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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 429 (sequence 5)
Language
German
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Über soziale Arbeit. * * - 429 verschließt« ist endlich zu tarnen, vor der verdächtigen Sentimentalität, inder sich Jugendliche, die es nicht mehr sein sollten, gefallen, vor der künstlichen Verlängerung der absoluten Rezeptivität, hinter der so viel Unfähigkeit und Trägheit ihr beschauliches Dasein fristen. Än ihre Stelle trefe das Gefühl eines irinigen Verpflichtet^Seins zur Ar^ beit. Und zwar zur Arbeit unter ändern und für andere. Das sei die Gfuridgesinnung für die Jüdische soziale Arbeit. Auch sie wird geboren aus der Einsicht, daß wir fieuer Formen der Ver~ gesellsdfaftung und neuer Formen der gesellschaftlichen Arbeit bedüg|en, sie wird getragen von dem Glauben, daß neue Inhalte der VergesefU . schafturig und neue Inhalte der gesellschaftlichen Arbeit werden geschaffen werden, wenn diese formalen Bedingungen erfüllt sind. Was so unter jüdischer sozialer -Arbeit verstanden wird, ist nur ein kleines Stück der gewaltigen Revolutionierung, die wir als notwendig erkennen, Aber der einzig mögliche Anfang ihrer Verwirklichung, das Einzige, das Losung gewährt in der ungeheuren Spannung, in die wir beim Denken -an sie versetzt werden, Erfüllung statt Verdrängung. Der Jugend, die das begriffen hat und will, eignet die Fähigkeit, herauszutreten aus dfcm Zirkel, in dem sich Reproduktivierung und Re^ g^neration wechselseitig unmöglich machen. Weil sie vor der Wirtschaft ' steht und vor den bekannten immanenten Gesetzen der Geschichtsentwicklung, nicht in ihnen gefangen ist und sich nicht der eigenen Unfreiheit als näturgesetzlich bestimmt rühmt. Die anderen, die Erwachsenen und Klugen und Erfahrenen könrien es gar nicht oder doch nur sehr unvollkommen ,*■ sie greifen zur Kooperation erst nach dem völligen Bankrott des freien Konkurrenzsystems und selbst dann ist sie ihnen nicht Ziel, sondern nur "Durchgang zu neuem Individualismus. Für sie ist soziale Arbeit Zwang und »äußerliche Gebärde«, in ihrem Innern haben sie resigniert. Ihr fragt: Wie sieht nun die soziale Arbeit, die wir verrichten sollen, tatsächlich aus? Darauf gibt es zweierlei Antwort, denn sozial arbeiten heißt entweder sich als tätiges Mitglied einer hestimmten Menschengruppe in einem be^ stimmten Produktionszweig unter bestimmten Produktionsformen einfügen oder aber für Menschen die Möglichkeit solcher Betätigung zu schaffen. ' Eben der Umstand, daß' unter sozialer Arbeit zumeist nur das letztere verstanden wird, hat ihren Pflichtenkreis ungebührlich verschoben und verengt. Fürsorge wird nur der heranwachsenden oder absterbenden Generation zugewendet und auch hier fast ausschließlich Unfällen, Krankheit, Krüppelhaftigkeit, Verwahrlosung. Die" natürliche Folge ist eine Übertragung der* sozialen Arbeit an gewisse sattsam bekannte Kreise, \ ein fäder Wohltätigkeitsbeigeschmack und eine unleidliche Bevormundung derer, denen sie zugewendet wird. Ihr müßt stets dessen eingedenk sein, daß auf den bisherigen Gebieten sozialer Arbeit mit * größter Intensität weitergeschafferi werden muß, -daß d i e Arbeit aber letzten Endes fruchtlos und entmutigend ist, die sich auf Heilung derr offenbarsten und erbarmungswürdigsten Schäden beschränkt, statt Prophylaxe treiben/ Zwei JHaüptgebiete sozialer Arbeit gibt es für den jüdischen Jugend^- * 31*

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