Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 443 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bürgerlfdie und proletarische Jugendbewegung. 443 . _ : ___ eine solche könnte eine nicht klassenmäßig beschränkte, sondern geselle schaftlich gewährleistete Jugendkultur mit sidi bringen. Aber nidit darum — denn ich behaupte,, die proletarische Jugend kann und darf sich im Augen^ blick noch;gar nicht auf Jugendsondergedanken einlassen — sondern üher^ haupt um des Sozialismus willen sei die proletarische Jugend wahrhaft proletarisch, also wahrhaft revolutionär und somit auch wahrhaft jugendlich. Die antizipierende Lösung, die einem Teil der bürgerlichen« Jugend entspricht, wird für den ersten Blick einen tiefen Verdacht erregen. Wie kann irgend eine Errungenschaft, die bürgerlich klassenmäßig bedingt ist, eine Antizipation von sozialistischen Zuständen darstellen? Gibt es zum Beispiel jetzt eine sozialistische Kunst, ist ein sozialistischer »Lebensstil« ^gegenwärtig überhaupt möglich, sind nicht alle jene Versuche von Antizipationen Ausflüchte von Dummköpfen und Hysterikern, oder gefährliche" Ablenkungsversudie von Sozialreformern und Kulturphilistern? All dies ist richtig. Nur auf die Jugendbewegung findet es keine Anwehdüng. Die Jugendbewegung ist die einzige, die eine Ideologie, losgelöst von realen Machtverhältnissen <älso Klassenverhältnissen), verwirk^ liehen und bewahren kann.. Denn die Jugendbewegung ist die einzige Bewegung, die nicht auf der Kontinuität der einzelnen Personen^ Mitglieder beruht. Im Gegenteil: Nicht Individuen sind ihre Träger^ Individuen mit notwendigerweise immer enger abgezirkten Zwecken und Bedürfnissen, sondern der jugendliche Typus schlechthin ist hier Träger und ihre Existenz beruht auf der Kontinuität dieses Typus. Daher muß eine antizipierende Jugendkultürstätte, eine inselhafte, weder die Gefahr erzeugen, kulturselige Menschen heranzubilden, die als Erwachsene ihre Ausnahmsstellung vergessen, daß es noch zu früh wäre zufrieden sein, weil sie der Jugeridkultur teilhaft wurden, noch auefo bfaucht sie einen unsinnigen Versuch darzustellen in einem Augenblick ein neues Privilegium aufrichten zu wollen, wo um die Aufhebung aller Sondererrungenschaften und um ihren Allgemeinbesitz gekämpft wird. Vielmehr werden sich jene Erziehungsstätten bei konsequenter Durchs führuüg der ihnen zu Grunde . liegenden Idee fähig erweisen, die Kern^ punkte abzugeben in einer Gestaltung des gesamten Jug£ndleben's. Am schwierigsten durchzuführen, jedoch prinzipiell am klarsten scheint die dritte mögliche Konsequenz aus der Jugendklassenlage, der direkte Übergang ^bürgerlicher,' junger Menschen zum Proletariat. Dennoch ist auch hier ein Mißverständnis möglich, das den Wert eines solchen Handelns. in Frage stellen kann: Jene bürgerlichen Jugendlichere dürfen nicht vergessen, daß'sie einzelne sind, nicht die gesamte bürgerliche Jugend. Wenn sie als »Wir« auftreten und sich in die prole^ tarische Bewegung-einstellen-wollten, z. B. als: »Wir Mittelschüler«, so« schadet das auf alle Fälle. Entweder es schadet ihnen selbst, wenn sie — mit Recht, aus einem richtigen Instinkt heraus, von der proletarischen Jugend einfach abgelehnt werden. Oder es schadet dem proletarischen Klassen^ kämpf und somit indirekt Nauch der Sache der Jugend, nämlich -wenn man sie aufnimmt und die Gefahr dieser Einigungübersieht. Welche Gefahr?' Solange^ es elften Klassenkampf gibt und geben muß, weil es noch Klassem . -32