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Jerubbaal · 1919-03-01 · 12 (3.1919) · p. Seite 427

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
12 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 427 (sequence 3)
Language
German
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Ober soziale Arbeit. Freunde, zu denen ich das Folgende sprach, haben midi bestimmt, es dein Drucke zu, übergeben* Idi komm£ ihrer Aufforderung nach, bemerke aber, daß* mir selbst mehr als denen, die es - lesen werden, die Flüchtige keit und Oberflä&lichkeit der Behandlung des Gegenstandes bewußt ist. Sie erklärt sich aii$ der besonderen Situation; nämlich aus der Mitteilung an einen Kreis, -der .gewisse Kenntnisse hat und dessen Einstellung zu sozialer ÄrJ>eit von vornherein eine der meinen ähnliche gewesen ist. Für jeden anderen bleibt die Darstellung -Fragment. — Ein gewichtiges prinzipielles Bedenken hält mich davon zurück, von jüdi* scher sozialer Arbeit zu sprechen als von einer Angelegenheit, deren Not^ wendigkeit evident ist und bei der es sich nur um Modifikationen der Verwirklichurtg nach Tempo, Umfang und Abgrenzung zu anderer jüdischvölkischer Arbeit hin handelt: es ist mir nämlich bekannt, daß der.Begriff soziale Arbeit ein durchaus ungeklärter ist, daß die Auffassung von sozialer Arbeit wechselt, nicht nur nach Völkern und Parteien, sondern auch nach individuellen Differenzen, Lebensarten, Geschlecht. Bei ihr tritt so recht die bekannte Verschwommenheit aller Begriffsbestimmungen zu Tage/ in denen das Wort Societas in irgend einer Variation vorkommt xind unter der, um zwei Extreme zu nennen, Soziologie und Sozialismus in gleicher Weise zu leiden haben. . Die Begrifrebestimmung sozialer Arbeit erfolgt, meine ich, am leichtesten däclürdi, daß man nach dem Effekt dieser Arbeit fragt. Und je nach dem gewünschten Effekt werden sich die einzelnen Kreise, die sozial arbeiten, deutlicher scheiden, ebenso wie die einzelnen Prozesse sozialer Arbeit. Aus der Fülfe möglicher Variationen greife ich zwei heraus, die mir eine Charakterisierung der diametralen Gegensätze zuzulassen scheinen, die jscheinhar einträchtig unter vdem Kautschükbegnff der sozialen Arbeit vereinigt sind. Die eitie, ich heiße sie die boürgoise, ohzwar der Marne hier nicht ganz jpassend ist, will soziale Arbeit, um die Klassengegensätze all* mählicn zum Verschwinden zu bringen, das proletarische Elend nadi Kräften sie sind meist recht bescheiden — zu lindern und bei Fort* belassung der geltenden Wirtschaftsprinzipien die Hauptangriffspunkte der proletarischen-Revolution aus der Welt zu schaffen. Auch die zweite, ich nenne sie die proletarische, will das Elend des Proletariats lindern, aber nicht nur das, sie weiß, daß fcs in ihrer Macht liegt, es,gänzlich zu beseitigen, so zwar, daß die Klassengegensätze deutlich aufgezeigt und die Angriffspunkte der proletarischen Revolution flädienhaft vergrößert "werden/ Konkret: dadurch/ daß nicht nur Kritik geübt wird an den geltenden Wirtschaftspririzipien, sondern daß positiv aufbauende sozialistische Arbeit geleistet #ird, daß sich im ^kapitalistischen Meere inselartig soziale Institutionen erheben, die Vefneiner der geltenden Wirtsdfaftsprinzipien sind und die., wenn sie auch in vieler Hinsicht unreine unef mangelhafte Gebilde darstellen, dochahnen" lassen, von welchem Geiste ein sozialistisches Gemein^ weseri beseelt sein wird. * "Ihnen wende ich mich zu, in ihnen erblicke ich die einzigen Bxemplifi-

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