Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 12 (3.1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 428 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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428 Er,win K ohn : zierungen der allzu blassen sozialistischen Theorien/ an ihrien zu hauen; sie auszugestalten und. sie zu Wahrzeichen kommender Zeiten zumachen lockt midi weit mehr als" die Zerstörung des Bestehenden und der Aufruf zum Kampf, der' immer wieder verschöben werden muß. Gelingt eine ' lebendige ad-absurdum*Führüng des herrschenden Systems, wenn auch nur klein weise _und auf Teilgebieten, dann ist unendlich viel gewonnen. . Bs ist aber nicht allein die Evidenz des exempla trahunt, die mich zu sozialer Arbeit in der oben geschilderten Art drängt, " es ist noch ein zweites Moment yirksam>das mich ihr verpflichtet. Die Möglichkeit näm* lieh, in dieser sozialen Arbeit für einen gar nicht kleinen Kreis von Juden das Ziel zu verwirklichen, nach dessen Erreichung erst die Regeneration, als welche uns* der Zionismus erscheint, beginnen fcann/ ' ich meine die Reproduktivierung des jüdischen Menschen. tinter ihr verstehe idi mehr als gemeiniglich darunter verstanden wird, wenn sie als Punkt in irgendwelchen Thesen irgendeiner Rede auf irgend^ einem Parteitag erscheint. Sie ist mir eiir zentrales Problem, das Problem -* vielleicht der jüdischen sozialen Arbeit und kein wirtschaftliches, zumindest. nicht ausschließlich wirtschaftliches, sondern ein geistiges. Zu seiner Lösung reicht nicht au« die Schaffung äußerlicher Bedingung^ produktiver jüdi^ scher Tätigkeit, sondern es tut einetiefgehende Veränderung in der, geistigen und sittlichen Haltung der jüdischen Menschen not. Hier scheint ein circulus vitiösus vorzuliegen, denn das heißt ja im Grunde Regene^ x ratiön und wenn ich vorhin Reproduktivierung als ihre Vorbedingungnannte, so ist damit eine unlösliche wechselseitige Voraussetzung konstruiert. Daß er zum Teil tatsächlich besteht, ist an Beispielen aus der Gegenwart nachzuweisen, und das ist der Grund meiner beträchtlichen Skepsis, gegen " die jüdische Mässen-Bmigration nach Erez Israel. Daß er •aber durchbrochen wird, daß der Regenerationsbegirin, die t e e h r a t h * h a 1 e w a w o t h hier einsetze und mit ihr die Reproduktivierung, * ohne Rücksicht auf drüben, um dort w:ahrliäft sinnvoll und fruchtbar zu* werden/ das scheint mir die Aufgäbe der Jugend in der jüdischen sozialen Arbeit zu sein und dazu rufe ich, euch auf. * \ Der Typus "des Jugendlichen, der sich solcher Erkenntnis erschließt und ihre Verwirklichung in der Realität in Angriff nimmt," ist allerdings erheblich verschieden von dem, wie ihn manche Jugendideologen wollen und beschreiben. Produktivität im Gegensatz zu Rezeptivität zeichnet ihn aus,- die Entscheidung, welche vorzuziehen, fälle ich nicht. Beide haben Be* rechtigung, aber es scheint mir, daß der im wesentlichen rezeptive Typus des Jugendlichen allzu lange im Mittelpunkte des Interesses und der Wünsche der Jugend-Interessenten gestanden ist, daß dem produktiven Daseinsberechtigung nur inäoferne zugesprochen wurde, als seine Pro- , duktivität eine künstlerische^ war oder zu werden versprach, daß man die Notwendigkeiten des Älltagg, statt sie herauszuheben aus der Betriebsam* - keit der heutigen Welt und in sie neue Artung hineinzutragen, den Ge* sdiäftigen überließ, so daß ein Grausen uns ankam/ wenn ^ir s i e am Werke sahen und daß der Begriff der Arbeit in unbeschreiblicher Weise deprävieft wurdet Vor diesem Kult des »selige wer sich vor der Welt ,