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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 441

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 441 (sequence 17)
Language
German
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Bürgerliche xmd proletärisdie Jugendbewegung. 441 liehe Gesellschaft ist vielmehr die erste, die sich den Luxus leisten konnte, einen eigenen jungen Typus sich zu halten ±~ den Schüler. {Vergleiche dagegen den jugendlichen Knappen, der von vornherein der Gefolgsmann des Ritters/ des: Erwachsenen ist). Die erste zugleich, die sich dieses Luxuses -als eines Klassenprivilegs bedienen m ußte. Es macht eben den Bürger aus, daß -er zum Zwecke der Beurkundung seiner Klassenzugehörigkeif zirka zwölf Jahre {Mittelschule plus Hochschule) seiner Klassen- 'ausbild'ung widmen kann! Diese Situation gibt also zum ersten Mal dem juiigen Menschen Raum zum Bewußtsein seiner selbst. Andererseits aber belastet sie ihn in diesem , seinem abgegrenzten. Jugenddasein, Schüler^ dasein mit allen jhren Zwecken, die vor allem als Forderungen der Schule und Verpflichtungen der Familie an ihn herantreten. Dies ergibt jene tiefe. Diskrepanz, die zum erstenmal dahin führt, daß eine jugendbewußte Auflehnung gegen sie entstehen kann. Anderen Zeiten und Gesellschaften fehlte entweder die eine Bedingung dazu: Die Abgrenzung einer eigenen Jugendzeit nicht nur zum Zweck der Heranbildung zur Erwachsenheit, sondern als privilegierte Zeit schlechthin,. od.er die zweite gegensätzliche, Revolution erzeugende Bedingung: Die Erfüllung dieser Sonderjugendzeit mit ganz unjugendgemäßen Lebensinhalten. — so gab es etwa, zum Beispiel gerade für die oben erwähnte Ritterjugend zwar keine reservierte® Jugendzeit, sondern nur eine Vorbereitung zur erwachsenen Ritterschaft ~* aber dafür ein tatsächlich viel jugendgemäßeres Leben während jener Heranbildung, nämlich die Vereinigung junger Menschen zu einer Gefolgschaft unter einem Führer <Ritter>. Wenn "wir also sagten, daß auch die bürgerliche Jugend durch die kapitalistische Gesellschaft um ihre Jugend betrogen worden ist, so ist dies hier doch anders gemeint als für die jugendlichen Arbeiter: Der bürgerliche junge Mensch ist um sein jugendgemäßes Leben betrogen, nicht aber um das Bewußtsein seiner Jugend, im Gegenteil, in dieses wird er geradezu durch seine Sonderstellung hineingetrieben. Somit ist seine Haltung nicht mehr ^ie beim Proletarier einfach die des Kampfes gegen die Gesellschaftsordnung, die' ihn in seinem jugendgemäßen Leben hemmt. Denn erstens, tut er es schon im Bewußtsein seiner Jugendlichkeit und um seiner Jugend willen — und dies Bewußtwerden ist beim Proletarier nicht Vorhänden und zweitens stehen ihm, dem wirtschaftlich Unproduktiven, auch nicht jene direkten ökonomischen Mittel des Klassenkampfes zur ' Verfügung wie dem produktiven Arbeiter. Aus dieser zwiespältigen Lage heraus: Der Tatsache des Andersseins als, die proletarische Jugend einerseits .und des mit ihr gemeinsamen Kämpfes und letzten Zieles andererseits ergeben sich für den bürgerlichen Jugendlichen auch zweierlei mögliche Konsequenzen: Entweder Gestaltung der Jugendkultur, dieser <heute!) bürgerlich bedingten, weil exzeptionellen und durdi private ^Mittel ermöglichten Lebensform, die doch an sich unbürgerlich , ist, oder direkte Solidarität mit den Proletariern, Proletarisierung. Das erste bedeutet, wirklich/ angestrebt und geschaffen, Antizipation efjres sozialistischen Gemeinwesens, in dem eben die gesamten jungen- Menschen tatsächlich an der Verwirklichung der, Jugendkultur fliitschaffen könnten.

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