Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 439 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bürgerlidie und proletarisdie Jugendbewegung. 439 der Familie einander entgegen und kein* Zweifel: Die erstere siegt, sie liegt in der ökonomischen Entwicklung. Stück für Stück entzieht sie der anderen Komponente die reale Erlebnismöglichkeit und zerstört allmählich, um es \kurz und symbolisch zu sagen, die Geschlossenheit der Runde beim Familientisch. Kein Wunder, daß dieser Verschiebung der Macht- Verhältnisse um der kapitalistischen Entwicklung willen und auf Kosten der Familie sich mit jeder neuen Generation auch inj einzelnen Menschen immer stärker ausprägt, daß auch am einzelnen Menschen die egoistische, sollipsistische Komponente immer stärker vortritt gegenüber der familien^ haltenden. Und diese Entwicklung ist schon so weit gediehen, daß die bürgerliche Familie gegenwärtig als ein. Anachronismus erscheint. Der Schauplatz aber, auf dem sie noch einen Verzweiflungskampf führt, ist die »Erziehung« und das Objekt: Die Jugend. Aber was hier geschieht, ~~ abgesehen davon, daß es vergebens versucht wird ~\ ist in Wahrheit Klassenkampf und keineswegs Erziehung. Und so kommen wir für die bürgerliche Jugend zu dem Ergebnis : Audi ihr schafft das Milieu keine Bedingungen, welche wir als Erziehungsgemeinschaft oder «Jugendbewegung bezeichnen können. Zwar sind die Hemmungen, die sich ihr in den Weg stellen, nicht direkt als ökonomische zu erkennen und es scheint ihrer Jugend jene ökonomische * Freiheit und: Sorglosigkeit gesichert/ welchewir, zumindest wenn wir kapita^ listische "Produktionsweise im Äuge haben, als Vorbedingung für jedwede: Erziehung annehmen Rüssen; Jedoch es läßt sich leicht erkennen, daß diese Sorglosigkeit um freie Geistigkeit von vornherein erkauft ist" mit völliger ethischer, sozialer und geistiger Unfreiheit. Daß der jugendliche Bürger nur so lange die Vorzüge der Pflege und Bildung genießt, als er im Schöße der Familie geborgen und in den Klassenideologien der Sdiüfe unterrichtet, bürgerlicher Moral, bürgerlicher politischer Gesinnung, bürgerlichem Kompromiß ^huldigt. Ja noch mehr: Nicht nur, daß die Möglichkeit geistig orientierten Lebens-erkauft ist mit. Kompromissen, die allen Geist ausschließen, sondern dem jungen bürgerlichen Menschen bleibt gar keine Wahl zwischen seiner Klassenbildung oder einem konsequenten Aufgeben semer Klassenprivilegien und Schranken zugleich* Nicht nur wirtschaftlidie, sondern^ auch rechtliche Abhängigkeit zwingen ihn'einfach im Elternhause sein »sorgloses« Leben weiter zu führen und sein privilegiertes- Gefängnis, die Schule, mehr öder weniger die ganze Jugend^ zeit hindurch, meist acht Jahre lang zu besuchen. Ehe ich nun aus der gegebenen Situation Konsequenzen für die Haltung der proletarischen Jugend einerseits, der bürgerlichen andererseits, zu* Ziehen versuche, möchte ich zusammenfassend feststellen: i. Weder die proletarische tiodi bürgerliche Jugfcnd haben ein jugendgemäßes Leben. . o x z. In beiden Fällen ist §chiild daran die bürgerliche Gesellschaft, die notwendigerweise jede junge Generation in die alte Klassenschichtung einzuordnen sucht und mit gleichem Zwange diese zu Ausbeutern, jene zü Ausgebeuteten macht. Nur erfährt die proletarische Jugend diesen Zwang direkt als ökonomischen, physischen am eigenen Leibe, die Not