürlich ist das nur ein Grenzfall/ jHersch Leib wird gewöhnlich auch sonst charakterisierend Anderes an sich haben als Johann Christian. Aber auch der Name ist eben in allen Fällen, wo er an ein persönliches oder ein Gemeinschafts^Problem irgendwie anstreift, wo durch ihn ein Gegen*? sätzlrches oder zumindest ein Unterschiedlich-Bestimmtes gekennzeichnet wird, — wie hier das »Jüdisch oder Arisch« — von großem Belang und seines Trägers Sein und Wirken ist durch ihn bedeutend mitbestimmt. Man erinnere „sich der unzähligen Fälle im Leben sowie in der Literatur, wo das Bewußtsein, der* Träger eines besonderen Namens zu sein, als eine richtunggebende Macht sich kundtut, die den Betreffenden geradezu zwingt, ]eine Handlung zu begehen oder zu lassen. Auch liegen uns ja auf unserem eigenen Gebiete die Wertbeweise im Verhalten all derjenigen vor,'die die unglaublichsten tragischen oder komischen Anstrengungen, die lügenhaftesten, schamlosesten Drehungen und Verrenkungen vor* nehmen, um sich der Tatsächlichkeit des unglücklicherweise von ihren Eltern erhaltenen jüdischen Vor^ oder Familiennamens zu entwinden. VIL Werden wir durch den fiebräisdhen Namen jüdischer? <Aus einer Ausspräche unter »Blau^Weißen«.) P . . i r:_ »Ich glaube nicht,- daß wir durch Annahme eines hebräischen Namens jüdischer werden. Hat denn der Name auch bei anderen Völkern immer eine völkische, eine nationale Bedeutung? Der Name ist doch im Gründe nur eine Unterscheidüngsbezeichnung, ein mechanischer, etikettenhafter Unterscheidungsbehelf zwischen verschiedenen Individuen. Anderseits wurde es in meiner Umgebung sehr komisch aussehen, wenn ich;mir plötzlich einen neuen Namen beilegen wollte. Womit sollte ich dies denn eigentlich begründen?« Ich : Zum ersten Einwahd erkläre ich, daß auch ich ganz und voll überzeugt bin, daß wir durchgehe Änderung des Namens allein nicht um ein Jota im Wesen jüdischer werden. Ich verweise darauf, was ich schon früher gesagt habe <hier im Abschnitt I>, daß die »Annahme des hebräischen Namens der leichte Auftakt sei zum schweren, ' langwierigen, hindernisreichen Mühen um die Erlangung eines hebräischen Lebens, der

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